HARVARD UNIVERSITY. |

LIBRARY

OF THE

MUSEUM OF COMPARATIVE ZOÖLOGY.

0b ö Ychomge Sılasanı BEL Declant, 14,

ABHANDLUNGEN,

HERAUSGEGEBEN

VON DER

SENOKENBERGISCHEN NATURFORSCHENDEN GESELLSCHAFT.

NEUNTER BAND.

Mit XLI Tafeln.

FRANKFURT a. M.

CHRISTIAN WINTER,

1878 1875.

Inhalt.

E, Stoehr, die Provinz Banjuwangi mit der Vulkangruppe Idjen Raun in Ost-Java. Mit

acht Tafeln . O. Böttger, Reptilien von Marocco und von den ainarikehen Inseln. Mit einer Tafel Friedr. Scharff, über den Quarz. II. Die Uebergangsflächen. Mit drei Tafeln \ 0. Bütschli, zur Kenntniss der freilebenden Nematoden, insbesondere der des Kieler

Hafens. Mit neun Tafeln .

va E. Gasser, über Entwickelung der Allantois, der Müller’schen Gänge und des Afters. Mit drei Tafeln

0 I. C. G. Lucae, die Robbe und die Otter in ihrem Knochen- und Muskelskelet. Zweite

Abtheilung. Mit siebzehn Tafeln .

Seite 1—120 121—192 193—236 237—292 293—368 369—496

is ABHANDLUNGEN,

HERAUSGEGEBEN

VON DER

SENCKENBERGISCHEN NATURFORSCHENDEN GESELLSCHAFT.

NEUNTEN BANDES’ERSTES UND ZWEITES HEFT.

Mit X Tafeln,

; Bo > = _ FRANKFURTA.M.

CHRISTIAN WINTER.

1873. .

Die Provinz Banjuwangi mit der Vulkangruppe Idjen in Ost-Java.

Reese ss kKrzzen

von

Emil Stöhr. Mit acht Tafeln. (Karte, landschaftliche Ansichten und geologische Profile.)

Einleitung.

Den äussersten Osten Java’s nimmt die Provinz Banjuwangi ein, wohl der merk- würdigste Theil der an Merkwürdigkeiten so reichen Insel. Im Osten von der schmalen Meerenge zwischen den Inseln Java und Bali, der sogenannten Balistrasse, im Süden von der Südsee bespült, grenzt sie im Norden an den Bezirk Panarukan, in West an den von Bondowoso, von welch’ beiden sie jedoch ausgedehnte, undurchdringliche Waldungen und eine mächtige Kette hoher Vulkane trennen, so dass sie, von der übrigen Menschheit abgeschlossen, eine eigene Welt für sich bildet. Die abschliessenden. Berge beginnen, wie beiliegende Karte zeigt, im Norden mit dem direct aus dem Meere aufsteigenden, längst erloschenen Vulkane Buluran, dem Kap Sedano der Seefahrer, einer menschenleeren Trümmer- und Wald-Wüste. Unmittelbar an ihn südwestlich sich anschliessend, folgt eine ganze Reihe mächtiger Kegelberge, welche die colossale Vulkangruppe des Idjen-Raun bilden. Südlich von dieser Vulkankette bis zur Südsee hin ist das niedere Hügelland, in einer Ausdehnung von fast einem halben Grad im Geviert, von undurchdringlichen Waldungen bedeckt, die an der Südküste hin bis nach Puger sich erstrecken, Gegenden vollständig unbetreten und unbekannt. So sehr ist

diese Provinz von dem übrigen Java abgeschlossen, dass sie nur zur See zu erreichen ist, oder

auf einem einzigen beschwerlichen, schlechten Reitpfade, der sich durch die Felstrümmer des

Passes zwischen Buluran und Idjen durchwindet. Die grosse, schöne Landstrasse, die ganz

Java von West nach Ost durchzieht, endet schon in Sumberwaru am nordwestlichen Fusse Ahhandl. d. Senekenb. naturf. Gesellsch. Bd. IX. 1

de

des Buluran, und erst nach Ueberschreitung des Passes findet man wieder eine fahrbare Strasse, die dann noch einen Theil der Provinz von Nord nach Süd durchschneidet. Diese Abgeschlossenheit ist auch der Grund, dass die Provinz zur Deportation von Sträflingen benutzt wird, welche in verschiedenen Sträflingscolonien beschäftigt werden und deren Bewachung sehr leicht ist, so dass einige wenige Wachtstationen genügen; über die hohen Berge und durch die undurchdringlichen Waldungen ist ein Entrinnen fast unmöglich.

Eine grossartige Vegetation deckt die Niederungen am Meere und die hohen Berge, und in den dichten Wäldern wachsen die seltensten Bäume. Ich nenne nur den Upasbaum, von dem so viel gefabelt wurde. Auch die Thierwelt ist eine reiche, und Tiger und Panther sind in den dortigen Wäldern noch so häufig, dass zur Feldarbeit die Einwohner meist bewaffnet ausziehen, und aus diesem Grunde Banjuwangi die einzige Provinz Java’s ist, in welcher den Eingeborenen erlaubt ist, Feuerwaffen zu führen. Das Interessanteste des Landes aber sind seine Vulkane, die aus der niederen Strand-Ebene fast unmittelbar aufsteigen zu Bergen von 10,000 Fuss Höhe und eine Vulkangruppe bilden, wie sie wohl einzig dasteht. Es ist dies das schon erwähnte Vulkansystem des Idjen-Raun, das ausser einer ganzen Reihe er- loschener Vulkane zwei heute noch thätige zählt, den 10,860 Fuss hohen Raun, der unter allen thätigen Vulkanen auf Java den grössten, tiefsten Kraterschlund enthält, und den 9725 Fuss hohen Idjen, der in seinem Krater den durch Leschenault berühmt gewordenen so- genannten See von Schwefelsäure birgt.

Dass in diesem Lande der Reisende des Merkwürdigen Vieles finden würde, war un- zweifelhaft, und so nahm ich, als ich im Jahre 1858 von Calcutta kommend, auf Java mich befand, mit Freude die Einladung meines dort wohnenden Freundes, des bekannten Botanikers Zollinger, an, einige Zeit bei ihm zuzubringen, Zollinger war damals beschäftigt, im Auf- trage einer Gesellschaft in der Nähe von Rogodjampi grosse Kokos-Plantagen anzulegen. Sechs Wochen, vom 23. September bis zum 7. November, verlebte ich unter dem gastlichen Dache des Freundes mit ihm und seiner liebenswürdigen Familie, und gehört diese Zeit mit zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens. Vielfach habe ich von dort aus die Umgegend durchstreift, meist gemeinsam mit dem Freunde, unter anderen auch mit ihm den Idjen be- stiegen und manch: wissenschaftliches Material gesammelt. Lag doch die Absicht vor, gemein- schaftlich eine Beschreibung des Idjun zu geben, zu der Zollinger den botanischen, ich den geologischen Theil liefern sollte. Leider erlag schon im Jahre 1859 der Freund der Dysenterie, so dass diese Absicht nicht ausgeführt werden konnte, und ich mich bis jetzt auf einige geo-

logische Notizen, abgedruckt in verschiedenen Zeitschriften, beschränken musste, durch vielfache

BEN IRRE

Berufsgeschäfte abgehalten, Eingehenderes zu publiciren. Länger die Sache aber noch hinaus- zuschieben, halte ich nicht mehr am Platze, und so gebe ich in Folgendem einen Bericht. meines Aufenthalts dort, wobei ich zugleich die kurzen, in Zollinger’s Nachlass gefundenen botanischen Notizen mit aufgenommen habe. Namentlich bezüglich des Idjen glaube ich einiges Neue bringen und Irrthümer früherer Schriftsteller berichtigen zu können, wie denn selbst Jung-

huhn in seinem grossen Werke über Java gerade über diesen Vulkan ziemlich ungenau berichtet,

Von wissenschaftlichen Reisenden, welche im Laufe dieses Jahrhunderts in die Provinz Banjuwangi kamen, ist vor allem Leschenault zu nennen im Jahre 1805, durch den der Idjen zuerst in weiteren Kreisen bekannt wurde.‘) Im Jahre 1806 war Horsfield dort und 1821 Reinwardt, sowie später, 1844, Junghuhn, Van der Wyk 1846 und Bleeker 1848. Zollinger kam zum ersten Male dahin 1845 und nahm dann 1856 in der Provinz dauernden

Aufenthalt. Die meisten der Genannten haben wissenschaftliche Notizen oder ausführlichere

Beschreibungen gegeben, die ich am geeigneten Orte berücksichtigen werde. Ausserdem hat noch Dr. Epp, der 1847 Arzt in Banjuwangi war, Notizen über das Land veröffentlicht?) sowie J. Hageman in Surubaya verschiedene Beiträge zur Geschichte des Landes, und endlich C. J. Bosch, bei meiner Anwesenheit der oberste Beamte der Provinz, einen sehr werthvollen Bericht über die Vulkanausbrüche. 3)

Zur Orientirung verweise ich auf die beiliegende Karte, die wesentlich den betreffenden Theil des Blattes XXIII des »Algemeenen Atlas van Nederlandch Indie« von Melville van Carnbee, 1856, gibt, soweit dieses Blatt die Provinz Banjuwangi betrifft. Ich habe an dieser Karte nur dort Aenderungen vorgenommen, wo ich meiner Sache ganz sicher war. Die grosse

Junghuhn’sche Karte von Java in 4 Blättern ist vielfach unrichtig für diese Provinz.

Schliesslich habe ich hier meinen Dank auszusprechen für die liebenswürdige, zuvor- kommende Aufnahme, die ich auf Java fand; ein gastlicheres Land wird es wohl kaum geben.

Auch eine andere angenehme Pflicht bleibt mir‘ noch zu erfüllen, den Herren nämlich in

') Annales du Museum d’histoire naturelle, tome XVII.

2) Schilderungen aus holländisch Ostindien, Heidelberg 1852.

°) Uitbarstingen der Vulkanen Idjen on Raun in der Batav. Tydschrift von Tal, Land on Volkenkunde, VII, 1858.

a

Europa, die so freundlich waren, mich mit ihrer wissenschaftlichen Beihülfe zu unterstützen, zu danken, so namentlich den Herren Professoren: Wislicenus in Zürich, Flückiger in

Bern und Fuchs in Heidelberg für die in ihren Laboratorien gemachten Analysen; dann Herrn Professor Blum in Heidelberg, der sich der Mühe unterzog, die mitgebrachten Hand- stücke bezüglich ihrer petrographischen Bestimmung durchzugehen, sowie Herrn Professor Rosenbusch in Freiburg für die werthvollen mikroscopischen Untersuchungen eines Theils der mitgebrachten Gesteine, deren Resultate er so freundlich war, mir als Anhang zur gegen- wärtigen Arbeit mitzutheilen.

Erste Abtheilung.

Der erloschene Vulkan Gunung Buluran.

Es war am 23. September 1858, als ich des Morgens in aller Frühe von Sindobondo, einem am nordöstlichen Fusse des erloschenen Vulkanes Ringgit gelegenen Städtchen, abfuhr, um nach Banjuwangi zu kommen. Von Probolingo, dem Hauptort der gleichnamigen Provinz, war ich mit Extrapost zunächst nach Besuki, dem Hauptorte der ebenfalls gleichnamigen Provinz, gekommen und hatte zuletzt im Passangrahan (Posthaus) von Sindobondo übernachtet. Von hier aus führt die grosse javanische Landstrasse noch 27 Pal!) weiter mit vier Poststationen: Kapongan, Kalitikus, Assembagus nach Sumberwaru, wo sie am Fusse des Buluran endet. Schon von Sindobondo ab lässt Alles erkennen, dass man aus einem gut angebauten, leidlich bevölkerten Lande immer mehr der Wildniss sich nähert. Die Dörfer werden seltener, die schönen Alleen, welche bis jetzt die Landstrasse umsäumten, hören auf, die bepflanzten Felder werden immer weniger, während Wald und Gestrüpp immer mehr zunimmt. Auch der Weg selbst wird schlechter und ist lange nicht mehr so gut unterhalten, als im übrigen Java, und da auch immer elendere Pferde zum Vorspann kommen, so geht es zuletzt trotz sechs Pferden mit Kutscher, Vorreiter und zwei Läufern, die immer mit lautem Geschrei neben den Pferden herlaufen, sie mit ihren Peitschen antreibend, nur langsam vorwärts. Die Gegend aber ist prachtvoll und der Blick vorwärts auf die dunklen Zacken des Buluran oder rechts auf die hohen, dampfenden Vulkane Idjen und Raun wahrhaft grossartig.

Regelmässige Postverbindungen bestanden damals auf Java nur in der nächsten Umgebung der grossen Städte, und wer weiter reisen wollte, war genöthigt entweder, wenn im Innern des Landes, zu Pferde zu steigen, oder wenn auf der grossen Landstrasse, Extrapost zu nehmen, wo man aber seinen eigenen Wagen mitbringen musste. In dieser Weise machte ich

denn auch die Reise von Probolinggo nach Sumberwaru, nachdem mir der Regent von

?) Ein Pal 4800 Fuss rheinisch oder 1506,48 Meter oder in runder Summe 1'/s Kilometer.

a

Probolinggo mit der grössten Zuvorkommenheit seinen Wagen geliehen hatte, unter der' Be- dingung, ihn von Sumberwaru aus zurückzuschicken, was mittelst vorgespannten Kühen (Sappi) zu geschehen hatte. So hatte ich nur die allerdings nicht unbedeutende Posttaxe für die Pferde zu bezahlen, die von Probolinggo bis Besuki für 36 Pal Entfernung 60, von dort bis Sumberwaru auf eine Strecke von 50 Pal 82 Gulden betrug. In Sumberwaru selbst hatte ich dann Reitpferde zu nehmen für mich und meinen von Surabaya mitgenommenen einheimischen Bedienten, um nach Badjulmati zu kommen, bis wohin Freund Zollinger mir seinen Wagen entgegensenden wollte. Meine Kenntniss der .malaischen Sprache war damals noch. sehr mangelhaft, und so war vorher schon mein Diener Sumo genau instruirt worden, was alles in Sumberwaru zu besorgen wäre; ja zum Ueberfluss hatte man mir eine malaische Anrede an den dortigen Dorfhäuptling aufgeschrieben, die ich demselben vorlesen sollte, um sofort weiter befördert zu werden. Als somit nach 10 Uhr des Morgens der Wagen vor dem mit einem hohen Zaune, zum Schutze gegen die wilden Thiere, umgebenen Passangrahan von Sumberwaru hielt, zog ich das Papier hervor, dem herbeieilenden Dorfhäuptling meine Anrede zu halten. Zu meinem angenehmen Erstaunen präsentirte sich mir aber sofort ein stattlicher junger Javane, der, sich als Zollinger’s Bedienten zu erkennen gebend, mir einen Brief desselben über- reiehte, worin dieser mir mittheilte, dass er selbst in Badjulmati mit seinem Wagen auf mich warte und zwei seiner Leute als berittene Führer mir entgegensende, mit Pferden für mich und meinen Diener. So wurde denn schnell ein bereits servirtes Frühstück eingenommen und schon vor 11 Uhr waren wir alle zu Pferde unterwegs. -

Keine hundert Schritte vom Passangrahan beginnt der Wald, der bis Badjulmati 22 Pal weit sich erstreckt und auf ganz Java wegen der vielen Tiger und sonstigen wilden Thiere verrufen ist. Der schlechte Saumweg steigt bald an, den Buluran links lassend, und windet sich dann durch ein wahres Lavatrümmerfeld hindurch, das sehr beschwerlich zu passiren ist. Der ganze Fuss des Buluran bis hinauf zur Passhöhe ist nämlich mit grossen, scharfkantigen Lavablöcken dicht besäet, zwischen welchen durch die Pferde vorsichtig den Weg suchen müssen. Der Wald ist ein sehr eigenthümlicher; die Bäume stehen weit auseinander und ein- zelne Grasfelder von Allang-Allang (ITmperata arundinacea Cyr.) unterbrechen ihn öfters. Die Bäume, die zwischen den schwarzgrauen Lavablöcken wachsen, bestehen fast ausschliesslich aus der Ost-Java eigenen Lontarpalme (Borassus flabelliformis), die auf säulenförmigen grauen Stämmen oben auf ihrem Gipfel steife, stachlige, fächerförmige Blattwedel trägt. Es wachsen diese Palmen überhaupt nur an wasserarmen Orten, weshalb ihnen auch meist jedes Unterholz

fehlt. Vom ostindischen Festlande her waren sie mir alte Bekannte, allein ein solch seltsam

a

ödes Landschaftsbild, wie sie hier am Buluran abgaben, hatte ich bis jetzt noch nicht gesehen; alles sah farblos, öde und traurig aus, fast wie Grau in Grau gemalt, das Lavagestein unten, die Palmen oben. Neben diesen Palmen, die vollständig die Physiognomie des Waldes be- dingen,; treten hie und da Acazien auf (Acasia alba2), die mit ihren horizontalen Aesten und ziemlich schirmartig sich ausbreitenden Laubkronen in dieser traurigen Landschaft das Auge durch ihr frisches Grün erfreuen. Selten erscheinen einzelne andere Bäume, von denen nur zu erwähnen sind Tectonia grandis (der Djatibaum) und einige Cassia-Arten. Durch diesen Palmenwald hatte man kürzlich die Telegraphenleitung geführt, und lagen also auch hier wieder, wie so oft im Oriente, die Contraste hart neben einander: die primitivste aller Strassen und das raffinirteste Communicationsmittel der Neuzeit. Warum man übrigens dort mit grossen Kosten einige Telegraphenstangen aufgerichtet hatte, ist mir nicht einleuchtend geworden, indem die glatten Palmenstämme die besten Stangen abgeben würden, an die man einfach die Leitungen hätte befestigen können.

Die scharfkantigen Lavablöcke, durch welche der Weg sich hinwindet, sind entweder mit hellerer Verwitterungsrinde versehen, oder sehen an der Oberfläche löcherig, wie angefressen aus. Im Innern bestehen sie aus einem schwarzgrauen, feinkörnigen, doleritischen Lavagestein, das meist dicht, oft aber auch mehr oder minder porös ist, auch hie und da fast wie halb- geflossen aussieht. In der feinkörnigen, dichten Grundmasse liegen trikline Feldspathpartikel, deren nähere Bestimmung mit der Loupe mit Sicherheit nicht festzustellen ist. Man erkennt vielen Olivin und viele Kriställchen von Magnetit, sowie auch solche von Eisenkies, und wirkt das ganze Gestein auf die Magnetnadel; einzelne schwarze Kriställchen scheinen Augit zu sein. Es haben diese Gesteine zum Theil grosse Aehnlichkeit mit den Aetna-Laven, und rechne ich sie mit Professor Blum zu den Dolerit-Laven. Professor Rosenbusch hat von einem der von mir mitgebrachten Handstücke (403 meiner Sammlung) Dünnschliffe gemacht und dieselben mikro- scopisch untersucht. Er nennt das Gestein einen Plagioklas-Basalt, in welchem die kleinen Feldspath-Lamellen sehr schöne Fluidalstructur zeigen. Den Augit fand er verhältnissmässig spärlich vertreten, dagegen Olivin reichlich vorhanden.

Oben auf der 695 Fuss hohen Passhöhe steht eine verfallene Hütte, Tal Gading, und nun geht es'hinab nach Badjulmati. Nach und nach wird der Palmenwald freundlicher, indem verschiedenes Unterholz erscheint und die Acazien sich mehren, alles in Folge des belebenden Einflusses des Wassers; zuletzt passirt man auch einzelne kleine Bäche, und schon eine ziem- liche Strecke vor Badjulmati hat dann der Palmenwald ganz aufgehört. Im Passangrahan

kam ich um 3 Uhr an, von Freund Zollinger aufs herzlichste empfangen. Er hatte den

N en

Morgen bereits dazu benutzt, auf den nahen Abhängen des Buluran nach den Tempelruinen zu suchen, die einer Mittheilung Junghuhn’s gemäss dort vorhanden sein sollten, hatte aber nichts auffinden können, wie denn auch die ihn begleitenden Javanen auf das bestimmteste deren Vorhandensein in Abrede stellten. Dagegen hatten sie auf ihren Streifereien eine Menge Wild aufgetrieben, namentlich viele wilde Schweine, Hirsche und Pfauen, von denen diese Waldungen wimmeln.

Badjulmati liegt am Flüsschen gleichen Namens und dort beginnt die Provinz Banju- wangi; der Buluran selbst liegt eigentlich noch ausserhalb derselben. Hier kann man deut- lich sehen, dass auf den dunklen Dolerit-Lavagesteinen des Buluran jüngere, gelbgraue Schichten auflagern, aus Asche, Sand und kleinen Lapilli zusammengebackene tuffartige Gebilde, von den Javanen Paras genannt. Es rühren diese vom Idjen her und werden wir diese Ge- bilde von nun an fast überall in den Niederungen wieder finden. Oft von bedeutender Mächtigkeit, sind sie die erhärteten Schlammströme, die aus dem Idjen oder den anderen zu dieser Gruppe gehörigen Vulkanen in verschiedenen Perioden herabflossen.. Diese Thätigkeit der Vulkane der Idjen-Raun Gruppe ist eine relativ neuere, während der Buluran zu den längst erloschenen Vulkanen Java’s gehört, zu den Vulkanen, die wahrscheinlich alle schon in vorhistorischer Zeit ihre Thätigkeit eingestellt haben, wie der Gunung Ringgit bei Panarukan, von dem ich an anderer Stelle nachgewiesen habe, dass er nicht, wie Junghuhn annimmt, im Jahre 1586 noch einen grossen Ausbruch gehabt habe,!) sondern damals schon erloschen sein musste, wie der kleine Tembro bei Besuki, wie der Penangungan im Passuruan’schen und das Brubu-Gebirge, westlich vom Ardjuno. Mit Ausnahme des kleinen Gunung Tembro sind alle diese Berge colossale Vulkanruinen mit schroffen Zacken und Hörnern, wahre Lavatrümmerwüsten. Sie bestehen vorzugsweise aus basaltischen und doleritischen Lavagesteinen, und fehlen ihnen die Tuffe und Schlammströme, sowie die Aschenlagen, also gerade die Produkte, welche heut zu Tage von den javanischen Vulkanen ausgeworfen werden. Dies ist auch mit dem Gunung?) Buluran der Fall, dessen wahre Form und Configuration am besten an seiner Nord-Ost Seite zu erkennen ist, dort, wo er ins Meer hinaustretend, fast unmittelbar aus demselben aufsteigt und die äusserste Nord-Ost Ecke Java’s bildet. Als ich später von Banjuwangi nach der Insel Madura überfuhr, habe ich dort angelegt und bin mit meinem Schiffehen dort über Nacht geblieben; ich füge die dort gemachten Beobachtungen

unten an.

ı) Neues Jahrbuch für Mineralogie von Leonhard und Geinitz Jahrgang 1864.

2) Gunung bedeutet Berg und wird die Bezeichnung auf Java immer beigefügt.

Fe

Der Name Buluran (Bleeker und Hageman schreiben Baluran) soll maduresisch sein; die Javanen nennen ihn Talaga-wurung, d. h. etwas, was ein See werden wollte, aber es nicht geworden ist, wohl eine Anspielung auf seinen hufeisenförmigen Krater. Die Seefahrer nennen ihn Cap Sedano, und früher hiess er auch Sierra di Tjindana oder di Depresada und Sierra di Pagoda, mit welch’ beiden letzten Namen ihn Houtman benennt, der 1596 dort vorüberkam, nach einem Tempel, einer Pagoda, die damals auf der Höhe an seiner See- seite gestanden habe, oder auch nach einem Städtchen, das damals an seinem Fuss gelegen haben soll. Die allgemeine Configuration des Buluran ist die eines isolirt stehenden, breiten, stark abgestutzten Kegels mit zackigen, zerrissenen Rändern, die im Süden etwas höher an- steigen als im Norden. Die Aussenwände sind von herabziehenden Rinnen durchfurcht und erhalten dadurch das rippenartige Ansehen aller Kegelberge. Doch sind die Rinnen im Ganzen ziemlich seicht und nicht so scharf markirt, als bei den meisten anderen Vulkanen Java’s, was einfach daher rührt, dass der Buluran aus compactem Lavagestein aufgebaut ist und ihm alle jüngeren, lockeren Schichten fehlen, in denen die Erosionsrinnen, denn das sind ja die Barrancos, so leicht sich einschneiden können. Diese eine Thatsache würde genügen, den Buluran als einen schon in vorhistorischer Zeit erloschenen Vulkan anzusehen, da, wie bereits Junghuhn nachgewiesen, in historischer Zeit kein Vulkan Java’s mehr geflossene Lavaströme entsendet hat.

Die schroffen, zackigen Wände des Buluran schliessen in seinem Innern einen ausgedehnten, alten Krater ein; steil, oft fast senkrecht, umgeben die dunklen Lavawände den Kraterkessel. An der dem Meere zugewandten Nord-Ost-Seite ist die Kraterumwallung an zwei Stellen durchbrochen, so dass dadurch der Krater eine hufeisenförmige Gestalt erhält und zwischen den beiden Oeffnungen ein isolirter Berg entstanden ist, mit steiler Spitze, dessen Innenwände dem Krater zu weniger steil sind, als seine Aussengehänge. Es sieht fast aus, als ob die

Kraterumwallung dort gesprengt und. ein Theil derselben keilartig herausgetrieben worden

wäre und dabei halb umgekippt sei. Die folgenden skizzirten Ansichten des Buluran auf Tafel II von verschiedenen Seiten aus gezeichnet, werden besser als alle Beschreibungen

den inneren Bau desselben kennen lehren. Fig. 1 zeigt seine Configuration, wie sie sich von Sumberwaru aus im Osten, Fig. 2 vom Badjulmati gegen Norden zeigt; Fig. 3 giebt die Ansicht desselben vom Meere aus, dort wo er, nachdem man die Meerenge von Bali, von Banjuwangi kommend, verlassen hat, in Nord-Nord-West auftaucht, ungefähr zehn Seemeilen

entfernt; die höchste Spitze ist in allen Figuren mit demselben Zeichen versehen. Segelt man

aus der Balistrasse kommend so weit, dass man den Berg, an seiner Ostseite hinfahrend, nun Abhandl. der Senckenb. naturf, Gesellsch. Bd. IX. 2

ee

im Westen vor sich hat, so sieht man über ein coupirtes, undulirendes, ziemlich kahles, nur mit vereinzelten Acazien bewachsenes Vorland hinweg auf den vier bis fünf Seemeilen entfernten Buluran und bemerkt dann an seiner Nord-Ost-Seite das herausgetriebene Stück der Krater- umwallung, vide Fig. 4. "Hat man das Vorgebirge ganz umsegelt, so stellt sich, wenn man dem Ufer sich nähert, gen West-Süd-West der Berg dar, wie die landschaftlich Ansicht Tafel II zeigt. Das schmale Vorland zwischen Buluran und dem Meere in Ost und Nord-Ost ist eine im Ganzen traurige Ebene, und nur. die Schirm-Acazien bringen einiges Leben in die sonst öde Landschaft, die jedoch in ihren Farbencontrasten ein eigenthümlich anziehendes Bild ab- giebt. Von dem blauen Himmel heben scharf sich ab die dunkeln, düstern Zacken des Buluran, die, soweit sie mit Wald bewachsen sind, eine dunkelgrünliche Tinte zeigen. Die undulirende Ebene an seinem Fusse ist mit schmutzig gelbem Allang-Allang-Gras bewachsen; das Land zunächst dem Meere hat eine ziegelrothe Farbe, von dem sich die in grosser Menge, aber immer nur vereinzelt und weit aus einander stehenden Acazien saftig grün abheben, die Physiognomie der Gegend wesentlich bedingend. Es ist die schirmartige Albizzia stipulata, an deren glattem Stamm die Zweige oben fast in horizontaler Richtung sich ausbreiten, mit ihrem zierlichen‘ feingefiederten Laube eine schirmartige Form bildend., Hart am Meere gesellen sich dazu einige andere grosse Laubbäume und einige wenige Areca-Palmen. Das Alles wird umsäumt von dem tiefindigoblauen Meere, zwischen welchem und dem Strande ein schmaler, weisser Streif sich hinzieht, von weissem Sande herrührend, der in Folge der Brandung sich dort angelegt hat. In der Ansicht sieht man deutlich die durchbrochene Krater- umwallung und den isolirten, keilartigen Berg, der Gunung-Talpat heissen soll. Im Jahre 1857 hat Zollinger den höchsten, südlichsten Gipfel des Buluran erstiegen, der nach ihm Gunung Klossot heisst, und den 'er mittelst der Bestimmung des Kochpunktes des Wassers zu 4750 Fuss rheinisch berechnet (das Wasser sicdete 100 Fuss unter der höchsten Spitze bei 203,5° Fahrenheit). Die zweithöchste, rechts von dem gemessenen Gipfel befindliche Spitze nennen die Javanen Gunung Abing. Von seinem Standpunkte aus constatirte Zollinger

ebenfalls, dass der isolirte Gunung Talpat in eine scharfe Spitze auslaufet),

Mit ähnlichem weissen Sande, wie er am Strande sich findet, ist auch der Kraterboden bedeckt, und. möchte daraus zu folgern sein, dass dieser Sand dorthin ebenfalls durch den

schlag des Meeres gebracht worden sei, zu einer Zeit,. als Ost-Java noch nicht bis zu ellen g 8

?) Natuurkund: Tijdschrift vor Nederl,-Indie. Jahrgang 1857.

ee

seiner heutigen Höhe aufgestiegen war, also das Meer dorthin eindringen konnte. Es ist dies um. so wahrscheinlicher, als die geologischen Verhältnisse an der später zu erwähnenden Klippe Batu-dodol das Aufsteigen Ost-Javas in relativ neuer Zeit ausser Zweifel setzen. Allerdings wäre es aber auch immer möglich, dass der Sand auf dem Kraterboden in einem früheren Kratersee sich abgelagert habe, welcher Kratersee erst später seinen Abfluss in’s Meer fand.

Die an der Nord-Ost-Seite des Buluran von mir gesammelten Gesteine sind ganz die bereits beschriebenen schwarzen und. schwarz-grauen Dolerit-Laven, die wir von der anderen Seite bereits kennen; ausserdem finden sich noch rothbraune Lavablöcke, in denen deutlich trikliner und zwar farbenwandelnder Feldspath zu erkennen ist, wie auch kleine Magnetit- körnchen. Das mehr oder minder poröse Gestein enthält viele kleine Hohlräume, die offenbar erst durch Zersetzung eines Minerals entstanden sind; sie sind mit einem steinmarkähnlichen Minerale ausgekleidet, das mit Säuren nicht braust. Auch Brocken eines weissen Quarzes

finden sich hie und da umherliegend.

Fassen wir nun das Gesagte zusammen, so ergiebt sich Folgendes: Der Gunung Buluran ist ein isolirt stehender, erloschener Eruptionskegel, mit grossem Kraterkessel. Er hat seine Kraterwände, d. h. sich selbst durch überfliessende Dolerit-Lavaströme aufgebaut, und ist später seine Kraterumwallung durch eine Explosion gesprengt und ein Stück heraus- getrieben worden. Da ihm alle jüngeren, für die heute in Ost-Java thätigen Vulkane so charakteristischen Gebilde fehlen, nicht allein die Schlamm- oder Parasströme, sondern auch alle Tuffe, Lapilli und Aschenschichten, so muss sein Erlöschen bereits in vorhistorische Zeit fallen. Denn entweder hat er nie solche Produkte in nur einigermassen bedeutender Menge ausgeworfen und nur geflossene Lavaströme entsendet, wo dann eo ipso seine Thätig- keit in vorhistorische Zeit fallen muss; oder aber diese leichteren Auswurfsprodukte, die er einstmals ausgeworfen haben könnte, sind weggespült worden, sei es, dass der Vulkan als untermeerischer zu einer Zeit thätig war, in der ein grosser Theil des heutigen Ostjavas noch nicht über das Meer herausragte, oder sei es dadurch, dass durch die Athmosphärilien im Lauf der Zeit alle diese leichteren Auswurfsproducte weggeführt worden sind, welch letzteres, wenn überhaupt möglich, eine ungemeine Zeitdauer voraussetzen liesse. Immer ergiebt sich somit, dass die Thätigkeit des Buluran in weit vor der historischen Zeit zurück»

liegenden Epochen stattgehabt haben müsse; am wahrscheinlichsten ist, dass die Zeit seiner

Thätigkeit in die Tertiär-Zeit falle. Von irgend einem Ausbruch des Buluran in historischer

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Zeit meldet auch die Sage nichts und als im Jahre 1597 der bekannte Seefahrer Cornelis Houtman dort vorbeifuhr, war das ganze Aussehen des Buluran vollständig wie heute. Da- mals aber war die Gegend bevölkerter, als sie es jetzt ist, denn Houtman erzählt nicht allein, dass eine Pagode auf seinen Höhen gestanden habe, sondern dass drei Städtchen dort am

Meere in der Nähe lagen, von denen er das eine Chandana nennt, das andere unmittelbar

am Fusse des Buluran gelegene Pracada)).

‘) India orientalis, Theil II, Seite 161. Frankfurt am Main 1599.

Zweite Abtheilung.

Die Provinz Banjuwangi.

Abschnitt I. Die Niederungen und das Hügelland.

1, Die Klippe Batu-dodol.

Die Strasse von Badjulmati nach Banjuwangi führt anfänglich durch theilweise noch öde Gegend, dann aber durch eine, aus dichtem Unterholze und mancherlei hochstämmigen Bäumen bestehende dicht bewachsene Waldwildniss. Bis nach Banjuwangi sind es 23 Pal mit vier Poststationen: Bengalingan, Sumur, Batu-dodol und Ketapang; wir wechselten jedoch nur einmal die Pferde zu Batu-dodol, wo Relais gelegt war. Die Furcht vor den wilden Thieren ist so gross, dass trotzdem, dass die meist einsam am Weg gelegenen Poststationen mit hohen Pallisaden umgeben sind, man doch dort keine Pferde hält, sondern dieselben immer für den jeweiligen Bedarf von Banjuwangi kommen lässt. Die zum Behufe der Postbeförderung und zur Unterhaltung der Strasse auf den einzelnen Stationen wohnenden Leute erhalten von der Regierung das nöthige Land zum Bebauen abgabefrei und haben dafür die erwähnten Frohndienste zu thun.

Bei Batu-dodol erreicht man das Meer und die Station liegt hart an der Balistrasse, dort wo sie am schmalsten ist, eine halbe deutsche Meile ungefähr breit. Dort befindet sich auch eine Wachtstation und von Sträflingen wird in einer alten Korallenbank Kalk gebrochen und zu Bauzwecken gebrannt. Die Sträflinge werden sehr human behandelt und gestattet man den Gebesserten . ziemliche Freiheit, so dass man ihnen sogar erlaubt, in fremde Dienste zu treten. Der erwähnte junge Javane, der mir in Sumberwaru Zollinger’s Brief gebracht hatte,

war, wie ich nun erfuhr, ein solcher Sträfling. Für gewöhnlich dürfen sie keine Waffen

tragen, hier aber hatte man es ausnahmsweise gestattet, wodurch seine Bewaffnung mit einer

Pe

Flinte sich erklärte. Für das des Landes kundige Auge konnte aber ‚dennoch kein Zweifel obwalten, dass man keinen freien Mann vor sich habe; denn der Kris, das dolchartige Schwert, den jeder freie Javane hinten im Gürtel trägt, als Zeichen, dass er kein höriger Mann sei, fehlte ihm.

Die Aussicht links auf’s Meer und zur Insel Bali, so wie rechts auf die hohe Vulkankette mit dem rauchenden Idjen ist grossartig. Bei Batu-dodol führt die Strasse über mehrere niedere Rücken, die einem geologisch wichtigen Basaltstrom angehören. Da es schon sehr spät am Tage war, so hielten wir uns für diesmal dort nur kurze Zeit auf, später bin ich aber an diese Stelle zurückgekehrt und habe die Verhältnisse dort näher untersucht, über die ich bereits 1865 im »Neuen Jahrbuch für Mineralogie« von Leonhard und Geinitz kurz be- richtet habe.

Direct aus dem Meere erhebt sich an 50 Fuss hoch über dasselbe, steil abfallend, eine Basaltklippe, die in einer Breite von über hundert Fuss blosgelegt ist. Landeinwärts ist der Basalt von jüngeren vulkanischen Gebilden bedeckt, Sand, Asche, Lapilli und Paras, die von späteren Ausbrüchen des Idjen herrührend in terassenförmigen Stufen zu demselben, der in gerader Richtung ungefähr zehn Pal entfernt ist, aufsteigen. Die Basaltklippe ist das Ende eines in vorhistorischer Zeit dem Idjen entflossenen Lavastroms, der sein Berggerüste mit aufbauen half. Bei Batu-dodol bricht dieser Strom plötzlich ab, prallig steil in’s Meer hinabfallend, wo er die erwähnte Klippe bildet, und kann es dem Beobachter an Ort und Stelle nicht zweifelhaft sein, dass einstmals der Lavastrom in’s Meer geflossen sein müsse, sich beim Erkalten stauend, und so untermeerisch die Wand sich aufgebaut babe. Die Textur des Gesteins ist eine sehr ausgesprochen concentrisch-schalige, und zugleich ist dabei die ganze Wand von radialen Klüften fächerförmig durchzogen, wodurch alles in cubische Stücke getheilt wird, die oft kaum einige Kubikzolle gross sind, und an solchen Stellen die Klippe wie aus scharfkantigen Basaltstücken mosaikartig zusammengesetzt erscheint. J unghuhn in seinem Werke, über Java, Band II. Seite 678 ff. erwähnt die Klippe ebenfalls, ohne jedoch die Um- gebung näher untersucht zu haben; er nennt sie Batu-tutul, was getüpfelten Stein bedeuten würde, welchen Namen er mit der mosaikartigen Zerklüftung in Beziehung bringt, Der wirk- liche Name des gleichmässig tiefschwarzen, keineswegs getüpfelt ausschenden Gesteins ist Jedoch Batu-dodol, von Batu: Stein, Fels, und dodol: eine tiefschwarze, süsse Fruchtgallerte, die würfelförmig geschnitten auf den Märkten Java’s als Zuckerzeug verkauft wird. An diese Gallertwürfel hat das zerklüftete, schwarze Gestein die ‚Javanen erinnert.

Ungemein lieblich ist es hier unten am Meer, wo vorspringende, in’s Meer hinaus sich

ziehende Basaltfelsen am Fusse der steilen, oben von dichtem Gebüsch bis zum Strande be- wachsenen Klippe einen gegen Brandung und Wellenschlag geschützten, ruhigen Badeplatz bilden, kühl durch die überhängenden Gesträuche; einen reizenderen Badeplatz kann man in der That sich kaum denken. Aus den Klüften der Basaltwand dringen einige Süsswasserquellen hervor, manchmal selbst fontainenartig in schwachen Strahlen springend, die sich unten, hart am Meere, zu einem kühlen Brunnen mit ausgezeichnetem Trinkwasser vereinigen, das weithin, ja bis nach Banjuwangi geholt wird. Dem für Naturschönheiten und Merkwürdigkeiten so empfänglichen Javanen ist der lauschige Badeplatz mit seinen kühlen Quellen eine heilige Stätte; dort opfert er Blumen, Früchte und Geldstücke, und kein Wanderer geht wohl vorbei, ohne sich im Bade oder mit einem kühlen Trunke zu erfrischen, um so mehr, als das Wasser für wunderthätig gilt. Niemand wird den heiligen Platz zu verunreinigen oder dort etwas wegzunehmen wagen, denn sicher würde ihn sofort Setang, der Teufel, dafür strafen,

So weit das Meer mit seinem Wellenschlage die zerklüftete Klippe bespült, hat sich vielfach in den Rissen und Spalten Kalk abgesetzt. Kalk hat sich aber auch dort angesetzt, wohin heute, selbst beim stärksten Sturme, keine Welle mehr hingelangen kann. In einer Höhe von eirca 50 Fuss über dem Meere findet sich etwas landeinwärts eine wahre Breccie, in der scharfkantige Basaltstücke, die nicht selten in Palagonit übergehen, und jüngere vul- kanische Tuffe durch Kalk verkittet sind; ähnliche Stücke bringt der Bach selbst noch von weiter oben herab. Das sind aber nicht die einzigen Spuren von Kalk. An den Basaltstrom sich anlehnend und grösstentheils ihn überlagernd, in einer Höhe von mindestens 30, ja bis zu 50 Fuss über dem Meere, liegt ein gut 30 Fuss mächtiges Korallenriff, voller Astraeen und Madreporen, in dem noch einzelne unbestimmbare Steinkerne von Bivalven sich finden. Der Kalk dieses ausgedehnten, alten Riffes ist mürbe und gelblichweiss, und es enthält viele Höhlen, in denen Schwärme von Fledermäusen hausen. Diesen Kalk bricht und brennt man dort. Nirgends ist das Kalkriff vom Basalt oder einem anderen Vulkangesteine durchbrochen, sondern es liegt vielmehr ganz normal auf dem Basalte auf, als einheitliche Masse; es ist somit jünger als dieser. Da aber auch die viel jüngeren Tuffe dort nicht selten durch den Kalk zu einem Conglomerat verkittet sind, so ist somit dieser Kalk selbst noch jünger als diese vulkanischen Tuffe. Es hat sich somit das Kalkriff jedenfalls abgesetzt, als das ursprüngliche Basaltgestein noch vom Meere bedeckt war, und ist es erst später mit ihm zu seiner jetzigen Höhe gehoben worden.

Allzuweit kann diese Hebung nicht zurückliegen, wie sich schon aus der Cementirung

der neueren Tufte schliessen lässt. Herr de Fromentel, der gründliche Kenner der Korallen,

Ber 1

hat die von mir mitgebrachten Korallen bestimmt. Die am häufigsten vorkommenden hat er als eine Prionastraea, species indeterminata, erkannt, eine Gattung, die gar nicht fossil vor- kommt, sondern nur der Jetztzeit angehört. Die andere, weniger häufige, ist Madrepora deformis Dana, oder vielleicht abrotonoides (nicht zu verwechseln mit Heliopora deformis, Michelin Madrepora deformis Milne Edw., die eine tertiäre Form ist und die Fromentel Madrepora Michelini nennt). Die Madrepora deformis Dana, ist aber eine nur recente Species. Dabei bemerkt Fromentel, dass wenn auch der Habitus der fraglichen Korallen einigermassen denen der jüngsten Tertiär-Zeit nahestehe, er sich doch dahin ausspreche, dass sie als der Jetztzeit angehörig anzusehen seien, oder genauer, dass er sie als gleichzeitig be- trachte mit den recenten, versteinerungsführenden Ablagerungen Egyptens. Somit kann die Bildung des Korallenriffs jedenfalls nicht tiefer als in’s sogenannte Diluvium hinabreichen und seine Hebung muss noch später erfolgt sein, wahrscheinlich in Folge einer heute noch fort- dauernden säculären Hebung. Junghuhn hat früher schon nachgewiesen, dass an der Süd- westküste Java’s jüngere Korallenriffe auf 15, 25, ja bis 50 Fuss Höhe gehoben sind. Durch die Klippe Batu-dodol wird nun des Weiteren bewiesen, dass dies ebenfalls an der Ostküste stattfand, wodurch also es nicht allein wahrscheinlich, sondern sicher wird, dass ganz Java einer fortdauernden, säculären Hebung unterworfen sei.

Das Gestein der Basaltklippe ist kohlschwarz von Farbe, flachmuschlig im Bruche und so feinkörnig, dass es meist vollkommen dicht und compact erscheint. Es schmilzt nicht all- zuschwer vor dem Löthrohre zu schwarzem, magnetischem Glas und giebt es Eisenreaction mit Borax. Das ganze Gestein wirkt auf die Magnetnadel. Das spezifische Gewicht ist 2,56, steigt jedoch in einzelnen Hanistücken bis 2,76. Schon mit blossem Auge sieht man bei auf- fallenden Sonnenstrahlen das ganze Gestein mit flimmernden Pünktchen übersäet; unter der Loupe erscheint es kristallinisch und die fimmernden Punkte in der dunklen, dichten Grund- masse erweisen sich als weissen Feldspath, der manchmal auch in Nädelchen erscheint und dann Farbenwandlung zeigt. Ausserdem liegen viele kleine Körnchen von Magnetit darin, so wie auch, jedoch seltner, Olivinkörner. Nach oben geht das Gestein in eine Varietät über, die gröber kristallinisch ist und porös wird, und die also, über dem dichten Basalte liegend, eine raschere Abkühlung erlitten hat. Da die Feldspathkryställchen hier etwas grösser sind, so lassen sie sich deutlicher untersuchen, und zeigen sie, namentlich bei auffallendem Lichte, zuweilen deutlich trikline Streifung und nicht selten Farbenwandlung. Auch Augit entdeckt man hie und da. An dieser Varietät sieht man auch kleine Hohlräume, die jedenfalls erst

nachträglich durch die Verwitterung eines Minerals entstanden sind; sie sind mit Caleit aus-

Be

gekleidet und braust schon. in deren Nähe das Gestein bei Betupfen mit Salzsäure, wie das auch die dichte Varietät auf. ihrer. vom Wellenschlage ‚geglätteten Oberfläche thut. Ausser diesen porösen Gesteinen ,kommen auch ‚Uebergänge in Palagonit vor; die dichte ‚Varietät bildet ‘aber immer die. Hauptmasse der Klippe. Im ‘Laboratorium des Herrn. Professor

Wislicenus in Zürich wurde von. Herrn Dr. Coray das. Gestein analysirt und ergaben sich:

Aufschliessbar in Salzsäure‘ .... . 19,66 Theile. Nicht;;aufschliessban; id. aorlas 7911 12: > Wassergehalt wine .senihedam ie 1,31...»

Summa 100,08;

und wurden folgende Bestandtheile gefunden:

Im | Im ER | "Sauerstoff- Löslichen. | Unlöslichen. Gehalt. Ssio? 4.31 49.73 54. 04 28. 82 Bi A120? 2.53 14.187. 13. 90 6.49 | 11 Fe?03 Kent) 8.22 15.41 4. 62 | MgO 1.90 1.94 3.84 1.193 15.83 CaO 1.97 7.85 9. 82 2.80 | | K:0 0.69 Spur 0.69 0.12 la Na?O 1. 07 Spur 1. 07 0.127 | Total | 19.66 |) 79.11 0|' 98,77 hiezu Wasser Dr Summa 100. 08

wonach sich das’ Sauerstoffverhältniss stellt von RO : R203 : SiO? (unter RO sind auch die Alkalien begriffen)

wie 4,72: 11,11 : 28,82

ouer: 1,27: 8 . "TE und der Sauerstoffquotient sich berechnet auf 0,549.

Bei diesen Resultaten der Analyse fällt zunächst auf, dass alle Alkalien im Löslichen

sich vorfanden, also leicht zersetzbare Feldspäthe vorhanden sein müssen. Dann fällt auf der hohe Gehalt an Kieselsäure überhaupt, namentlich aber im Unlöslichen, der auf Prozente

berechnet darin 62,86 beträgt. Da Salzsäure bei längerer Einwirkung nicht allein den Magnetit

auflöst und den Olivin zersetzt; sondern auch eine theilweise Zersetzung der Feldspäthe ver- Abhandl. d. Senekenb. naturf. Ges. Bd. IX, ®

= gg

anlasst, so muss ein Theil der im Löslichen gefundenen Bestandtheile diesen Feldspäthen an- gehören. Aehnlich verhält 'es sich "mit dem 'Augit, der auch, mit Salzsäure behandelt, etwas sich zersetzen kann. Es darf desshalb wahrscheinlich nicht aller Eisengehalt im Löslichen dem Magnetit zugeschrieben werden, und ebenso nicht aller Magnesia-Gehalt darin dem Olivin; doch können diese vom Augit herrührenden Bestandtheile immer nur unbedeutend sein, Leider hat bei der Analyse keine Trennung des Eisenoxyds ‘vom Eisenoxydul stattgefunden, indem alles als Oxyd berechnet ist; doch geben hier die Angaben‘ bezüglich des Löslichen einen Anhalt. Im Löslichen müssen nämlich unbedingt sein alle Bestandtheile des Olivins und Magnetits, und lassen wir die vom Augit allenfalls darin vorkommenden Bestandtheile ausser Acht, so kann man sagen, dass sämmtliche Magnesia im. Löslichen vom 'Olivin, sämtlicher nach Abzug des-Olivins übrigbleibender-Eisengehalt vom Magnetit-herrühre, Nach der -Olivin- Formel entsprechen den 1,90 Theilen Magnesia im Löslichen: 1,51 SiO? und 0,33 FeO;

ziehen wir also dies ab und ebenso alles Eisenoxyd, so bleiben:

Luöglichen, Unlösliches. | Zusammen. Ban ea

sio! 2,80 49,73 52,53 28,01 00) | 28,01 Al?O° 2,53 11,37 13,90 6,49 6,49 FeO 0,00 7,40 7,40 1,64 |

Cao 1,97 7,85 9,82 2,80

MgO 0,00 1,94 1,94 0,77 5,60 K:0 0,69 0,00 0,69 0,12 |

Na?O 1,07 0,00 1,07 0,27 |

wobei das Eisen als Oxydul in Rechnung gebracht: ist, anstatt des nach-.der Analyse ‚erhaltenen Oxyds, da im -Augit dasselbe nur als solches sein ‘kann (8,22 Fe?0°? = 7,40 FeO). Nun berechnet sich das Sauerstoffverhältniss RO :R?03: SiO? 5,60 :6,49:: 28,01 :oder 2,588 :11,8 +,12,947 Für 'Augit in Abzug gebracht nach»der Formel RO : Si O®»=ilid ni ds 15880. —, 1:8,176

bleiben 1208 0109,771

welches Verhältniss in Berücksichtigung, dass ein Theil des 'Eisens im: Löslichen ebenfalls ‚FeO

,

an

sein wird, von Augit herrührend, der Formel’ für Oligoklas 1:3: 9 entsprechen würde, und zwar einem kalkreichen. Dagegen spricht aber: das Verhalten gegen Salzsäure, die jedenfalls einen Theil ‚des Feldspathes‘ zersetzt hat... Dies, sowie die Farbenwandlungen, die «man hie und da deutlich mit der’Loupe beobachten kann, würden für Labradorit sprechen, der aber zu basisch ist gegenüber dem gefundenen Kieselsäuregehalt. Es bleibt, somit nichts. anderes übrig, als ein Gemenge von zwei Feldspäthen anzunehmen, eines basischeren Natron-Feldspaths mit grossem Kalkgehalte, dem Labradorit ungefähr entsprechend, und eines saureren allenfalls von der: Albit-Formel, in dem jedoch auch die. Alkalien zum. grossen Theil durch Kalk ver- treten sind. Nach der Tschermak’schen' Ansicht, wonach alle Kalk-Natronhaltigen Feldspathe Verwachsungen der zwei Species Anorthit und Albit wären, würde sich, wenn man daran fest-

hält, dass die Erden nicht isomorph mit den Alkalien wären, folgendes berechnen:

Wir hatten früber 23%. 2.0.00. (R+R2) 0: R208: SiO? 5,600 :,6,490 28,010 davon wie früher den Augit abgezogen 3,436 6,872

bleibt für die Feldspäthe 2,164 . : 6,490 :21,138. Unter (R-H-R2)O sind begriffen die Erden (Kalk, Magnesia) und Eisenoxydul, so wie die. Alkalien und zwar 0,930 ‘R?O (Alkalien) 1,234. RO (Erden). Die Kieselsäure, welche den Erden entspricht, giebt 2X 1,234 2,468. 0. Die Thonerde, welche den Erden entspricht, giebt 36 123487030 und die dieser Thonerde entsprechende Kieselsäure 23. % 3,702 2,468 0. Ziehen wir dies ab, so bleiben für die reinen, Alkali-Feldspathe: R2O :,R20? ; SiO? oder sl A: aa, und für die Kalkfeldspathe 1,234 :3,70:4,938 oder 0,99 218.2 4 Das ‚letztere Verhältniss; entspräche ganz dem Anorthit, während jedoch das erstere

1:3:17,49 auf einen viel saureren Feldspath hinweist, als die sauerste Species, der Albit, ist.

ea

a

Freie Kieselsäure, der man den ‘hohen Kieselsäure-Gehalt. zuschreiben könnte, ist in dem Gestein nicht vorhanden, wie auch Professor Rosenbusch’s mikroskopische Untersuchung be- weist. Jedenfalls ist dieses Gestein keine Bestätigung der Ansicht, dass Alkalien und Erden absolut nicht isomorph seien, und wird es wahrscheinlich, dass: Magnesia "wenigstens die Alkalien ersetzen könne. Eine genaue Berechnung: darauf ist aber unmöglich, da nicht con- statirt werden kann, wie viel Magnesia (ebenso Kalk und Eisenoxydul) ‘dem’ Feldspath, wie viel dem Augit angehört.

Von den mir bekannten Analysen ähnlicher Gesteine kommt die der Lava des Gunung Slamat auf Java (Prölss im »Neuen Jahrbuch für Mineralogie« 1864) der oben mitgetheilten am nächsten; dann ist ähnlich das von Deville analysirte Gestein von Mallorquines auf Tenerife (Roth, Gesteins-Analysen, Seite 43, Nr. 32). Herr Professor Rosenbusch hat diese Gesteine einer eingehenden mikroskopischen Untersuchung unterworfen ‘und verweise ich des Näheren auf seine werthvolle Arbeit. Von drei Handstücken meiner Sammlung hat derselbe Dünnschliffe gemacht, von Nummer 460, 464 und 465. Nummer’ 460 ist dasselbe, von dem die oben gegebene Analyse vorliegt, und constatirt das'Mikroskop darin triklinen Feldspath, Augit, Magnetit und Olivin, letzteren: zwar nicht spärlich, aber doch nicht so häufig, 'als man erwarten könnte; auch der Magnetit-Gehalt ist nicht so häufig, als mai ihn 'im Basalt/sonst zu sehen gewohnt ist. Ob der trikline Feldspath Oligoklas oder Labradorit sei, hat das Mieroscop nicht entschieden. In Nr. 464, einer grobkörnigen, mehr auskrystallisirten Varietät, finden sich die Olivine nur spärlich; einige Schliffe weisen gar ‚keinen nach. Ausser dem triklinen, schön gestreiften, farbenwandelnden Feldspath bemerkt man in spärlicher Zahl auch solchen ohne Streifung, und bemerkt hiezu Professor Rosenbusch: »Ob’ man diesen für Sanidin ansprechen muss, oder ob man die Existenz einfacher Individuen eines triklinen Feld- spathes annehmen will, bleibe dahin gestellt.« Dabei ist noch zu erwähnen, dass ausser dein Magnetit noch Täfelchen von Eisenglanz sich darin finden. In Nr. 465, einem Gesteine, das sich im Punkte der krystallischen Entwickelung nahe an 460 anschliesst, Konnte dagegen das Mikroskop gar keinen Olivin auffinden.

Unser Gestein besteht somit, wie..auch die mikroskopische Untersuchung bestätigt hat, aus einem Gemenge von triklinem Kalkfeldspath, Augit, 'Magnetit mit mehr oder weniger Olivin, aber dennoch können wir dasselbe, vor Allem im Hinblick auf die Analyse, nicht einen "eigentlichen Basalt nennen. Es ist saurer, als "die eigentlichen Basalte es sind, und sein Kpeeifischös Kewieht Diet Tbedeutend' geringer, als diesen zukommt.‘ Auch der Magnesia-Gehalt ist geritg,"ind=weag“nanorit von Fritsch und Reiss (geologische Beschreibung von Tenerife,

Seite 386) nur diejenigen Gesteine zu den Basalten rechnet, bei denen auf ein Aequivalent Kalk mindestens ein Aequivalent Magnesia kommt, so wäre das Gestein von Batu-dodol zu den Doleriten (Anamesiten oder den Basaniten, wie sie Fritsch und Reiss nennen) zu rechnen, nicht aber zu den Basalten. Seine chemische Constitution steht sogar manchen Pyroxen-Andesiten (Trachydoleriten Abich’s) nahe, so dass, wenn das Gestein auch entschieden noch zur basaltischen Gruppe gezählt werden muss, es doch an’der äussersten Grenze dieser Gesteine steht, den

Uebergang zu den Augit-Andesiten bildend.

2. Provinz und Stadt Banjuwangi.

Von Batu-dodol führt die Strasse längs des Meeres hin, eine ganze Reihe demselben zufliessender Bäche übersetzend, durch mit Wald und Gestrüpp dicht’ bewachsenes Paras-Land. Bei Ketapang steht ein colossaler Baum, (der. 'den Schiffern als Wahrzeichen dient, und geht von dort’an'der Weg landeinwärts. Es mehren sich dann die Zeichen der Cultur; Reisfelder breiten’ sich aus, Kaffeepflanzungen erscheinen, sowie ‘andere Cultur-Pflanzen, worunter die Cocos-Palmen. "Erst lange''nach Sonnenuntergang, 'als schon längst «der Mond am Himmel stand, kamen wir nach Banjuwangi, wo wir im leidlichen Gasthause uns einquartierten.

Banjuwangi,'an der Mündung des gleichnamigen Flusses (Banju : Wasser, wangi : wohl- riechend; duftend) und hart am Meere, liegt nach dem Almanak voor Neederl. Indie in 12‘ 50,3 südlicher‘Breite ‚und‘ 114° 22° 32,1“ östlicher Länge von Greenwich. ' Es besitzt das kleine Fort Utrecht und ist der Sitz der ‘obersten Provinzialbehörde. Es ist eine der sehönst gelegenen Städte Javas, gilt “aber der Sümpfe in der Umgegend halber als ungesund. ‚Seine Bevölkerung bestand‘ damals aus ungefähr 10000 Seelen, die wie die Bewohner der ganzen Provinz hauptsächlich 'eingeborene Javanen sind, dann ’aber: auch eingewanderte Malaien, Maduresen, Manduren (von Celebes), Araber und namentlich Balinesen, sowie Chinesen. Bei den eingebornen Javanen "haben "sich 'hier mehr Reste ihres alten Shiwa-Cultus erhalten, als sonst auf Java, wenn sie auch dem Namen'nach Muhamedaner sind.

Die ‘von Bali! gekommenen Einwanderer sind alle Shiwa-Bekenner,' in der Form, wie heute auf Bali'der Hindu-Cultus‘ herrscht. Die Chinesen haben zu Banjuwangi eine Pagode, die im besonderen ‘Rufe der Heiligkeit steht. Die Paar: steinernen Häuser des Städtchens sind

theils Amtsgebäude, theils wohnen in ihnen die wenigen Europäer oder deren«Abkömmlinge ;

22

die übrige Bevölkerung ‘wohnt meist in Bambushütten. Wegen seiner Position an der Bali- strasse, wodurch es dieselbe beherrscht, ist Banjuwangi ‘von bedeutender. Wichtigkeit, doch liegen kaum 50 Mann Soldaten im Fort. Es ist ein ziemlicher Handel dort und von grossem Belange ist das ausgezeichnete Trinkwasser, welches das Flüsschen liefert. Das veranlasst auch die nach Europa. heimkehrenden Schiffe, die fast alle die Balistrasse passiren, dort anzulegen und ihren Trinkwasserbedarf einzunehmen, zu welchem Zweck eine eigene Wasserleitung angelegt ist. An einem grossen Platze am Meere stehen die Amtsgebäude und die Wohnungen des Residenten, des Arztes, sowie das Gasthaus und eine ganze Reihe Kaffeehäuser. Der eigentliche Gemeinde-Platz, der Alun-Alun, ist schön und gross und stehen in seiner Mitte vier prächtige, colossale Waringibäume, welche die offene Gerichtshalle umgeben; schöne Alleen ziehen sich an seinen Seiten hin und bietet der Platz einen sehr pittoresken Anblick. Dort steht auch die Wohnung des Regenten, des inländischen Beamten, sowie das Gefängniss nnd die Moschee, ein einfaches, mit Stroh gedecktes Gebäude.

Bekanntlich ist’ Java in eine Reihe von Provinzen, Residenzien genannt, getheilt, deren jeder ein europäischer Beamter, der Resident, vorsteht, eine Art Präfeet im französischen Sinne. Bei dem Anschen, das bei der Bevölkerung der alte javanische Adel geniesst, hat die holländische Regierung aber zugleich den Grundsatz .adoptirt, dass alle administrativen An- ordnungen’ durch inländische Beamte, die man aus den angesehensten Adelsfamilien nimmt, durchgeführt werden, und ist jede Residenzie in Distriete getheilt, je mit einem solchen in- ländischen Beamten, dem Regenten, ander Spitze, während ihm zur Seite, ihn controllirend, ein europäischer Beamter, der Assistent-Resident, steht. Bei dieser: geschickten Verwendung des einheimischen Elementes geht die Verwaltung leicht von Statten, in den Augen der Be- völkerung gilt der Regent als höchster Distrietsbeamter, während er in der That nur die ge- gebenen Anordnungen auszuführen hat. Dabei ist der Regent pecuniär immer sehr gut gestellt, ja selbst besser als die Residenten, und hauptsächlich auf Tantiemen, von den erzeugten Pro- ducten (Kaffee, Zucker etc.) angewiesen, so dass er ein Interesse daran hat, dass möglichst viel Land «eultivirt wird.‘ Gar mancher Regent hat dadurch eine Einnahme von mehr wie 2000 Gulden monatlich. Die Provinz Banjuwangi steht, wie alle übrigen Provinzen, direct unter der Regierung in Batavia, aber ihrer dünnen Bevölkerung wegen führt der oberste Beamte nur den: Titel und Rang eines Assistent-Regenten. Herr Ch. Bosch, ein um die ethnographische Erforschung des Landes sehr verdienter Mann, bekleidete damals ‚diese Stelle ; er ist es, der zuerst den Vulkan Argopuro mit ungemeinen Mühseligkeiten bestiegen hat,

die so ‚gross waren, dass wenig fehlte, die ganze Expedition wäre in’ den Urwäldern durch

Hunger zu‘ Grunde gegangen. © Ich‘ versäumte natürlich nicht, ihn ‚sofort aufzusuchen, ihm meinen Pass einzuhändigen und ihn um die Erlaubniss zu ersuchen, in seiner Provinz ‚mich aufhalten und reisen zu dürfen. Es war das damals gerade keine leere Formalität auf Java, wie nachstehendes Erlebniss beweist. Jeder Ausländer, .der- Java bereisen wollte, musste, da- mals wenigstens, von der Central-Regierung in Batavia dazu die Erlaubniss haben und hatte zu dem Ende zwei ansässige Europäer als Bürgen zu stellen, worauf ihm dann: der nöthige javanische Pass zugestellt wurde; bevor dies alles in Ordnung, war es jedem Capitain der Postdampfer verboten bei 10000 Gulden Strafe, einen Reisenden mitzunehmen: Ich hatte nun die Absicht, von Batavia direct mit dem Dampfschiff nach dem Osten, ‚nach Surabaya, ‚zu fahren, und da das Schiff nur alle acht Tage ging, benutzte ich die’Zeit: bis zur Ankunft meines Passes zu einem: Ausflug in das nahe Buitenzorg, dem einzigen Orte ausserhalb Batavia’s, wohin man ohne Pass reisen konnte. Dabei hatte ich den englischen Generalconsul, der einer meiner Bürgen war, gebeten, mir sofort nach Buitenzorg zu telegraphiren, wenn der Pass unterschrieben sei, um ‘dann 'keine Zeit zu. verlieren. So erhielt ich. eines Tages zu Buitenzorg eine Depesche mit einem ‘Schreiben des General-Sekretairs der Regierung, worin mir gemeldet wird, der Pass sei unterschrieben, es könne) aber noch ein paar Tage anstehen, bis er auf geschäftlichem Wege mir zukomme; einstweilen könnte ich aber auf dem Dampf- schiffe Passage belegen, was ich’ denn auch that, und dann ‚nach Zustellung des Passes abreiste, Von Surabaya, der grossen Handelsstadt des Ostens von Java, machte ich nun meine Streifereien und benutze ich die Gelegenheit, dem damaligen Residenten von Surabaya, spätern Rath von Indien, Herrn Van der Wijck, meinen Dank auszusprechen für die freundliche Aufnahme, die so weit ging, dass er mich sogar einlud, ihn auf einer seiner Dienstreisen ‚zu begleiten. Aehnliche Aufnahme wurde mir auf dem gastfreien Java fast überall zu Theil... Nur in Bezuki war das anders. Als ich nämlich dem dortigen Residenten meinen Pass: präsentirte mit der Bitte, mir die zu meinem Weiterkommen nöthigen Postpferde gegen die festgestellte Taxe anzuweisen, bemerkte derselbe, der Pass sei freilich in Ordnung, ‚aber dennoch könne er mich nicht weiter reisen lassen. Es‘sei nämlich üblich, dass allen’ Residenten direct jedesmal von Batavia mitgetheilt werde, wann und an wen ein Pass ausgestellt sei; bezüglich meiner habe er aber diese Anzeige noch nieht erhalten. Glücklicherweise hätte ich das oben erwähnte Telegramm mit dem Schreiben des:Generalsekretairs bei mir, was ihn dann bezüglich meiner Person beruhigte und ihn endlich bestimmte, mich. meine Reise, fortsetzen zu lassen. Es mag

dies als Warnung, ‚für Reisende dienen, es auf Java mit Passangelegenheiten nicht zu. leicht

zu nehmen; ob in neuester Zeit es hierin anders geworden, weiss ich nicht. Von Herrn

Si > OA

Bosch wurde’ ich aufs freundlichste aufgenommen und sicherte er. mir für alle meine Streifereien vollste Unterstützung zu;. ja er stellte selbst 'gemeinschaftliche 'Exeursionen in Aussicht, die auch wirklich unternommen wurden.

Die Provinz Banjuwangi ist 2017 ‚Quadrat-Pal oder ‚80,68 deutsche Quadratmeilen gross, aber in Folge von Kriegen und Seuchen sehr entvölkert, so dass erst in neuerer Zeit bei geordneteren Zuständen die Bevölkerung wieder zunimmt... Bei meiner Anwesenheit 1858 zählte sie 37259 Seelen nach den amtlichen Zählungen, also 462 Seelen auf die deutsche Quadratmeile. Die letzte Zählung 1868 ergab schon 50436 Menschen. Anfangs: dieses Jahr- hunderts sollen kaum 8000 Menschen dort gewohnt ‚haben, während deren :1846 bereits 28000 waren. Auf Java gibt es gar: manche Provinz, deren Durchschnittsbevölkerung mehr wie 5000 Seelen auf die deutsche Quadratmeile übersteigt (einige haben sogar über’ 11000), ohne dass bei der ungemeinen Fruchtbarkeit des Landes Uebervölkerung; einträte. Nun: ist aber die Provinz Banjuwangi eine der fruchtbarsten. "der ganzen Insel, oder könnte es wenigstens sein, so dass sie mit leichter Mühe 300,000 bis 400,000 Menschen ernähren könnte. Am Anfange des vorigen Jahrhunderts gibt auch Valentyn die Bevölkerung von Blambangan, wie das Land damals hiess, zu 300,000 Seelen an. Das ist aber ein Irrthum: in 'so, weit, als unter Blambangan ‚nicht allein die heutige Provinz Banjuwangi, ‘sondern jedenfalls auch ein Theil der heutigen 'Residenzie' Besuki mitbegriffen sein muss; denn zu.jener Zeit war das Land schon in Folge von Kriegen und ‚Seuchen ziemlich entvölkert.

Die Provinz ist in zwei Distriete: 'getheilt, nach’ den jeweiligen Hauptorten genannt: Banjuwangi mit ‘699 Quadrat-Pal und 69: Dörfern (Dessa’s) und Rogodjampi mit 1318 Quadrat-Pal' und 90 Dessa’s, ‘welchen Distrieten je ein 'eingeborner Beamter vorsteht. .In- teressant mag es sein, die verschiedenen Nationalitäten kennen. zu lernen. Es wohnten dort im Jahre 1858 2.114 Europäer, 192 Chinesen und: 28123 Eingeborene; Summa 38429, » Sau E18680 noEae. 89 » 258 » »..50049 > » 50436, wobei unter den Eingeborenen auch alle von Madura, Bali, Celebes gekommene Leute, sowie die Araber, mitbegriffen sind. Eine genauere Angabe bezüglich der Distrietsbevölkerung finde

ich nur für 1846 und wohnten damals in

En h 3 Andere Pr Seelen Br"

Europäer Chinesen | Manduresen Hinwandätes Javanen Total Quadrat-Pal. Banjuwangi 74 202 279 1873 15156 17584 25 Rogodjampi _ 33 43 10374 10450 8 Summa 74 202 312 1916 25530 28034 17

Pre, RR

Die einzelnen, meist kleinen, oft nur von ein Paar Familien bewohnten Dörfer stehen unter eigenen Vorstehern, Patingi, die zunächst für die Polizei und die Kaffeekultur zu sorgen haben.

Die mittlere Temperatur zu Banjuwangi gibt Dr. Epp folgendermassen an:

Höchster Stand Niedrigster Stand

Morgens 6 Uhr 24° Celsius 21,2° Celsius Mittags 12 Uhr | 328° » a3 Abends 6 Uhr 30° » 250 >

Friedemann im Auslande 1860 gibt für die Jahre 1850—1857 als mittlere Temperatur Morgens um 6 Uhr 23°,76. Morgens um 9 Uhr 279,87. Mittags um 3 Uhr 28°,89. Abends um 10 Uhr 25°,75, somit herrscht also das ganze Jahr hindurch eine sehr gleichmässige Temperatur. Für das 275 Fuss hoch gelegene Rogodjampi hat Zollinger genaue Beobachtungen für die Jahre 1857 und 1858 veröffentlicht (Naturk. Tydsch. voor Nederl. Indie 1859), wonach 1857 der niederste Thermometerstand 15° Celsius, der höchste 32° betrug; im Jahre 1858 war der niederste 16,8°, der höchste 33,2° und zwar fiel

das tiefste Minimum 15° im Jahre 1857 in den Juli

» » > 16,70» » 1858 » » August das höchste Minimum 25,5° im Jahre 1857 in den Mai

weg » 248°» » 1858 » »ı Juli

das tiefste Maximum 25,5° im Jahre 1857 in den September Be > 26,7°» » 1858» » November das höchste Maximum 33° im Jahre 1857 in den Juli

RR » 33,20» » 1858» » Dezember.

Die grössten Differenzen zwischen Minimum und Maximum fielen 1857 in den Monat Juli, wo sie 16° betrugen, 1858 in den November mit 13,8; die geringsten Differenzen 1857 in den Februar mit 7,5° und 1858 in den Januar mit 8,4%. Die mittlere Jahrestemperatur für Rogodjampi berechnet sich für 1857 auf 25,31%, für 1858 auf 25,96%. Als heissesten

Monat kann man den October ansehen, da, wenn auch in diesen Monat nicht die höchsten Abhandl. d. Senckenb. naturf. Gesellsch. Bd. IX. 4

er

Minima und Maxima fallen, doch beide sehr hoch hinaufgehen und die Differenz zwischen ihnen nicht bedeutend ist. Das niederste Minimum für die beiden Jahre war im Monat October 21°, das höchste Maximum 32,2°. Der Ostmousson beginnt mit Ende März oder Anfangs April, der Westmousson, die vor- zugsweise nasse Zeit, Ende October oder Anfangs November. In Rogodjampi fielen 1857 im Westmousson in 110 Regentagen 1206 Millimeter Regen,

» Ostmousson » 71 » 635 » » 1858 » Westmousson » 106 » 1163 » » » Ostmousson » 61 » 447 » »

Die vorherrschenden Winde sind heftige Süd-Winde (SO und SW), die aus der kälteren Südsee kommend oft plötzlich die Temperatur herabdrücken und die Wolkenbildungen ver- anlassen, welche an den Bergen hängen. In der Nähe der Berge sind Wasser- und Windhosen nicht selten und die Gewitter im Allgemeinen sehr heftig.

Die Reiskultur ist die Hauptsache und bebauten im Jahre 1868: 5666 Bauernfamilien 8620 Baue !) bewässerte Reisfelder und 2288 Baue mit sogenanntem Bergreis, und war die Reis- produktion 334520 Pikul Padi (roher Reis) oder die Hälfte davon an enthülstem. Nächst der Reiskultur ist Kaffee das andre Hauptprodukt der Provinz, und ist dieser hier von vorzüglicher Güte. Mit Ausnahme einer Handelssteuer werden keine anderen Steuern in der Provinz er- hoben, sondern alles reduzirt sich auf Naturalleistungen. Alles Land ist Eigenthum der Re- gierung und erhalten die Bauern die zum Reisbau nöthigen Ländereien, wofür sie im Allgemeinen eine Abgabe an Reis zu entrichten haben und zugleich ein Theil derselben die erwähnten Frohndienste leisten muss, nämlich Strassen-Unterhaltung, Post-Beförderung, Wachtdienste, Gefangenen-Trans- port etc. ete. Die anderen sind verpflichtet, mindestens 500 Kaffeebäume pro Familie zu pflanzen und haben sie den erzeugten Kaffee an die Regierung abzuliefern, die ihnen pro Pikul Gulden zahlt. Will die Familie mehr wie diese 500 Bäume unterhalten, was aber bei der Gleichgiltigkeit der Leute nicht oft geschieht, so wird diess sehr gerne gesehen.

Um die Kaffeekultur zu befördern, erhalten die Distrikts-, wie die Ortsvorsteher Tan- tiemen, von Ya bis zu Ya Gulden pro Pikul wechselnd, Im Jahre 1861 soll man von 2,800,0000 Bäumen (worunter viele, die noch keine Ernte gaben) 11760 Pikul Kaffee gewonnen

haben. ‚Die Regierung trägt natürlich alle Magazinirungs- und Verpackungskosten, macht aber

“bei dem durchschnittlichen Verkaufspreise von 28 Gulden per Pikul immer noch ein gutes

) 1 Bau = 500 Quadrat-Ruthen rheinisch. 1 Pikul = 125 Pfund Amsterdamer Gewicht.

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Geschäft. Die Kaffeeproduktion war früher grösser und betrug bis über 15000 Pikul jährlich; \ dieser Rückgang trotz der grösseren Bevölkerung hat, wie auf ganz Java, seinen Grund darin, dass der Kaffeebaum nur höchstens 20—25 Jahre Früchte trägt, in der Ebene sogar nur 12 bis 16 Jahre. Dabei erschöpft der Baum den Boden so sehr, dass dort, wo eine alte Pflanzung stand, es absolut nöthig ist, den Boden eine Reihe von Jahren, 10. mindestens, brach liegen zu lassen. (An künstliche Düngung denkt man noch nicht.) Diesem Umstand ist die Abnahme der Kaffee-Produktion auf Java zuzuschreiben, indem man beim Abgange alter Pflanzungen die Mühe der Anlage in auszurodendem Walde scheuend, häufig an der früheren Stelle wieder an- pflanzte. Der Kaffeebaum hat eine tiefgehende Pfahlwurzel, von deren Entwicklung. die Ent- wicklung des Baumes abhängt; trifft sie auf steinige Schichten oder gar auf Felsen und Tuff- lager, die ihr tieferes Eindringen hindern, so stirbt der Baum in einigen Jahren ab. Desshalb taugt auch nicht jeder Boden für den Kaffeebaum. Er gedeiht auf Java vom Meeresstrande bis über 6000 Fuss Höhe, aber die wichtigsten Kaffeegärten fallen in die Zone von 1000 bis 5000 Fuss, und der beste und meiste Kaffee wächst eigentlich zwischen 2000 bis 4000 Fuss Höhe. Ein ausgezeichneter Kaffee wächst, wie schon gesagt, in der Provinz Banjuwangi.

Die Anlage einer Kaffeepflanzung geschieht nun in zweierlei Weise. Entweder rodet man den Wald sorgfältig aus und pflanzt dann die Bäume in regelmässige Beete, 10 bis 12 Fuss von einander entfernt, zwischen Reihen von schattengebenden Bäumen; .oder man lässt beim Klären des Waldes einen Theil der Bäume für den Schatten stehen, ebenso die Stümpfe der grossen Bäume, während man das Gestrüpp verbrennt und die grossen Stämme liegen lässt, bis sie vermodern. Die letztere Anlage nennt man Wald-Kaffee-Pflanzung und den aus ihr gewonnenen Kaffee Wald-Kaffee. Sie gleicht einer Wildniss und das Durchkommen und Be- sorgen der Bäume ist ziemlich schwierig. Ein grosser Theil des Kaffees in Banjuwangi ist auf diese Art angelegt. Die. Wartung der Kaffee-Pflanzung ist überhaupt keine leichte; es muss der Boden namentlich in den ersten Jahren sorgfältig reingehalten und wiederholt um- gebrochen werden, auch für Abzugskanäle muss gesorgt werden, damit die fruchtbare Erde durch Regengüsse nicht von den Wurzeln weggeschwemmt wird. Im dritten Jahre beginnt der Baum zu tragen, im vierten Jahre erst giebt er eine volle Ernte, und da meist schon im vierzehnten Jahre seine Erträgnisse so geringe werden, dass sie die Kosten der Wartung nicht mehr lohnen, so kann man durchschnittlich seine Erträgsperiode nur zu 10 Jahren ansetzen. Die eigentliche Blüthezeit des Baumes fällt in den Anfang der Regenzeit, von Mitte October bis Dezember; die wohlriechenden, schneeweissen Blüthen in Büscheln in den Blattachseln

sitzend, heben sich prächtig von dem glänzenden, dunkelgrünem Laube ab. Die Zeit der

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Fruchtreife ist das Ende der Regenzeit, April bis Juni. Nicht selten findet man jedoch in dieser Zeit wieder Blüthen, und wird daher am Anfange der Regenzeit eine zweite Ernte nöthig, manchmal sogar eine dritte. Je feuchter das Klima und je weniger verschieden die Jahreszeiten unter sich sind, desto mehr treten in der Zwischenzeit Früchte und Blüthen auf; je schärfer sich die trockne von der nassen Jahreszeit scheidet, desto mehr concentrirt sich die ganze Entwickelung auf eine Blüthe- und eine Frucht-Periode. Die Frucht ist eine kirsch- artige Beere mit fleischiger, hochrother Fruchthülle, in der in hornartiger Schale zwei Bohnen liegen und wenn auch weniger reizend als blühende Kaffeegärten, so sehen. diese doch auch schön aus, wenn durch das dunkle Laub die rothen Früchte schimmern. Später wird die äussere Hülle dunkel und trocknet zuletzt zu einer harten Schale. Nach dem Pflücken trocknet man die Früchte auf flachen Hürden in der Sonne, was 5 bis 6 Wochen dauern kann und wobei sie vor Regen geschützt werden müssen. Dahn wird die Hülle abgelöst, meist durch sehr primitives Stampfen, und die nochmals getrockneten Bohnen durch weiteres Stampfen von der hornartigen Schale befreit. Nur selten findet man auf Java zum Enthülsen sogenannte Kaffeemühlen, von deren Wirksamkeit man überhaupt dort wenig hält, weil in ihnen gar zu leicht die Bohnen zerbrochen werden.

Je jünger die Bäume sind, desto grösser und blasser sind die Bohnen, je älter die Bäume, desto kleiner, dunkelfarbiger und fester werden sie. Das gleiche Verhältniss zeigt sich zwischen den Früchten aus der Ebene und dem Gebirge, die letzteren sind kleiner und haben spezifisch schwerere Bohnen. Zuweilen avortirt eine der beiden Bohnen in der Frucht - und wird dann die andere rund; solchen Kaffee nennt man männlichen Kaffee und hält man ihn für feiner als den gewöhnlichen. Besonders feinen Kaffee erhält man, wenn man die Bohnen sammeln lässt, die sich in den Excrementen des Luak (Paradoxurus musanga), einer Viverren-Art, vorfinden; der Luak frisst die Kaffeefrüchte in Menge, wobei er nur die reifsten und schönsten aussucht, was der Grund ist, dass die noch in der innen hornigen Schale liegenden Bohnen einen besonders guten Kaffee abgeben. Diesen auf Java sehr geschätzten Kaffee sammelt man zu Geschenken und haben auch wir solchen nach Europa gesandt, der den Damen in Kaffeevisiten sehr mundete, ohne dass man freilich seine genauere Herkunft kannte. ö ?

Man rechnet auf Java meist als Erträgniss eines ausgewachsnen Kaffeebaumes jährlich

1 Katti (14 Pfund) gereinigten ‚Kaffee, das aber entschieden zu hoch ist, und Katti im

Durchschnitt der Wahrheit mehr sich nähern mag, wenn schon ausnahmsweise an einzelnen

Orten einzelne Bäume bis zu 3, ja selbst 5 Katti abwerfen. Ein Kubikfuss nasser, frischer

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Kaffeebohnen in der Hülse wiegt durchschnittlich 30 Katti & 1" Pfund; trocken in Hülse 21 Katti, und endlich trockner, gereinigter 34 Katti. Zollinger hat mir genaue Wägungen mitgetheilt, die er in verschiedenen Gegenden Java’s gemacht hat. Darnach erhielt man aus 100 Theilen trockenem Kaffee in Hülsen in West-Java

auf Tjikoja in der Ebene 32%,

auf Belang in den Hügeln 36124; % und

auf Pasir Madang im Gebirge 40%, nebst 2 Theilen unreiner Bohnen mit Hülsenresten,

in Solotiga in den Hügeln Mittel-Java’s 35%, Daraus ergiebt sich, dass im Gebirge der Ertrag grösser ist, als in der Ebene.

Ausser Reis und Kaffee sind die weiteren Produkte in Banjuwangi jetzt von wenig Be- deutung. Zuckerrohr, zu dem die Provinz sich sehr eignen würde, baut man nicht, dagegen machen die Eingebornen für eigenen Bedarf etwas Palmzucker. Die Anpflanzungen von Kokos- bäumen waren damals unbedeutend und die Zollinger’schen Plantagen zu jener Zeit erst im Entstehen. Früher hatte man versucht, Seidenzucht und Indigopflanzungen einzuführen, hat es aber bald wieder aufgegeben. Bei meiner Anwesenheit bestanden dagegen noch zu Suekarad ja, eine Stunde von Banjuwangi am Fuss des Gebirges gelegen, Nopalgärten, die von Sträflingen besorgt, jährlich, an 25000 Pfund Cochenille lieferten; doch auch diese wurden 1865, als zu wenig einträglich, eingehen gelassen.

Dort in Suckaradja (wörtlich: fürstliches Vergnügen) befindet sich ein Landhaus des Residenten, welches derselbe gewöhnlich bewohnt. Es hat eine prächtige Lage am Gebirge mit gesunder Luft, ist 265 Fuss hoch gelegen und von schönen Gärten umgeben. Bei einem Besuche, den wir dort dem Residenten machten, wurden wir sehr freundlich empfangen und in einem Flügel des weitläufigen Landhauses einquaxtiert. Die Aussicht einestheils über das Meer nach Bali, andrerseits zu den hohen Bergen der Idjenkette ist wirklich entzückend. Nach holländisch javanischer Sitte nahmen des Abends zwar die Kinder des Residenten am Abendessen Theil, nicht aber deren Mutter, die Ngai, da sie eine Javanin war. Dem Residenten verdanke ich bei dieser Gelegenheit manchen schätzbaren Aufschluss über das Land.

Damals wurden die dortigen Sträflinge, 400 bis 500 an Zahl, noch mit der Cochenille- kultur beschäftigt. Die Leute wurden sehr human behandelt, und nicht ein Mann Militär lag dort, wobei Herr Bosch mich versicherte, er habe ohne dieses die Leute mehr in der Gewalt, als wenn überall Militärwachen stünden. Die Leute gingen ganz frei umher, ohne jede Fessel; die meisten Aufseher sind aus ihrer Mitte genommen, gebesserte Sträflinge. Die Verheiratheten

‚wohnen in eigenen Häusern und begünstigt man die Verheirathungen mit Inländerinnen sehr,

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als Belohnung für gute Aufführung sie gestattend. Die Unverheiratheten schlafen in grossen Sälen. Als Nahrung erhalten sie täglich 14 Pfund Reis und wöchentlich 1 Pfund Dendeng (getrocknetes Büffelfleisch), welche Nahrung sie sich selbst zuzubereiten haben. Sonntags er- halten sie ausserdem geröstete Pisang und wenn keine Klagen vorliegen, monatlich 1 Gulden unter dem Titel Siri-Geld, d. h. für kleine Bedürfnisse, namentlich zum Anschaffen des zum Kauen so beliebten Betel-Pfeffers. Dafür haben sie von 6 Uhr Morgens bis 11 Uhr und von i Uhr Mittags bis 5 Uhr zu arbeiten.

In den Nopalgärten, die 5 an Zahl terrassenförmig an den Hügeln sich hinzogen, befanden sich ungefähr 300,000 Pflanzen. Für’s Auge machen diese reihenweise gepflanzten Oactus einen traurigen Eindruck. Die Schildläuse (Coceus Cacti), welche die Cochenille abgeben, setzt man auf die einzelnen Pflanzen und sie vermehren sich so sehr, dass nach einiger Zeit die Cactusstauden ganz wie mit Mehl bestäubt aussehen. Sind dieselben ausgewachsen, so kehrt man sie einfach ab und trocknet sie. Das geschieht in weitläufigen Trockenschuppen, in denen durch Erhitzung die auf Hürden liegenden Thierchen schnell getödtet und getrocknet werden. ‘Dabei ist das Hauptaugenmerk darauf zu richten, dass sie nicht verbrennen. Das ist nun die in den Handel kommende Cochenille, die gesiebt und je nach der Schwere und Grösse der Thierchen in drei Sorten getheilt wird, wobei die vollen schwersten den geschätz- testen Farbstoff liefern. Zu einem Pfund Cochenille sollen an 20,000 Thierchen nöthig sein. Der Durchschnittspreis der erzeugten Waare betrug damals 2 Gulden per Pfund, und wenn auch Gewinn gemacht wurde, so war das Erträgniss doch immer niedriger, als an anderen Orten Java’s, wo in freier Arbeit diese Zucht betrieben wurde.

Auf Suckaradja trafich auch Herr von Bloemen-Waanders, den Assistent-Residenten von Bulliling auf Bali, der herübergekommen war, um Vorbereitungen zu treffen, seine kranke Familie herüber zu senden, da drüben kein Arzt war. Ein sehr unterrichteter, für die Wissenschaft glühender Mann hatte er vor einiger Zeit gemeinschaftlich mit Zollinger Bali bereist?) und beide Herren waren davon so begeistert, dass sofort eine zweite gemeinschaft- liche Tour dorthin verabredet wurde. Leider kam sie nicht zur Ausführung, obgleich wir schon Alles vorbereitet und selbst die nöthigen Reitpferde gekauft hatten, kleine Poni’s von der sogenannten Sandelwood-Rage, mit geschlitzten Ohren und zu Bergreisen ungemein geeignet. Einestheils dauerte das Unwohlsein in Herrn Waanders Familie länger, als man gedacht hatte, and dann brachen Unruhen auf Bali aus, die eine Reise dort nicht rathsam erscheinen liessen,

wie denn bereits im Dezember Bulliling militärisch besetzt werden musste.

ı) Petermann’s Mittheilungen. Jahrg. 1864. Ein Zug nach dem Gebirge Bator auf der Insel Bali.

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3. Rogodjampi und die Kokos-Pflanzungen.

Rogodjampi ist von Banjuwangi 10 Pal entfernt; auf dem Wege dahin passirt man, ungefähr 1 Pal von Banjuwangi einen an tausend Fuss breiten Strich Landes, der von den Bergen bis zum Meere sich hinzieht und fast ganz kahl inmitten der üppigen Vegetation liegt. Es ist diess der Schlammstrom, der bei der letzten grossen Eruption des Idjen, 1817, von demselben herab und bis zum Meere floss. Vierzig Jahre waren seitdem verflossen und noch lag er fast ganz öde da; beim Darüberfahren tönte es dumpf, wie wenn man über ein Gewölbe fährt. An der Oberfläche mit grobem Sand, als Verwitterungsproduct, bedeckt, besteht er im Innern aus sandig-thonigem Tuffe, in dem viele kleine vulkanische Gerölle eingebettet liegen, so dass das Gebilde wie eine Art Conglomerat aussieht, gelblich grau von Farbe. Dieser neue Strom unterscheidet sich in nichts von den alten, bereits erwähnten Paraslagen, die augenscheinlich gleichen Ursprung haben und alte Schlammergüsse der Vulkane sind. - Das Flüsschen Tambong ist tief in solche alte Parasschichten eingeschnitten und macht die Grenze zwischen den Distrieten Banjuwangi und Rogodjampi. Unweit davon kommt man zur Stelle wo rechts an der Strasse der durch Leschenault und Bluhme bekannt gewordene Upasbaum (Antiaris toxiearia Lesch.) steht, von dessen giftigen Wirkungen so viel gefabelt wurde. Es ist ein schöner, hoher Baum auf säulenförmigem Stamme, der an der Basis mit radialen Leisten ver- sehen ist, ganz wie Bluhme ihn abbildet. Alles, was von seinen giftigen Ausdünstungen erzählt wurde, ist reine Fabel; seine kirschenartigen Steinfrüchte, die in Menge auf dem Boden lagen, waren vielfach von Vögeln angefressen, können somit für deren Genuss nicht giftig sein; rings herum ist auch alles bewachsen wie gewöhnlich, so dass von giftigen Ausdünstungen keine Rede sein kann. Nur der zähe Milchsaft des Baumes, der viel Strychnin enthält, ist, direkt ins Blut gebracht, giftig, doch lange nicht in dem Maasse, wie andere auf Java wachsende Pflanzen, z. B. Strychnos tieute. Wir hackten den Stamm an und versuchten den heraus- rinnenden zähen .Saft, der bitter auf der Zunge schmeckte. In den dortigen Waldungen sind

die Antiar-Bäume gar nicht so selten, und Zollinger sagte mir, dass bei seinen Kulturarbeiten

gar mancher gefällt wurde. Von einem der gefällten Bäume lies er den Saft sammeln, um ihn nach Europa zur Analyse zu senden. Der damit beauftragte Arbeiter hatte denselben mit den Händen zusammengestrichen, und .da er eine kleine Wunde am Finger hatte, so begann schon des Tags darauf der Arm furchtbar anzuschwellen und fieng. dies Anschwellen an, sich dann auch über den übrigen Körper auszudehnen. In der äussersten Bestürzung fällt Zollinger endlich ein, dass der alte Rumphius als auf Amboina gebrauchtes Gegenmittel gegen Pfeilgift

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angiebt, dass der Verwundete seinen eigenen Koth gemengt mit der Wurzel einer gewissen Liliacee zu verschlucken hätte. Da die fragliche Liliacee in den Waldungen Banjuwangi’s wächst, so wurde dem Manne die Wurzel eingegeben, natürlich ohne Koth, und siehe da, das Mittel half und binnen Kurzem war der Mann wieder hergestellt.

Die ersten genauen Untersuchungen des Antiarsaftes hat 1838 Mulder in Utrecht vor- genommen, der darin das giftige Prinzip Antiarin entdeckte und es in farblosen Krystallen darstellte. Professor Flückiger in Bern hat den von Rogodjampi gesandten Antiarsaft unter- sucht, hauptsächlich zum Zwecke, eine Methode zu finden, das Antiarin leichter zu gewinnen. Lässt man den durch Weingeist etwas haltbarer gemachten Saft einige Zeit ruhig stehen, so scheidet sich oben eine geringe, wässerige Schicht ab, die kein Antiarin enthält, Die trübe untere Schicht mit viel Wasser ausgekocht, giebt ein klares, wenig gefärbtes Filtrat. Essig- säure und Bleizucker bewirken reichliche Fällungen, die beseitigt werden; dann befreit man die Flüssigkeit durch Schwefelwasserstoff von Blei und erhält durch Verdunstenlassen sofort ziemlich reines krystallisirtes Antiarin, das durch Umkrystallisiren vollständig gereinigt wird. Mulder gab die Formel C?®H*°0:°+5H?0O, welche 14,37 Procent Wasser verlangt. Flückiger fand 13,65 Procent Wasser. Der von Zollinger gesandte Saft hinterliess 32,75 Procent festen, trockenen Rückstandes, woraus 1,02 Procent Antiarin gewonnen wurde; Mulder hatte 3,56 Procent erhalten. Der Zollinger’sche Saft war sehr rein, da er nur 1,12 Procent Asche hinterliess, dagegen wässeriger als der Mulder’sche. Flückiger erhielt ferner 12,12 Procent Harz, bezogen auf den eingedickten Saft, sowie 11% Procent eines kautschukartigen Stoffes; Mulder 20,9 Procent Harz. 1868 hat Ludwig in Wien das Antiarin als gepaarten Zuckerstoff erkannnt.

Weiterhin wird die Gegend weniger angebaut und erst in der Nähe von Rogodjampi trifft man wieder auf grössere Complexe kultivirter Felder. Rogodjampi selbst, der Hauptort des gleichnamigen Distrikts, ist ein leidliches, am Flüsschen gleichen Namens gelegenes Städtchen. Es wohnt daselbst der Distriktshäuptling, dessen Titel Radin (Fürst) Widono ist, damals ein gefälliger alter Mann, der mir manche Notizen über das Land mittheilte. Rogodjampi liegt eigentlich an der äussersten Grenze der Kultur, denn wenn auch die Fahrstrasse noch ein Paar Pale weiter führt, bis zum Flüsschen Bomo, und einzelne Dörfchen noch weiter im

Süden und Westen vorhanden sind, so liegen diese doch wie Oasen in der Waldwildniss, die

bald hinter Rogodjampi beginnt. Die Lage, 275 Fuss über dem Meere in ebenem Terrain,

ist eine sehr gesunde, wie schon der Name ausdrückt, der bedeutet: das was dem Leibe zu-

träglich ist; was auch Zollinger veranlasste, seinen provisorischen Wohnsitz dort zu nehmen,

da in den östlichen Niederungen gegen das ungefähr zwei Stunden entfernte Meer hin, die grossen Kokos-Pflanzungen angelegt werden sollten. Seine gesunde Lage verdankt es nebst dem Mangel an Morästen in der Umgegend, zum Theil dem Flüsschen, das immer helles kühles Wasser führt und nie versiegt, eine unter den Tropen nicht genug zu schätzende Eigen- schaft. Zollinger hatte sich in Surabaya ein einstöckiges, mit allem Comfort versehenes Haus aus Brettern und Balken fertigen lassen, das dann auseinander genommen, nach Rogodjampi gebracht und dort auf niedere, gemauerte Pfeiler -aufgestellt wurde. Wenn einmal die Kokospflanzungen weiter gediehen sein würden, sollte dann das Haus mitten in sie hinein verlegt werden. Von dem gastlichen Hause des Freundes aus habe ich vielfach die Gegend durchstreift, ‚einestheils bis zur Balistrasse und dem Südstrande hin, andererseits bis zu den Bergen. Wie billig verweile ich zunächst auf den von Zollinger unternommenen Kokospflanzungen.

Auf seine Anregung hatte sich nämlich eine europäisch-javanische Aktiengesellschaft gebildet, mit einem Aktienkapital von 200,000 Gulden, getheilt in 20 Aktien von 10,000 Gulden jede, zu dem Zwecke, auf Ost-Java grosse Kokospflanzungen anzulegen. Auf Java ist fast alles Land, namentlich das Waldland, Regierungs-Eigenthum, und somit war es nöthig, die Concession vom Colonialministerium in Holland zu erhalten. Anfangs wollte dasselbe sie nur für 20 Jahre bewilligen, was das ganze Unternehmen von vornherein unmöglich gemacht haben würde, da die Kokospalme erst im siebenten Jahre ordentlich Früchte trägt; zuletzt wurde dann die Concession auf 50 Jahre ertheilt, was hauptsächlich den Bemühungen des früheren General-Gouverneurs von Java J. J. van Rochussen, der als Privatmann damals in Holland lebte, zu danken war, Ungleich so manchem Staatsmanne der Jetztzeit hatte derselbe, so sehr er auch für das Unternehmen sich interessirte, dabei aufs Bestimmteste abgelehnt, sich zu betheiligen, aus dem erst später bekannt gewordenen Grund, dass er erwartete, in kurzer Frist Colonialminister zu werden, und es für unpassend hielt, als solcher dann bei einem Unternehmen in den Kolonien betheiligt zu sein.

Die Gesellschaft wollte zunächst sich auf die Anpflanzung von 200,000 Bäumen beschränken, Zu dem Ende hatte man seit ein und ein halb Jahren mit Ausrottung der Urwaldungen 'be- gonnen und waren 20,000 Bäume bereits gepflanzt, wovon allein im letzten Jahre 12,000; weniger allerdings, als man veranschlagt hatte, indem das sehr nasse Jahr 1857 dem Ausroden der Waldungen, d. h. dem Verbrennen der ungeheuren Masse von Bäumen und Gesträuchern sehr hinderlich war. Es ist wahrlich keine Kleinigkeit, solchen tropischen Wald zu fällen. Die ungeheuren Bäume, die mächtigen Schlingpflanzen, wie das ganze dichte Unterholz, machen

die Sache schwieriger, als man in Europa sich nur einbilden kann. Dazu kam in dem Distrikte Abhandl. der Senekenb. naturf, Gesellsch, Bd. IX. 5

noch ein anderer Uebelstand, die dünne Bevölkerung, in der Art, dass es faktisch an Arbeitern fehlte und dieselben von ausserhalb, namentlich von der nahen Insel Madura, herbeigezogen werden mussten, wie denn der der Gesellschaft gehörige Kutter fast immer auswärts war, neue Arbeiter beizubringen. Es musste deshalb auch alles gethan werden, um den Leuten den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, so dass man selbst ein Gamelang angeschafft hatte (die zum javanischen Orchester gehörenden Instrumente), um von Zeit zu Zeit Feste geben und die Leute mit Musik unterhalten zu können. Nach meiner Ansicht hätte man übrigens am besten gethan, anstatt der ziemlich unverlässigen Maduresen, als Arbeiter Chinesen zu engagiren, welche jedenfalls die tüchtigsten Arbeiter der Tropen sind. Auf Java fürchtet man sie aber als unbotmässig, und hätte die Regierung jedenfalls eine solche Absicht gehindert, wie denn deren Einwanderung immer nur in beschränktem Maasse gestattet ist. Das ist aber eine engherzige Anschauung, wie das einzige Beispiel von Singapur be- weist, wo gerade diese Colonie durch die chinesische Einwanderung den so bedeutenden Auf- schwung gewonnen hat. Im Arsenale von Surabaya wurden Versuche bezüglich der Arbeits- leistungen von europäischen, chinesischen und malaischen Arbeitern angestellt. Bezüglich der Arbeit leistete ein frisch angekommener Europäer soviel wie zwei Chinesen und vier bis fünf Malaien; das Verhältniss änderte sich aber bald und die Einflüsse des Klima’s machten sich bezüglich der Ausdauer so geltend, dass ein Chinese nach noch nicht einem Jahre dann gleich- stand zwei bis drei Malaien und fast fünf Europäern. Das zusammengehalten mit der Ge- schicklichkeit und ungemeinen Genügsamkeit der Chinesen erklärt vollkommen ihre Brauch- barkeit; dabei sind dieselben, wenn gut behandelt, äusserst leicht lenksam und gar nicht unbot- mässig, wie nur zu oft angenommen wird. Ich habe die Chinesen, überall wo ich mit ihnen zusammenkam, auf den indischen Inseln wie auf dem Festland, als äusserst tüchtige Arbeiter kennen und schätzen gelernt,

Den Ertrag eines volltragenden Kokosbaumes schlägt man auf Java in runder Summe auf mindestens einen Gulden an; ungefähr 23 Nüsse kann man auf den Baum rechnen. Die besten Nüsse haben dort den Werth von 5 bis 7 deuten (120 1 Gulden holl.), zu welchen Preisen die Chinesen sie kaufen; die Kerne kommen zur Oelbereitung und kosten ungefähr 2% deute das Stück. "Sieben Jahre braucht der Baum zur vollen Tragkraft und würden 200,000 Bäume dann jährlich ebensoviele Gulden abwerfen, wobei nur wenige Unkosten er- wachsen, da ein Mann manches Tausend von Bäumen besorgen kann. Somit fällt die Haupt-

ausgabe bei den Anlagen auf das Klären des Waldes. Die Bäume selbst ‘werden reihenweise

gepflanzt, 20 Fuss immer von einander, so dass ein Baum 400 Quadrat-Fuss Oberfläche be-

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kommt und 200,000 Bäume, wie die Gesellschaft zu pflanzen beabsichtigte, 788 Hectaren oder 3125 Magdeburger Morgen beanspruchen, ein grosser Bodenkomplex, namentlich wenn Urwald geklärt werden soll. Zum Pflanzen nimmt man die besten Nüsse, die einfach vorher in feuchter Luft gekeimt haben. Zollinger hatte ein kleines Wäldchen gepachtet, um wenigstens einen Theil dieser Satznüsse selbst zu ziehen; die, fehlenden wurden schon gekeimt gekauft zu 18 deuten das Stück. In diesem Wäldchen stunden die Bäume anfangs zu dicht, 15. Fuss blos von einander und gaben 1857 diese Bäume, 911 an Zahl, nur ‚7556 Nüsse; man fällte dann die zu nahe stehenden und blieben noch ‚860 Bäume übrig, die dann 19156 Nüsse im Jahr 1858 gaben, woraus sich dann ‘wieder 22,3 Nuss für den Baum im Jahre berechnet. Die Ernte geht das ganze Jahr hindurch, ist jedoch in den Monaten Mai und Juni am reichsten, in denen 2680 und 2542 Nüsse abgenommen wurden. Als wir -eines Tages dieses Wäldehen besuchten, meldete der Aufseher, dass einige Bäume vom Blitze getroffen seien und zu Grunde gehen würden. Sie wurden gefällt und das Gipfel-Mark, der Palmkohl, weg- genommen und als Palmkohlsalat für uns zurecht gemacht, eine gallertartige, süssliche, fade Substanz, die mir nicht mundete. Da _der Palmkohl nur vom jungen Mark ‚der Gipfel genommen wird und der Baum, ‘wenn entgipfelt, abstirbt, so kostet jedes solche Gericht einem Baume das Leben, ist somit sehr kostbar. Von Interesse war bier aber, dass bei genauer Untersuchung sich ergab, der Blitz habe die Rinde der Bäume spiralförmig aufgerissen und an einem der Bäume konnte man deutlich bemerken, dass der Weg, den der elektrische Funke genommen, von unten nach oben gegangen war, nicht, wie man es hätte erwarten sollen, von oben nach unten. Eine genaue Betrachtung der Ränder des Risses in der Rinde liess darüber keinen Zweifel zu.

Die vielen wilden Schweine, die in den Waldungen Ost-Java’s leben, sind den jungen Kokos-Pflanzungen sehr verderblich; sie graben die gesetzten Nüsse aus und fressen sie. Man hatte versucht, durch Einwickeln der gesetzten Nüsse in die giftige Strychnos, tieute die Schweine abzuhalten; das half aber nichts, und gruben sie nach wie vor die Nüsse aus. Es blieb zuletzt nichts anderes übrig, als alles auf kostspielige Weise mit Dornen zu verwahren.

So viel über diese Anlagen, die Zollinger leitete, unterstützt von seinem Assistenten Meister, einem Züricher gleich ihm. Leider kam das ganze Unternehmen nach Zollinger’s 1859 erfolgtem Tode in’s Stocken und wurde zuletzt aufgegeben; es ist diess um so mehr zu bedauern, als das Unternehmen versprach, ein rentables zu werden, da auf den Sunda-Inseln

die Kokosölbereitung noch sehr in der Kindheit liegt. Auf Singapur ist diese Kultur ent-

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wickelter und gebe ich zur Vergleichung die dort erhaltenen Resultate, wie ich sie bei meiner Anwesenheit aufzeichnete. Für 30,000 Bäume rechnet man 20 Personen zur Wartung, die 4 bis 5 Dollars monatlich jeder erhalten. Den Ertrag für den Baum schlägt man dort auf durchschnittlich 20 Nüsse jährlich an. Die schönsten werden ausgelesen und zu 11, Dollar für 100 Stück an die Chinesen verkauft, also fast zu doppeltem Preise wie in Rogodjampi; die kleineren kommen zum Oelmachen. Man spaltet die einzelnen Nüsse von Hand mit einem Messer und trocknet sie auf Gestelle geschichtet, in durch eiserne Röhren erhitzten Trocken- räumen, wobei der ungefähr %s Zoll dicke Kern von der Schale sich löst, der dann heraus- genommen, mit der Hand in Stücke geschnitten und dann in ganz primitiver Oelpresse aus- gepresst wird. Den Bast benutzte man damals dort gar nicht und warf ihn einfach weg.

Ich füge hier ein Paar Worte an über die Physiognomie der Kokoshaine, des Palmen- gürtels, der die glücklichen Tropen-Inseln umsäumt. Durch die hoch, oft über mehr wie hundert Fuss aufragenden, schlanken Stämme, die nach allen Richtungen gebogen, auf- geschossen, hoch oben als Kronen die mächtigen Wedel tragen, bietet sich dem Blicke eine entzückende Perspektive; die durch die Wedel hereinfallenden Sonnenstrahlen werfen prächtige Lichter hinein und weithin sieht man zu den Hütten, die dort zwischen den Stämmen zerstreut liegen. Es ist ein ungemein pittoreskes Bild, aber in der That mehr pittoresk, als wirklich ästhetisch befriedigend. Kahl und nackt ist der Boden unter den Palmen, jedes Unterholz fehlt, wie auch der grüne Rasen, und nur abgefallene, halbvermoderte, riesige Wedel decken den dürren Boden, auf den die sengenden Sonnenstrahlen voll hineinscheinen. Es fehlt der Schatten in diesen Hainen. Wie prächtig auch immer die Kokos-Waldungen waren, die ich sah, die schönsten von allen auf Ceylon, immer kam es mir vor, als fehle etwas, trotz des eigensten Reizes. Ich spreche hier nur von den Kokos-Waldüngen, nicht von denen anderer Palmen, die in ihren verschiedenen Arten ganz verschiedene landschaftliche Bilder geben. Seltsam, aber im Ganzen unschön, erscheinen die Dattelpalmen; welch’ traurige Waldungen die Fächerpalmen bilden, haben ‚wir gesehen. Die Kokospalme ist dagegen wirklich schön, namentlich wenn sie in vereinzelten Gruppen in der. Landschaft steht, am allerschönsten aber da, wo einzelne Individuen am Meere hoch oben auf der Felsenklippe emporragen, ‘der Land- schaft dadurch einen zauberischen, originellen Reiz verleihend. Viele Originale derselben Richtung angehörend zusammen auf einem Flecke machen aber einen ermüdenden Eindruck, und so ist es in der That mit den Kokos-Palmen. ‘Schöner sind jedenfalls unsere nordischen

Laubwälder, namentlich wirken sie befriedigender auf's Gemüth, obgleich ihnen die Sonne und

der Himmel der Tropen fehlen. Mit den tropischen Urwäldern aber halten sie gar keinen

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Vergleich aus. Diese Bemerkung drängte sich mir jedesmal’ wieder auf, wenn wir hinausritten zu den Arbeitern, welche den Urwald fällten, um Platz für die Kokos-Pflanzungen zu machen. Ueber alle Beschreibung schön ist es in diesen Laubwaldungen, wo die verschiedensten mäch- tigen Bäume, 60, 80 und bis über 100 Fuss hoch aufragend, ein dichtes Laubgewölbe. bilden, wo von Stamm zu Stamm unzählige Lianen und Rotang’s ihre oft mehr wie armsdicken Taue ausspannen, wo zwischen den hohen Bäumen ein aus den verschiedensten Pflanzen bestehendes dichtes Unterholz aufgeschossen ist, und wo die verschiedensten Blattformen und Farben ver- einigt sind, von den lederartigen Blättern des Feigenbaum’s, zu dem saftigen Grün der Mimosen und Bambus, bis zu den kolossalen Blättern der Arumarten; wo nicht allein unten auf dem Boden, sondern auch hoch oben in’ den Bäumen die Blüthen in den verschiedensten Farben leuchten, dabei die verschiedensten Düfte aushauchend, vom angenehmsten und würzigen bis selbst zu dem die Umgegend verpestenden. Schade, dass das Eindringen in diese Waldungen so schwierig ist, wie denn selbst die wilden Thiere kaum in’s Dickicht eindringen können, sondern sich meist aussen am Rande derselben aufhalten. Welch’ schöpferische Kraft die Natur in diesen Gegenden besitzt, hat sie gerade in Banjuwangi gezeigt, da diese Waldungen in’ den Niederungen kaum zwei Jahrhunderte alt sein können. ‘Diese Waldungen urbar zu machen, ist, wie ich schon berichtete, eine harte Aufgabe und manchen Tag bedarf es allein, einen. der grossen Waldriesen zu fällen, der dann in seinem Sturze ein ganzes Heer kleiner Gewächse niederreisst. Bei den Klärungsarbeiten hatte Zollinger angeordnet, dass die schönsten Bäume stehen blieben, und so standen an einer Stelle, gleichsam eine hochgewölbte Eingangs- pforte bildend, zwei riesige, wohl 120 Fuss hohe Feigenbäume,

Es kann hier nicht meine Absicht sein, auch nur annähernd aufzählen zu wollen, aus welchen Bäumen dieser Hochwald besteht. Am häufigsten könnte man noch die Feigenbäume und solche aus den Familien der Ebenaceen, Terebinthaceen, Myrtaceen, Bignonaceen, Mimosen, Pterocarpus-Arten etc, bezeichnen, auch einzelne Palmen fehlen nicht und die verschiedenen Bambus-Arten; Mannigfaltigkeit der Gewächse ist hier Gesetz und nur selten wiegen einzelne Arten vor, für sich dann einen Theil des Waldes bildend, so hie und da die Djattibäume (Tectonia grandis) und die Averrhoe Bilimbi mit ihren. säuerlichen Früchten, die namentlich

unweit des. Blibisstrandes so häufig wachsen, dass Zollinger den Platz, wo sein Assistent Meister wohnte, Blimbingan genannt hatte.

Hier in den Wäldern Banjuwangi’s wachsen auch die verschiedenen Bäume, welche auf Java das geschätzteste Pellet-Holz zu Griffen für das dolchartige Messer, den Kris liefern,

ein Holz, hellgelb von Farbe mit braunschwarzen Zeichnungen und Streifen. - Auf diese Zeichen

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legt der abergläubische Javane grossen Werth, gewisse Formen als glückbringende betrachtend, und manches rohe Pelletholz ist schon mit 1000 und mehr Gulden bezahlt worden. Gewöhn- liche, hübsch gezeichnete Krishölzer von den dortigen Waldungen kosten selbst schon 20 bis 50 Gulden.

In Rogodjampi ass ich zum erstenmale die vielberufene Frucht des Durianbaumes, von den Einen als die beste Frucht der Erde gepriesen, von den Andern als ekelerregend ver- abscheut. Jedenfalls ist sie eine der merkwürdigsten Früchte der Erde. Der Durianbaum (Durio zibethinus L.) gehört ausschliesslich dem indischen‘ Archipel an und reicht sein: Ver- breitungsbezirk von Malakka bis Neu-Guinea; ausserhalb desselben kommt er nirgends auf der Erde fort. In der Provinz Banjuwangi ist er zum Theil häufig, so dass man die Vorberge bei Litjin z. B. als wahres Durianland bezeichnen kann. Der Durian ist. ein, hoher Baum, dessen platter Stamm so hoch emporsteigt, dass Bäume von 100 Fuss Höhe nicht selten sind und die Stämme häufig als Mastbäume verwendet werden. -Die Krone besteht aus zahlreichen kurzen Aesten, welche das leichte, schimmernde Laubdach tragen. Die eirunden Blätter sind oben glatt und grün, an den unteren Flächen dagegen mit zahlreichen bräunlichen Schuppen bekleidet. Aus den Aesten kommen die glänzenden Blumendolden. Oeffnet sich die knopf- förmige Blüthe, so brechen 5 gelblichweisse Kronenblätter hervor; immer: fällt ein Theil der Blüthen ab, auch hätten die Früchte keinen Platz beisammen ‚oder die Aeste würden unter der Last brechen. Sie ‚werden nämlich länglichrund und so gross wie ein Kinderkopf. Die fünftheilige Fruchtschale ist eine korkartige Masse mit gelblichgrüner Oberhaut und ist dicht mit halbzölligen, pyramidalen Stacheln besetzt. Wehe dem, dem vom hohen ‚Baume herab eine dieser stachlichten Früchte auf den Kopf fallen würde, und hat man gesehen, dass Pferde, denen vom Baume herab eine solche Frucht auf den Kopf fiel, ‘todt niedersanken. Hier haben wir das Gegenstück der Lafontaine’schen Fabel, und die Ansicht des unter der Eiche aus- ruhenden Wanderers ist hier in’s Leben getreten, dass nämlich Gott die Welt doch viel schöner erschaffen hätte, wenn er anstatt auf der stattlichen Eiche kleine Eicheln wachsen zu lassen, grosse Kürbisse wachsen liesse. Lafontaine lässt dann dem Manne eine Eichel auf die Nase fallen und ihn dann ausrufen, Gott habe doch alles recht wohl gemacht, da ihn eine grosse Frucht erschlagen hätte. Schade dass Lafontaine den Durianbaum nicht kannte! In

jedem der 5 Fruchtfächer der Frucht sitzen 2 bis 3 Samen von der Grösse eines Taubeneies,

"doch plattgedrückt, die von einer gelblichweissen, schmierig-pappigen Masse umgeben sind.

Es stinkt diese so intensiv nach faulendem Knoblauch und Aas, dass bei Oeffnung einer Frucht

der Gestank das ganze Haus erfüllt, und es für einen Neuling sehr grosse Ueberwindung

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kostet, ‘diese auch ekelhaft aussehende‘ Masse, die‘ man mit Löffelchen herausnimmt, zu geniessen. "Es giebt viele Europäer, die das nie fertig bringen’ und denen es von’ dem Geruche jedesmal’ förmlich übel wird.‘ ‘Wer ‘sich aber darüber hinaussetzen kann, ' findet, dass der Geschmack einer der feinsten und angenehmsten’ist, den man sich denken kann: nach meinem Gefühl steht der Durian allenfalls nur der Mangustanfrucht nach und nach: ihr ist er die 'beste Frucht der Welt, ja viele ziehen ihn noch dieser letzteren 'vor. Der Durian ist übrigens keine gesunde Frucht und sehr unverdaulich. ' Hier an der Ostecke Java’s sind zeitweise diese Früchte

so billig, däss man sie manchmal um 3 bis 4 Kreuzer pro Stück ‘kaufen kann.

4, Matjan-puti.

Das heute so dünn bevölkerte Land war zu anderen Zeiten von vielen Menschen bewohnt nnd hat es eine: an Erlebnissen reiche Geschichte.‘ Die‘ ungeheuren, kaum. zugänglichen Waldungen, die man versucht ist, für jungfräuliche Urwaldungen zu halten, bergen in ihrer Mitte die Ruinen 'einst blühender Städte, die noch vor wenig Jahrhunderten im Orient berühmt waren. Der Urwald: ist hier grossentheils kein jungfräulicher, sondern, man verzeihe das Wort, ein neuer, der sich aber in nichts von dem wirklichen Urwalde unterscheidet und den die jetzt von Neuem vordringende Kultur, wie" wir gesehen, nur mühsam wieder bewältigt. Unter den mächtigen Städten, die einst im Lande blühten, ist vor Allem bekannt gewesen Blambangan (oder wie frühere Reisende es auch nennen Ballabuan), ‘die Hauptstadt des gleichnamigen grossen Hindureichs, in welchem am längsten auf Java der Hinduglaube sich erhielt, bis auch er zuletzt von dem siegreich vordringenden Muhamedanismus ausgetrieben wurde, so dass heute keine eingeborenen Hindubekenner auf Java sich mehr finden, während auf der östlicher liegenden Insel Bali er heute noch der herrschende Glaube ist. Zur Zeit seiner grössten Blüthe umfasste dieses Reich nicht allein die jetzige Provinz Banjuwangi, die heute noch bei den Javanen Blambangan heisst, sondern auch die Residenzien Besuki, Probolingo und Passuruan. Ungefähr 1%, Stunden nordwestlich von Rogodjampi liegen im’ Walde, der zum Theil zu neuen Kaffeekulturen umgestaltet ist, die Ruinen "einer anderen alten Stadt, Matjan-puti (weisser Tiger) genannt, bei deren Besuch ‘der Radin’Widono als freundlicher Führer uns geleitete. Von der Hauptstrasse links abbiegend kommt man bald in den Wald, 'und‘dort liegen auf

einer flachen, vom Raun sich herabziehenden Bodenanschwellung die Ruinen. Die Umfassungs-

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mauern der ungefähr. 1" Pal im Durchmesser haltenden alten Stadt sind noch theilweise er- halten, zerfallen ‚aber täglich mehr, ‘wobei ‚die Menschen mehr thun als der Zahn der Zeit. Schon bei der Anlage der Kaffeekulturen ist vieles zerstört worden; dabei nehmen die Um- wohner, trotz: des strengen Verbots, häufig die‘schönen, gut erhaltenen Ziegelsteine weg, um sie anderwärts zu verwenden. Selbst .der neue Passangrahan von Rogodjampi soll zumeist aus diesen Ziegeln erbaut sein, welche dem Baumeister als neue von den Leuten geliefert und als solche ihnen bezahlt wurden. Es ist nämlich die Stadtmauer, aus sehr guten, 18 Zoll langen, 6 Zoll breiten und 3 Zoll dicken Ziegelsteinen erbaut, die nach der noch heute auf Bali und Madura üblichen Weise ohne Mörtel aufgemauert wurden, in der Art, dass man etwas nassen Thon zwischen je 2 Steine bringt und sie auf einander reibt. So viel man erkennen kann, mag die Stadtmauer an 6 Schuh breit, gut 12 Fuss hoch und oben mit Gang und Brustwehr versehen gewesen sein. An der Nordseite sind noch die Reste eines Thores erhalten, ebenfalls aus Ziegelsteinen erbaut, doch ist kaum mehr dort zu sehen, als ein grosser Trümmerhaufen, auf dem schöne Feigenbäume aufgewachsen sind. Die Stadt war an allen vier Seiten mit solchen Mauern umgeben und hatte den Bach Tombong im Norden, den Sebani im Süden, zwischen welchen beiden sie sich ausbreitete. Ungefähr in der Mitte der alten Stadt findet man noch die Reste eines kleinen zierlichen Tempels. Ungleich den meisten alten Bauresten auf Mittel- java, die meist aus behauenen Trachyt- oder Lavablöcken aufgeführt sind, ist hier, mit Aus- nahme der Fundirungen, zu denen Lavablöcke verwendet sind, alles aus anderem Material erbaut, zum Theil aus Ziegelsteinen, zum Theil aus einem weissen, milden Kalkstein, der bald in grösseren Blöcken verwendet ist, meist jedoch in der. Form von gewöhnlichen Ziegelsteinen, so dass man letztere bei der Milde des Steines leicht versucht sein könnte, für weisse künst- liche Steine zu halten, ähnlich den feuerfesten Ziegeln. Es kommen dieselben aus den tertiären Kalkbergen, wie dieselben am Gunung Ickan sich finden und namentlich bei Sumenap auf der Insel Madura gebrochen, in gleicher Weise zugehauen und als Bausteine weit umher ver- wandt werden. Auf Madura nennt man diesen leicht zu bearbeitenden‘ Kalkstein Blumenstein, weil Ornamente sehr schöa in ihn eingeschnitten werden können. Es mögen desshalb diese Steine auch aus dem nahen Madura stammen, vielleicht aber auch vom Gunung Ickan, obgleich dort keine solche Brüche bekannt sind. Es finden sich schöne, zierliche Ornamente am

Tempel, die augenscheinlich eingeschnitten sind, nachdem die Mauern bereits erbaut waren,

‘ganz wie man es heute auf Madura macht. Der ganz verfallene Tempel mag 20 Fuss lang,

12 Fuss breit und von doppelter Manneshöhe etwa gewesen sein bis zu einem vorspringenden

Gesimse, worüber nach Hinduweise das terrassirte Dach sich erhob. Die Aussenwände sind in

viereckige, rosettenartige Felder getheilt, nach Hindumanier. ') Man kann noch deutlich er- kennen, dass der Tempel auf einer mehre Fuss’ erhöhten Terrasse stand, zu der an der Westseite eine Treppe hinaufführte, und sieht man am Eingange noch Postamente mit Resten grotesker Bildsäulen. Auch vor dem Tempel befinden sich noch die Reste einiger Figuren, die mir auf Shiwa zu deuten scheinen. Diese Bildsäulen waren aus einer bröckligen, fast Parasartigen Masse gefertigt, die, wie es scheint, in Formen hineingestampft wurde. Früher hat man dort auch einige Bildsäulen gefunden, aus Lavagestein gearbeitet, die sich jetzt zum Theil in Batavia befinden, zum Theil vor dem Residentenhause in Banjuwangi aufgestellt sind. Das ist alles, was ich noch in den Ruinen sah, ausser vielfachen Ziegelhaufen an verschiedenen Orten. Früher sollen noch mehrfach Reste von anderen Bauten vorhanden gewesen sein, SO unter anderen, wie Epp berichtet, die Reste eines zierlichen, offenen Häuschens, in dem die fürstlichen Leichen verbrannt wurden. “Auch mehrfach hat man Gegenstände von Metall gefunden; Münzen waren häufig, aber immer nur chinesische, wie sie heute noch auf Bali eireuliren, mit einem viereckigen Loch in der Mitte zum Aufreihen auf eine Schnur. Das alles weist darauf hin, dass die Erbauung Matjanputi’s in relativ neuere Zeit fallen müsse. Bleeker giebt an, dass nach einer ihm zugänglichen javanischen Chronik seine Erbauung in das erste Drittel des sechzehnten Jahrhunderts.falle. Die Sage selbst bringt seine Gründung mit dem Falle Modjopahit’s in Verbindung, dessen letzter Kronprinz Radin Gugur nach dem Falle seiner Vaterstadt im Jahre 1478 in diese Gegenden geflohen sei. Nach Hageman?) sei Matjan-puti im Jahre 1638 durch einen Ausbruch des Raun verwüstet worden; seine eigent- liche Zerstörung mag aber später fallen und erst in Folge der häufigen Kriege geschehen sein, jedenfalls aber vor 1720; denn bereits von diesem Jahre wird Pangeran Danurodjo erwähnt, als Stifter des Reiches von Widjinan (?), nach der Verwüstung. des Reiches von Matjan-putih.

Als im Jahre 1478 das weitberühmte mächtige Hindureich auf Ost-Java, das von Modjopahit vernichtet und seine Hauptstadt zerstört worden war, und damit auch der Osten Java’s dem Muhamedanismus unterworfen wurde, hielt sich ganz im äussersten Osten noch Jahrhunderte durch Blambangan, dem eindringenden Muhamedanismus widerstehend. Bereits um’s Jahr, 940 herum wird schon das Reich von Blambangan erwähnt, das bis dorthin zu Bali gehört zu haben scheint. Im Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts, wird erzählt, habe der

damalige Herrscher von Blambangan, Menak Djinggo, um die Fürstin von Modjopahit geworben,

') Eine Abbildung findet sich in: Javanische Oudheden. 1852. I. Lieferung.

) Hageman: Handleiding tot de geschiedeniss etc. etc. von Java. Abhandl. d. Senekenb. naturf. Gesellsch. Bd. IX, 6

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und als sie ihn abwies, habe er den Krieg, erklärt und 'sei siegreich vorgedrungen, zuletzt aber von seinem, eigenen Hofstaate. ermordet ‚worden. Von: nun an kam Blambangan in ein ge- wisses Vasallenverhältniss zu Modjopahit, und.‚als Browidjojo, Radschah von Modjopahit, von seinem Sohne, der in Demak regierte, geschlagen, nach Bali sich flüchtete, in solche zu dem Dewa Agong, dem ‚Grossfürsten von. Bali, welche Fürsten sich noch heute als die Abkömmlinge und Erben, der alten Krone von Modjopahit betrachten. ‚Seit dieser Zeit ist die Geschichte Blam- bangan’s die Geschichte der. erbitterten Kämpfe gegen den immer mehr herandringenden Muha- medanismus, und in diesen mörderischen, langdauernden Kriegen ist die nächste Ursache der Ent- völkerung des Landes zu suchen, wozu noch Seuchen kamen, veranlasst theilweise durch furcht- bare Ausbrüche der Vulkane. Nach dem Falle Modjopahit’s hatten sich viele Hindubekenner nach dem eigentlichen Blambangan geflüchtet, wo damals noch allein auf Java der Glaube ihrer Väter sich erhielt, d. h. ein gemischter Shiwakultus, wie er noch heute auf Bali besteht, nicht aber, wie mehrfach irrthümlich angenommen. wurde, der Buddhismus; letzterer war schon längst dem Brahminenthum gewichen.

Zur Zeit seiner grössten Blüthe umfasste das Reich von Blambagan fast den ganzen Osten Java’s, nämlich die Provinz Ost-Blambangan, dem heutigen Banjuwangi, und West- Blambangan mit Puger, Djember, Adirogo, Pradjakan, Panarukan, Besuki, Sintong, Sabrong, Probolingo, Passuruan, Bangil, Porrong, Malang und Lemadjang. Man darf dabei aber nicht an ein Reich im modernen Sinne denken, sondern ein solches mit Vasallenfürsten im Sinne des Mittelalters, dessen Oberherr ‚der Fürst‘ -von Blambangan war. Seine Residenz war die Stadt Blambangan an der Pampang-Bai gelegen.

Der englische Reisende Tom Candish (Cavendish) erwähnt zuerst Blambangan’s, das er 1588 besuchte. Er erzählt: von der, Mächtigkeit des Königs, vom Reichthum des Landes und der Tüchtigkeit seiner Männer, und: der: Schönheit der Frauen. Der König habe 100, sein Sohn an 50 Weiber gehabt. Wenn ein König sterbe, werde der Leichnam verbrannt, und 5 Tage später tödten sich, alle Frauen ‘des Königs etc. Interessant ist, dass damals schon Portugiesen dort ansässig waren, von ‚denen zwei an Bord des Schiffes kamen, sich um Nach- richt aus Europa erkundigend.!) Achnliches erzählt Cornelius Houtman, der 1597 dort war. Es wüthete damals der Krieg zwischen dem bereits zu dem Muhamedanismus bekehrten Fürsten von Passuruan und den »Hinden«, wie Houtman sagt, von Ballabuan (so nannte er die Stadt), denen die Glaubensgenossen von Panarucan zu Hilfe kamen, so dass eine ganze

Flotille dort versammelt war., Auch hier ‚werden wieder ansässige Portugiesen erwähnt, so

!) Journalen van drie Voyagien, te weten 1, vau Mr. Tomas Candish etc. Amsterdam 1643,

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fünf, die »Büchsenmeisters-Amt« beim’ Könige versahen und'ein Mönch, der in Panarukan den Heiden das Christenthum predigte. Es mächten "also ‘damals’ bereits dort, wie seitdem und heute noch an vielen anderen Punkten der ‘Erde, das Christenthum und der Muhamedanismus gleichzeitig Anstrengungen zur »Bekehrung« der Heiden, und auch, wie fast überall, trug der Muhamedanismus, der mit Waffengewalt. bekehrende, den »Si6g davon." Die 'Muhamedaner rückten immer näher, eine Provinz nach'der andern’ wurde abgerissen, "so dass Senopati, der 1599 starb, bereits Puger erobert hatte.‘ Im Jahre: 1648 wurde Banjuwangi vom Sultan Mangku Rat von Mataram erobert, und‘ das’ Landkam in’eine, allerdings nur nominelle Ab- hängigkeit von ihm, die aber nicht lang dauerte,'so' dass es'sehr bald wieder unter Bali’scher Lehensherrschaft stand. Streitigkeiten! zwischen dem Fürsten von Blambangan und dem Grossfürsten von Bali veranlassten den’ ersteren, sich’ den Holländern in die Arme zu werfen und ihnen sein Land abzutreten. Das geschah im Jahre 1765 und setzten sich die Holländer zuerst in dem am Meere gelegenen, später wegen’ seiner’ ungesunden Lage wieder aufgegebenen Fort, Banju-alit fest; die vollständige Eroberung geschah jedoch erst 1770, bei’ welcher Ge- legenheit die bereits sehr heruntergekommene Stadt. Blambangan eingenommen‘ und zerstört wurde. Damals soll die heutige Provinz 'Banjuwangi noch’ 200,000 Seelen gezählt haben. Die weitere Festsetzung der Holländer in'der' Provinz ist“ von- einer ‘Reihe von Gräuelthaten, die sie verübten, begleitet. Im Jahre‘ 1771 empörte sich die Bevölkerung und ermordete grausam sechzig europäische Soldaten. ‘Nun erklärte die Regierung zu Batavia alle Bewohner der Provinz zu Sklaven und sechs Jahre lang wurde derverbittertste Krieg geführt, der die Entvölkerung des Landes zur Folge hatte. Als’ 1777 der Krieg zu‘ Ende kam, indem sich eirca 100 Häuptlinge ergaben, lockte ‘der Commandant Schophofft dieselben an Bord seines Schiffes und liess sie tödten. Da floh alles, was fliehen konnte, sei es nach Bali, sei es in die Wildnisse, oder flüchtete sich zu Schiffe und 'trieb'Seeräuberei; ‘Viele kamen’ durch Hunger und Seuchen um. Noch im Jahre 1800 fand man einige Hunderte von Familien, die sich in die Waldwildniss geflüchtet und dort kleine Dörfchen angelegt hatten.

Die Bevölkerung sank in dieser Zeit auf 8000, ja selbst 5000 Seelen und das Land wurde zur Wüstenei, um so mehr als 1790 der Commandant van Ryk, um der Seeräuberei ein Ende zu machen, das Land so systematisch verwüstete, dass man nur selten mehr eine menschliche Spur antraf. ‘Man schreibt gewöhnlich die Entvölkerung der Ungesundheit des Landes zu, aber ein Besuch an Ort und Stelle “und die Berichte der alten Leute lassen die

ungeschminkte Wahrheit erkennen, « sagt’Hageman.%) ' So konnte es kommen, dass im Anfange

’) Geschiedeniss etc. von Java. Tijdschrift voor Tal, Land’ en Volkenkunde. 1860.

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dieses Jahrhunderts die Bevölkerung auf ein Minimum gesunken, ja fast ganz aufgerieben war, und als Leschenault de la Tour das Land im Jahre 1805 besuchte, man nicht einmal mehr genau die Stelle angeben konnte, wo an der Pampang-Bai das alte, prächtige Blambangan einst blühte., Die»Gegend war damals so entvölkert, dass schon bei Panarukan der Wald begann und auf dem ganzen Weg nach Banjuwangi nur zwei armselige Dörfchen im Walde sich fanden. Leschenault fügt noch hinzu, dass man Spuren anderer Dörfchen allerdings noch sah, die aber verlassen waren ‘der vielen Tiger wegen. Dass der Wohlstand und die Bevölkerung erst in neuerer Zeit sich wieder zu heben beginnt, ist oben schon bemerkt worden.

Der Ort, wo die Stadt Blambangan stand, ist heute noch eine vollständige Waldwüste und seien dort nach der Aussage des Radin Widono keine erhaltenen Ruinen mehr vorhanden, dagegen fände man noch Mauersteine, die aber aus Lava beständen, somit also älter sind, wie die Reste von Matjanputi. Ein aus basaltischer Lava gefertigter Phallus, der auf dem Gunung Ickan gefunden wurde und jetzt auf dem Platze von Banjuwangi aufgestellt ist, spricht ebenfalls dafür.

Als Fürstenthümer aus früherer Zeit nennt man in der jetzigen Provinz Banjuwangi noch die Reiche Kradennan und Proa, und namentlich Proa auf der Halbinsel gleichen Namens an der äussersten Süd-Ecke gelegen, soll der Sage nach eine sehr bedeutende Stadt gewesen sein; wo es aber eigentlich stand, weiss selbst die Sage nicht näher anzugeben. Ob in den weiten Waldwildnissen am Südstrande, zwischen Puger und Gradjakan, die seit Jahr- hunderten keines Menschen Fuss mehr betreten hat, noch Reste alter Städte sich finden, wer weiss es? Das Land dort muss früher aber ebenfalls, zum Theil wenigstens, kultivirt gewesen sein, wie schon die langjährigen Kriege zwischen Puger und Blambangan erwarten lassen; denn zwischen Reichen, die durch undurchdringliche Waldwüsteneien von solcher Ausdehnung

von einander getrennt sind, wie das heute der Fall ist, ist eine wirkliche Kriegführung unmöglich.

5. Geologische Verhältnisse des Landes.

Die geologischen Verhältnisse der ganzen Provinz sind in ihren Grundzügen sehr einfach. Mit Ausnahme einiger Kalkhügel am Meere sind die hohen Berge wie das Flachland

vulkanischen Ursprungs. Die hohen ‚Vulkanketten werden wir im zweiten Abschnitte näher

kennen lernen, hier spreche ich nur von dem Lande, das. zwischen ihnen und dem Meere im

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Osten und Süden sich befindet, und hier müssen wir unterscheiden zwischen dem Flachlande am Meere, und dem niederen Hügellande, in welches dasselbe den Bergen zu übergeht.

Die Vorhügel der Vulkane bestehen ausschliesslich aus vulkanischen Gesteinen, und überall, wo man die Verhältnisse genauer untersucht, ergiebt sich Aehnliches, wie bei Batu aodol. Rogodjampi liegt im Verbreitungsbezirke des Raun und von demselben ziehen sich, ganz wie vom Idjen her, terrassenförmig absetzend schmale Hügelzüge in die Ebene herab, in der sie sich verlieren. Es sind dies alte Lavaströme, sei es nun, dass sie von wirklich ge- flossener Lava herrühren, wie meist der Fall ist, sei es, dass es Lavatrümmerströme sind, welche aus dem Vulkane herabkamen. Sie gehören alle jedenfalls einer längst vergangenen Zeit an. Terrassenförmig setzen diese Ströme ab, bedingt vielleicht durch in verschiedenen Zeiten ausgebrochene, über einander hingeflossene Lavaströme, und zwischen je zwei derselben befindet sich immer ein tiefeingeschnittenes Thal, in dem ein Bach der Ebene zueilt. Diese ursprüngliche Configuration ist nicht Folge der Erosion. Alle diese alten Lavaströme sind dann an ihrer Oberfläche häufig mit jüngeren vulkanischen Produkten, oft in nicht unbedeu- tender Mächtigkeit bedeckt, vor allem mit Parasschichten, dann auch mit Asche und Lapilli, und in diese haben dann die Bäche in Folge der spätern Erosion sich tief eingeschnitten. Gleich oberhalb Rogodjampi wird ein solcher, ziemlich bedeutender Strom von der Landstrasse über- setzt, so dass dort die Profile deutlich blosgelegt sind. An der Strasse ist er an 1000 Schritte ungefähr noch breit und an 30 Fuss hoch, so dass die Strasse, sich in ihn einschneidend, wie über einen kleinen Hügel über ihn wegführt. Er kommt vom 15 Pal entfernten Raun herab und lässt sich noch über 1 Pal unterhalb Rogodjampi dem Meere zu verfolgen, bis er endlich unter den Paraslagen der Strandebene verschwindet.

Ein ideales Profil vom Raun bis zum Meere ergiebt folgendes:

Raun

anju Alir Rogodjampi

15 B

Das Gestein dieses Lavastromes ist hauptsächlich eine schwarze basaltische Lava, die in grossen Blöcken umherliegt. Innen dicht, wird sie nach oben zu porös, oft mit langgezogenen

Poren, und hat an der Oberfläche nicht selten blumenkohlartige Form oder ist tauartig ge-

wunden. In der dichten, schwarzen Grundmasse erkennt man mit der Loupe viele weisse

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Feldspathleistchen oder Kryställchen, wodurch nicht selten das ganze Gestein Porphyrstruktur erhält. Meist ist deutliche trikline Streifung an ihnen erkennbar, sowie Farbenwandlung. Magnetit findet sich fast immer deutlich ausgeschieden, jedoch im Ganzen nicht in sehr grosser Menge; Olivin ist dagegen nicht in allen Stücken zu erkennen. Augit ist vorhanden, doch dessen Säulchen nur selten deutlich erkennbar; auch wenige grüne Pünktchen sieht man hie und da, die wohl von zersetztem Augit herrühren. Im Ganzen ähneln diese Gesteine sehr denen von Batu-dodol, und einige dichte Varietäten lassen sich in Handstücken von denselben gar nicht unterscheiden. Bezüglich der mikroskopischen Diagnose verweise ich auf Professor Rosenbusch’s Abhandlung, der von den Nummern 475, 477, 473 meiner Sammlung, alle von Rogodjampi 'herrührend, Dünnschliffe fertigte. Auch die mikroskopische Untersuchung hat in allen Gesteinen triklinen Feldspath nachgewiesen, in Nr. 475 aber ausserdem noch einen

orthotomen, den Professor Rosenbusch unzweifelhaft als Sanidin bezeichnet.

Die Loupenuntersuchung dieses letzten Gesteins betreffend, bemerke ich, dass der Feld- spath an vielen Orten farbenwandelnd, in’s Messinggelbe ziehend sich ausweist, und wenn auch Streifungen selten deutlicher zu beobachten sind, doch Herr Professor Blum bei auffallen- dem Lichte an einigen Punkten entschieden Viellingsstreifung wahrgenommen hat. Der Mangel an Streifung kann aber apodictisch nicht gegen jedes Auftreten von triklinem Feldspath sprechen, da ja einfache Zwillingsbildungen der Krystalle keine Streifung veranlassen können. Rosen- busch’s Untersuchungen haben denn auch nachgewiesen, dass selbst in Nr. 475 der vorwaltende Feldspath ein trikliner sei, dass aber ausser ihm noch Sanidin vorkomme, der in den übrigen Gesteinen fehlt. Wegen des spärlichen Olivin’s, der öfters ganz zu fehlen scheint (in Nr. 475 ist man versucht, an einigen Orten Olivin zu vermuthen, es ist aber ein Feldspath mit gelb- licher Eisenoxyd-Rinde bedeckt), zählt Professor Rosenbusch diese Gesteine zu den Augit- Andesiten, Ich glaube sie jedoch ebensogut wie die von Batu-dodol trotz des hie und da fehlenden Olivins, zu den basaltischen oder vielmehr den doleritischen Laven rechnen zu müssen, aus den bereits bei den Batu-dodol Gesteinen entwickelten Gründen; und zwar sehe ich sie als eine Form der Dolerit-Laven an, die sich den Augit-Andesiten nähert, wenn nicht sogar selbst den Uebergang zu denselben bildet, und stehen diese Gesteine von Rogodjampi

den Augit-Andesiten noch näher, als einzelne Varietäten von Batu-dodol.

Ganz dasselbe Gestein findet man auch an vielen anderen Orten im Verbreitungsbezirke

des Raun unter ähnlichen Verhältnissen, so bei Gambiran ete., deren nähere Beschreibung

weiter unten folgt. Daraus ergiebt sich, dass zu jener Epoche, als diese Laven gebildet wurden,

N

der Raun, wie den Idjen und die anderen nun erloschenen Vulkane dieser Gruppe, dieselben Gesteine erzeugten.

Ausser diesen Dolerit-Laven findet man noch Lapilli, oft aus einer röthlichen, porösen Lava bestehend, umherliegen, sowie, jedoch selten, Blöcke eines röthlichgelben, dichten, festen Tuffes, letztere beide Produkte jüngerer Eruptionen,

Von diesen Dolerit-Laven Gesteinen sind vollständig verschieden die vulkanischen Gesteine, die sich am Südstrande bei Gradjakan finden, die jedenfalls einer älteren Epoche angehören, als die ersteren, und ganz entschieden zu den Augit-Andesiten zu zählen sind. Ich komme später, bei Beschreibung der Excursion an den Südstrand, des näheren auf diese Gesteine zurück und bemerke hier nur, dass die Bemerkung Junghuhn’s in seinem grossen Werke Band II, Seite 683, wo er sagt, dass an der Südküste niedrige, flache Kalkgebirge von Westen nach Osten sich hinziehen, in so weit ungenau ist, als gerade bei Gradjakan die Hügel aus vulkani- schen Gebilden bestehen. Kalkhügel kommen aber allerdings an mehreren Orten am Süd- strande vor, so weiter östlich von Gradjakan, wo in deren Höhlen am Meer die Salangane (Hirundo esculenta) ihre essbaren Nester baut, vor allem aber am Gunung Ickan, wie denn wahrscheinlich (ich bin dorthin nicht gekommen) die Halbinsel Proa ebenfalls aus Kalk besteht. Es sind dies tertiäre Kalke oder zum Theil, wie. wir schon bei Batu-dodol gesehen haben, auch jüngere Kalktuffe. Der Kalkhügel des Gunung Ickan (Ickan bedeutet Fisch), dessen höchster Punkt, Gunung Sembalungan geheissen, 385 Fuss hoch ist, bilden die schöne Bai von Pampang, die vier Pal lang und ein Pal breit, gross genug ist, um eine ganze Flotte aufzunehmen, An der Westseite der Bai, am Festlande, ist jedoch das Wasser untief und wird das Wasser dort immer.noch seichter, während an der Ostseite, wo der, Gunung Ickan die Landzunge bildet, ein tiefes Fahrwasser sich ‚befindet.

Das niedere Flachland der Ebene besteht zum Theil aus Alluviallehm, vornehmlich jedoch aus Parasschichten, wie wir sie schon als neues Gebilde bei Rogodjampi kennen lernten,

also aus verhärteten, von den Vulkanen herabgekommenen Schlammströmen. Sie geben im

Laufe der Zeit, was jedoch ziemlich lange dauern mag, ein schr fruchtbares Land ab. Im Innern, wo sie unverwittert sind, gleichen sie ganz dem erwähnten Schlammstrom, der 1817 vom Idjen herabkam. Aus ihrer bedeutenden Verbreitung folgt, dass nicht allein der Idjen, sondern auch der Raun bereits früher solche Schlammströme entsendete, -wie wir sie als neueste Produkte des Idjen kennen. Aber auch den längst erloschenen Vulkanen, die zwischen Idjen und Raun liegen, müssen solche Schlammströme früher entflossen sein, da sie sich auch

ausserhalb der eigentlichen Verbreitungsbezirke dieser heute noch thätigen Vulkane finden.

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Diese Parasschichten, die oft ziemliche Mächtigkeit haben, (ich habe selbst solche 12 Fuss mächtige gemessen) liegen in mehrfachen, deutlich unterscheidbaren Lagen übereinander, gehören also verschiedenen Zeiten an. Gleich unterhalb Rogodjampi im tiefen Bacheinschnitte ist ein sehr instruktives Profil blosgelegt, in dem die einzelnen Schlammströme durch 1 bis 2 Linien dicke, thonige Zwischenlagen deutlich von einander getrennt sind. In dem 8 Fuss tiefen Bacheinschnitte maass ich eine obere Schicht von vier Fuss Mächtigkeit, darunter eine einen Schuh mächtig, und zu unterst eine von drei Fuss, Die Javanen machen einen Unter- schied zwischen Paras muda, die weniger fest aus Sand, Asche und Grus besteht, und Paras tuwah (pasir) aus grobem Material und meist sehr fest; diese letzteren Schichten sind oft so fest, dass sie förmlich steinartig herausgebrochen werden müssen, wie es bei Anlage einer Wasserleitung, die man früher dort anlegte, zu geschehen hatte. Bei dem Graben dieser Wasserleitung im Jahre 1856 hat man in einer Parasschicht, 10 Fuss unter der Oberfläche deutliche Abdrücke von Menscherfüssen, Hornviehspuren und Karrengeleise gefunden. Zwei dieser Fussabdrücke sah ich beim Residenten Bosch, der sie aufbewahrte und auch über diesen Fund berichtet hat.!) Der erste, ein rechter Mannesfuss ruht auf einer Schicht fester Paras muda, aus lockerem, losem Sand, Asche und Grus zusammengesetzt, worunter eine Schicht fester Paras tuwah, augenscheinlich von älterer Entstehung, folgte. Der zweite war eingedrückt in dieselbe 541g Zoll mächtige Paras muda-Schicht, unter der 2! Zoll Paras tuwah, und darunter wieder Paras muda anstand. Die Abdrücke lagen sechs Fuss tief in den Paraslagen mitten drinnen, und da sie so hoch wieder von neuen Parasschichten bedeckt sind, so müssen diese Schlamm- überströmungen in sehr nahe bei einander liegenden Zeiten stattgefunden haben. In der Wasserleitung ergiebt sich folgendes Profil: Zu oberst 1 Fuss Lehm, darunter 2 Fuss 2 Zoll Paras muda, dann eine Sandschicht gemengt mit rother Erde 2 Fuss 5 Zoll mächtig, darunter 3 Fuss 3 Zoll Paras tuwah, dann wieder 1 Fuss 6 Zoll schwarzer Sand und zu unterst 7 Fuss 8 Zoll rother Lehm.

Diese Parasschichten sind deutlich bis zum Meeresstrand zu verfolgen und südlich von Bomo, bei Buntu, sieht man dieselben auf eine Erstreckung von fast 10 Pal weit; zu oberst liegt dort eine mehrere Zoll mächtige Lehmschicht, darunter 8 Zoll Paras muda, dann 5 Schuh Paras tuwah, 3 Zoll erhärtete Asche und 2 Fuss 9 Zoll Paras tuwah. Die Profile hart am Meere sind sehr- schön blosgelegt, indem die andringenden Meereswogen dort Ursache sind,

dass die Küste ständig abbröckelt. Wo im Jahre 1770 die Holländer das Fort Banju-Alit

ı) Bosch, Uitbarstingen der Vulkane Idjen en Raun. Tijdschrift voor Tal, Land en Volken- kunde. 1858.

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anlegten, ist die Küste bereits so abgebröckelt, dass in wenigen Jahren der ganze Platz, wo dasselbe stand, verschwunden sein wird. Die Macht der Strömung und der Wellenandrang in der engen Balistrasse ist ein ausserordentlicher, so zwar, dass zu Zeiten selbst Dampfschiffe vergebens dagegen ankämpfen, wie Zollinger solches vom Kriegsdampfer Bromo, auf dem er sich selbst befand, erzählt. Je nach Fluth oder Ebbe ist diese Strömung eine solche von Süd nach Nord gerichtete, oder eine rückläufige. Ungemein stark, oft geradezu furchtbar ist diese Süd-Nord-Strömung, bei der die aus der Südsee kommenden Wogen mit voller Macht in die Balistrasse hineindrängen. Dieser verdankt auch ein Theil der Küste eine eigenthümliche Configuration, wie ein Blick auf die Karte beweist. Ueberall nämlich, wo grössere Bäche ins Meer münden, die ziemlich Detritus mit sich führen, wendet sich kurz vor der Mündung der Bach plötzlich nordwärts, wie man am schönsten bei Banjuwangi, an der Mündung des Tambong, sowie unweit Banju Alit,:wo das Flüsschen von Rogodjampi mündet, sehen kann; es hat sich dort immer ein kleines Delta in dieser

Süd-Nord-Richtung gebildet, wie nebenstehende Skizze noch

deutlicher zeigt. Bei Banjuwangi ist so ein förmlicher Hafen entstanden, der aber zur Ebbezeit untief ist und fast nur Schlamm enthält; dort soll zugleich der 1817 vom Idjen gekommene, bis zum Meere geflossene Parasstrom mit den Grund zur Configuration der Küste gelegt haben. ‘Die schon mehrfach hervorgehobene Thatsache des ständigen Aufsteigens der Küste mag dabei zugleich diese Deltabildung begünstigen.

Vielfach findet man zur Ebbezeit am Meeresstrande (so bei Blibis) grosse Mengen eines schwarzen titanhaltigen Eisensandes, der vorzugsweise aus Magnetit besteht, untermengt mit Partikelchen von Feldspath, Olivin und Augit. Es ist derselbe einfach das Resultat der Zer- kleinerung der Basaltlaven, aus welchen die Meereswogen den Magnetit ausgewaschen und weggespült, man möchte sagen aufbereitet haben. Viele tausend Fuhren könnte man davon dort sammeln, mehr noch und reineren an der Südküste bei Gradjakan. In dem Profile der Wasserleitung finden sich zweimal ähnliche Sandschichten, die unterste fast 11 Fuss unter der heutigen Oberfläche, und ist es ungemein wahrscheinlich, dass dieser Eisensand dort ebenfalls in früheren Zeiten vom Meere angespült worden sei. Banjuwangi liegt 275 Fuss über dem Meere, dieser Sand also etwas mehr wie 260 Fuss über demselben, so dass somit das ganze

Land dort seitdem um diese Höhe gehoben sein muss.

Für eine solche, nicht allein Ost-Java, sondern die ganze Insel umfassende, Abhandl. d. Senckenb. naturf. Ges. Bd, IX. Ü

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säkulare Hebung sprechen noch gar manche Verhältnisse, die ich bereits an einer anderen Stelle!) erwähnt habe. Hier wiederhole ich nur für Ost-Java, dass sowohl bei Besuki, wie bei Panarukan noch zu historischen Zeiten das Meer weiter ins Land hereintrat, als heut zu Tage; dass ferner die Madurastrasse jährlich mehr versandet,: was nicht allein durch den Detritus, den die Flüsse Solo und Kali Brantes mit sich führen, verursacht sein kann; dass schliesslich das grosse Delta des Kali Mas, des goldnen Flusses (wegen seiner Fruchtbarkeit so genannt, gleich unsrer goldnen Au), das. über 12 deutsche Quadratmeilen gross sich in kaum 600 Jahren gebildet hat, nicht allein ein Alluvions-Delta sein könne, wenn auch der nahe Vulkan Klut bei seinen ungeheueren Eruptionen ein nicht unbedeutendes Material zur Deltabildung geliefert hat. Modjo-pahit, die frühere Hauptstadt des gleichnamigen, grossen Reiches, die bereits im Jahre 1478 zerstört wurde, liegt heute mit ihren Ruinen gut acht Stunden vom Meere entfernt, mitten im Lande an der Grenze des ebenerwähnten Deltas; nach javanischen Chroniken lag es früher hart am Meere, indem im Jahre 1250 Flotten von dort ausliefen, die Singapur erobern sollten. Dabei liegt es heute 93 Fuss über dem Meere, was zu der Zeit, als es nahe am Meere lag, schwerlich der Fall war. So bin ich denn zu dem Resultate gekommen, dass diese Deltabildung und die zunehmende Versandung der Madura- strasse zwei Factoren zuzuschreiben sei, dem durch die Bäche herabgebrachten Materiale, und zugleich einer noch fortdauernden Hebung des Landes, welch’ letzteres durch die geologischen Verhältnisse der Batu-dodol-Klippe unzweifelhaft wird. Dies zusammengehalten mit den Beobachtungen Junghuhn’s über die Hebung der Süd-West-Küsten Java’s berechtigt zum Schlusse, dass ganz Java in einer säkularen Hebung begriffen sei.

Veranlasst durch meine oben erwähnte Notiz über Batu-dodol hat in neuester Zeit Herr Hageman in Surabaya weitere Daten beigebracht für dieses stetige Heben der Nord- küste Ost-Java’s, die ich hier in Kürze anreihe.2) Diese Daten sind zweierlei Art, nämlich Nachweise, dass an verschiedenen Orten in ganz neuer Zeit das Meer zurückgetreten sei und dort niederes Vorland sich gebildet habe; dann Angaben verschiedener Kalkbänke und Hügel, mehr oder weniger ähnlich der Kalkbank von Batu-dodol. Die ersteren Localitäten sind folgende, von Ost beginnend:

1. Die Klippe Karang Mas oder Meindersdroogte, ungefähr 5 Seemeilen nördlich

1) Die Basaltklippe Batu-dodol im Neuen Jahrbuch für Mineralogie etc. von Leonhardt und

3einitz. 1865. 2) Hageman over het Rijzen der Kusten von oostelijk Java en Madura. N. Tijdschrift voor

Neederl. Indie. 1868.

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von der äussersten Ostecke Java’s im Meere gelegen. Im Jahre 1597 fuhr dort Hautman’s Schiff: Täubchen, auf; es war damals nur eine Untiefe dort. Im Jahre 1866 scheiterten dort zwei Schiffe, das eine 576 Ellen südlich, das andere 30 Ellen westlich von der Meindersdroogte. Es ist somit inzwischen diese Klippe höher geworden.

2. Die Bucht von Ardjasa (Delftsbai der alten Karten) und das Sampayan Delta bei Panarukan. Südlich von Sindobondo, Kapongan, bis über Ardjasa hinaus, zieht sich auf mehr wie 10 Pal Erstreckung eine öde Hügelreihe hin, die der Sambayan unweit Sindo bondo durchbricht. Diese Hügel bildeten früher das Meeresufer, und zwischen ihnen und dem Meere hat sich ein Küstenland gebildet, das bei Ardjasa im Osten kaum ein Pal breit ist, während nördlich von Sindobondo das Delta des Sampayan bis zum Tandjong Tjina an sieben Pal weit ins Meer hinausreicht. Diese Deltabildung fällt in die historische Zeit und soll in den letzten Jahrhunderten entstanden sein. Es sind an 40 Quadrat-Pale, die aus schwarzem Sand mit darunter liegendem, grauem, hartem Lehm bestehen und sich nur wenig über die Meeresfläche erheben. Das Aufsteigen dauert fort, und 1861 ist dort eine neue Klippe auf- getaucht, die früher unbekannt war; in der sogenannten Delftsbai sind zu historischer Zeit an vier Orten Klippen entstanden.

3. Der Fuss des Ringgit. Die Hauptstrasse führt dort am Nord-Ost Fusse des Ringgit hin, und lag dieselbe 1837 so unmittelbar am Meere, dass, wenn dasselbe hoch ging, die Wellen heraufspritzten. Jetzt ist zwischen Meer und Strasse auf 6 Pal Erstreckung ein begrüntes Vorland entstanden, in dem Dörfchen liegen.

4. Das Küstenland von Besuki. Von Pal 309 bis 322 führt die grosse Strasse über niederes Küstenland, das 2 Pal landeinwärts von Hügeln begrenzt ist. Dasselbe war früher Meer. Im Jahre 1812 fuhr Lieutenant Roxburgh zu Boot dort über, um zu einem am Meere liegenden Hause zu gelangen, als das Boot umschlug. Das Haus, bei dem er landen wollte, liegt heute 600 Ruthen vom Meere entfernt oder 1!’ Pal. Heute ist dort alles hoch und trocken, selbst Strecken, die man 1841 noch nur zu Boot befahren konnte. Schon 1847 haben Hoövell und 1850 Bleeker von dieser Landbildung dort gesprochen.

5. Das Küstenland bei Banju-Ängit (bei Binur) war 1837 noch Meer, heute ist es bewachsenes Vorland;

6. ebenso beim Gunung Bentur, 5 Pal östlich von Probolingo, in der Nähe von Dringu, ein ungefähr 4 Quadrat-Pal grosses Vorland.

Zu allen diesen Daten muss ich jedoch bemerken, dass die neue Strandbildung dort

zwei Ursachen ihre Enistehung verdankt; neben der säkularen Hebung ist sie eine Delta-

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bildung, veranlasst durch den Detritus, den die aus den hohen Bergen herabkommenden Flüsse absetzen.

Die von Hageman an der Nordküste Ost-Javas verzeichneten Kalkhügel sind folgende, ebenfalls wieder von Ost nach West gezählt:

1. Eine Austernbank bei Tjottek, in der Kalk gebrochen wird, was früher nicht der Fall war, also auf neuere Hebung hinweist.

2. Korallenbänke bei Sampayan.

3. Kalkhügel beim Gunung Bentur (Dringu).

4. Mehrere Kalkhügel bei Tongas, westlich von Probolinggo,

Die Kalkhügel, aufgeführt unter 3., bei Dringu habe ich näher untersucht, und bestehen sie aus einem kieselreichen, weissen, tertiären Kalk. Die Hügel selbst reichen über 200 Fuss hoch auf, und wird es an Ort und Stelle klar, dass das Meer in noch nicht zu langer Zeit bis an deren Fuss reichte, da die dort von mir gesammelten Petrefakten ausschliesslich recente Arten sind, heute in der Javasee lebende, Ausser einer Koralle ist es vornehmlich Arca granosa Lam.

Für das Aufsteigen der nördlich von Java liegenden, grossen Insel Madura führt Hage- man ebenfalls historische Daten an, von denen ich nur die eine hier verzeichne, dass nämlich 1843 an der Südseite der kleinen Insel Gili Genting, die nahe an dem Südstrande Madura’s liegt, zwei vorher unbekannte Klippen auftauchten.

Der Ansicht, dass Java in stetem Aufsteigen begriffen, stehen javanische Sagen entgegen, die Raffles in seiner History of Java II. S. 255 anführt. Darnach hätten Sumatra, Java, Bali, Sumbawa.und die andern östlichen Sundainseln einst zusammengehangen und seien erst im Laufe der Zeit in neun verschiedene Inseln zerrissen worden; so habe Nusabarong von Java sich getrennt im Jahre 444, Sumatra 1206, Bali 1293 ete. Diese Sagen sind weiter nichts als Fabeln, der orientalischen Phantasie entsprungen, die sich am besten dadurch charakterisiren, dass prophezeiend beigefügt wird, nach 3000 Regenzeiten würden die Inseln wieder vereinigt sein. Etwas Wahres mag jedoch dabei mitunterlaufen, nämlich dass diese angeblichen Zerreissungen des Landes auf Ablösung selbstständiger Reiche vom Mutterlande hindeuten sollen; denn es heisst nicht, die Insel Bali habe sich von der Insel Java getrennt,

sondern Bali von Blambangan, dem damaligen grossen Reiche; ebenso heisst es nicht die

Insel Sumatra, sondern Palembang, der nordöstlichste Distrikt Sumatra’s ete. Dass

übrigens diese Inseln einstmals nicht zusammenhängen konnten, dafür giebt die geographische Verbreitung der Thiere unwiderleglich Zeugniss. Wenn die Java zunächstliegenden Inseln je

mit ihm zusammenhängen konnten, so müsste dies vor allem Madura sein, das heute nur

durch eine seichte Meerenge davon getrennt ist. Nun ist aber auf Java der Königstiger überall zu Hause, während er auf dem nahen Madura gänzlich fehlt. Auf Bali kommt der Tiger noch vor, hat aber dort seine östlichste Grenze; dagegen kommen dort Panther und Pfauen nicht mehr vor, die in Banjuwangi noch so häufig sind.

Der oben erwähnte, fast ausschliesslich aus Magnetit bestehende Eisensand kommt so massenhaft an der Küste vor, dass mir der Gedanke kam, er könne mit Erfolg zur Eisen- bereitung im Kleinen verwendet werden. Auf Java wird bis jetzt kein Eisen erzeugt und fast alles kommt von Borneo, wo es aus Magnetit dargestellt wird. Ich hatte in Bengalen gesehen, wie die Leute dort, allerdings auf sehr primitive, aber leichte Weise in kleinen Rennöfchen direkt aus dem Magnetit ein gutes, stahlartiges Schmiedeisen bereiten (Berg- und Hütten- männische Zeitung, Band XXII, Nr. 17), und so wollte ich dort den gleichen Versuch machen. Der Radin Widono, dem ich dies mittheilte, war ganz entzückt, einen Kris aus selbstgefertigtem Eisen erhalten zu können, und liess sofort vom Strand den nöthigen Eisen- sand holen, und ein intelligenter Schmied wurde angewiesen, im Hofe aus Thon ein solches Oefchen zu fertigen. Als dasselbe fast fertig war und nur mehr des Austrocknens bedurfte, ineldete eines Morgens dieser Schmied, alles sei in der Nacht zusammengefallen, was sicherlich Setang, der Teufel, gethan haben müsse, der nicht wolle, dass man das Eisen mache; allem Anschein nach hatte es aber der Mann selbst umgeworfen, um, nach javanischer Manier, der Mühe, eine neue Art Arbeit auszuführen, überhoben zu sein. Er musste natürlich sofort wieder beginnen, allein immer kam bald dies, bald das dazwischen, natürlich immer von Setang verursacht. Ich liess nun in Zollinger’s Hof unter meinen Augen das Oefchen fertigen, das dann, als es fertig war, von Zollinger mit wichtiger Miene exorzisirt wurde, um den Teufel auszutreiben. Es war aber mittlerweile so viel Zeit damit vertragen worden, dass die Zeit meines Aufenthalts in Rogodjampi zu Ende gegangen war und ich abreisen musste, so dass

es zum Schmelzen nicht mehr kam, ein Versuch, der jedenfalls zu wiederholen wäre. Ich

führe dies alles hauptsächlich deshalb an, um zu zeigen, wie schwierig unter den Tropen es ist, eine neue Art Arbeit einzuführen; die angeborene Indolenz der Leute und ihr Aberglaube stehen allem hindernd im Wege, und wenn es nicht sofort geht, wie es sollte, hat dann sicher der Teufel die Hände im Spiel. Hiezu mochte in dem speziellen Falle noch kommen, dass Zollinger bei den Leuten schon so ziemlich in den Geruch gekommen war, mit Setang im Bunde zu stehen, eine Ansicht, die bei den Leuten dadurch bestärkt wurde, da sie sahen, dass

Schlangen, Affen und andere Thiere für die Tafel manchmal versuchsweise zubereitet wurden.

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6. Gradjakan am Südstrande.

Abgesehen von den vielfachen kleinen Excursionen, muss ich einer grösseren, der nämlich zum Südstrande, ausführliche Erwähnung thun. Sie war zunächst veranlasst durch eine amt- liche Inspektionsreise Seitens des Residenten, dem sich Herr van Bloemen-Waanders und ich auf seine Einladung anschlossen.

Zu Pferde, begleitet von Radin Widono und dem üblichen Gefolge, alles beritten, im Ganzen über 20 Pferde, brachen wir des Morgens in aller Frühe von Rogodjampi ‚auf. KReist auf Java ein höherer Beamter, so werden die Dorfhäuptlinge davon benachrichtigt, und diese schliessen sich, von ihren Leuten begleitet, in jedem Dorfe dem Gefolge an. Dies war mit der Zeit zu einem grossen Missstande geworden und das Gefolge fast ins Unendliche gewachsen, so dass die Central-Regierung anordnete, dass künftighin für jedes Dorf nur 24 ‚Reiter höch- stens mitzugehen hätten. Nach javanischer Art führte aber das zu dem seltsamen Resultate, dass nun in jedem Dorfe 24 Leute bezeichnet und uniformirt wurden, als offizielle Begleiter. Diesen aber schliessen sich dann freiwillig immer noch viele andere an, und da alle diese nicht, einfach an der Banngrenze des Dorfes angekommen, heimkehren, sondern immer weiter mitreiten, so ist das Gefolge bald auf weit über hundert Begleiter angewachsen. „So gross- artig war es nun allerdings nicht in dem schwach bevölkerten Lande, doch hatten wir oft an 30 bis 40 Begleiter bei uns.

Der Weg, der auf der Karte angegeben ist, führte zunächst an den bewaldeten Vorhügeln auf leidlichem Wege bis zum Dörfchen Pare-djati. Dort sind noch viele Reisfelder, und auf ’hohen Pfählen in denselben sieht man kleine Häuschen errichtet, wo die Wächter sitzen, um die kleinen Reisdiebe (Fringilla oryziora) zu verscheuchen, welche niedlichen Vögelchen nicht allein die Körner abpicken, sondern auch die Halme unter den Rispen abbeissen und so viel verderben. Von diesen kleinen Häuschen führen nach allen Seiten Schnüre, an denen Klappern und sonstige Gegenstände befestigt sind und die angezogen werden, sobald die Vögel einfallen. Dieses Abhalten und Verscheuchen ‘der Vögel ist auf ganz Java üblich; hier aber sind die Häuschen hoch auf Pfählen errichtet, so dass man nur mit Leitern hinaufsteigen kann, damit die Wächter zugleich vor den: wilden Thieren gesichert ‚sind.

Bald hinter diesem: Dörfchen hört das bebaute Land auf und führt der Pfad nun in grünem, von kleinen Bächen vielfach durchströmten Thälchen, zwischen. niederen, mit Ge-

büschen und Bäumen bewachsenen Hügeln dahin, wie im schönsten Park, bis zum Dorfe

Gambiran; es ist dies das am weitesten in Süd-West-Richtung gelegene Dorf, hinter dem

bald der tropische Wald beginnt. Ein Passangrahan steht dort, in dem wir uns einquartierten. Der mächtige Kegel des Raun liegt von hier in Nord 11Y/;,° West, wornach die Lage des Orts auf der Karte berichtigt ist. Ein im Süd-West gelegener, domförmiger Hügel, der be- deutendste unter den in dieser Richtung liegenden, wurde mir als Gunung Krikil bezeich- net und peilte ich West 493, ° Süd. Es scheint dies der auf Melville van Carnbee’s Karte als Gunung Lampong bezeichnete Berg zu sein.

Die niederen Hügel in der Umgebung des Dorfes bestehen aus Anhäufungen von Lava- blöcken, sei es, dass dies alte Lavaströme sind, die meist vom Raun kamen und beim Er- kalten geborsten sind, sei es, dass sie von ihm herrührende Gesteinstrümmerströme sind. Alle diese Hügel ziehen sich reihenweise vom Raun herab, und scheint sich dessen Ver- breitungsbezirk südlich bis zum, an 30 Meilen (Bogenminuten) von ihm entfernten, ‚Südstrande zu erstrecken. Eine geologische Sage, den Raun betreffend, die vielleicht mit einer furchtbaren Eruption desselben in Verbindung zu bringen ist, verdient, dass sie nacherzählt werde. Im ursprünglich ganzen Berge habe nämlich der Schmied Empo gewohnt, fleissig Tag und Nacht arbeitend. Das verdross den nahe wohnenden Gott Bima, dem die Funken ins Haus flogen, und ergrimmt warf er einstmal dem Schmied die Werkstatt um. Aus den weggeschleuderten Stücken, die bis zum Südstrande flogen, bildeten sich Hügelzüge, die in der That in dieser liichtung vom Raun aus sich erstrecken.

Die Gesteine bei Gambiran sind basaltisch-doleritische Laven, aus einem Gemenge von triklinem Feldspathe, Augit, Magnetit und wenigem Olivin bestehend. Manchmal ist das Gestein so feinkörnig und dicht und dabei so durchweg schwarz, dass es vollkommen einem Basalte gleicht und in nichts von den Gesteinen von Batu-dodol sich unterscheidet. Bald wird es poröser und schlackig, und bald geben weisse Feldspathleistchen, die in der schwarzen Masse liegen, dem Gestein ein "porphyrartiges Gefüge. Ob die triklinen Feldspäthe Labradorit oder Oligoklas sind, ist kaum zu unterscheiden; der Mangel an Farbenwandlung bei Betrachtung mit der Loupe scheint für letzteres zu sprechen, so dass trotz des äusseren basaltisch-doleritischen Habitus diese Lavagesteine den Augit-Andesiten sich nähern würden, worauf zuerst Professor Blum aufmerksam machte. Viele dieser Gesteine gleichen ganz denen von Santorin. Oft er- kennt man mit der Loupe keinen Augit, dagegen weist das Mikroskop ihn deutlich nach. Hie und da ist das feinkörnige Gestein gefleckt und rothe und braunschwarze Massen sind flammen- artig mit einander verwachsen, ähnlich wie Gesteine, die Moritz Wagner aus Cossequina mit- brachte, und die in der Heidelberger Sammlung befindlich als Augit-Andesit bezeichnet sind.

Eines dieser braunen und schwarzen, flammenartig verwachsene Gesteine, Nr. 485 meiner

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Sammlung, muss ich hier näher erwähnen. Die Gesteinsmasse ist so dicht, dass mit der | | Loupe man nur seltene Feldspäthleistehen entdecken kann. Mit dem Mikroskop löst sich die | dichte Masse auf in viele kleine mit schönen Zwillingsstreifen versehene Feldspäthleistchen Magnetit und etwas Olivin; dabei neben grünen Augitkriställchen einzelne braune Hornblende- | kriställchen. Alles liegt in spärlicher Grundmasse, die bei den schwarzbraunen Parthieen grün

ist; bei den rothen Flecken bemerkt man als sekundäre Bildungen Hämatittäfelchen, welche

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i dem Gesteine seine Färbung geben. Diess Gestein, wie andere von Gambiran (Nr. 486, 487) DR und Nr. 488 von Kradennan, sind ebenfalls von Professor Rosenbusch mikroskopisch untersucht ;

er rechnet sie ganz zu den Augit-Andesiten, während aus den früher bereits angegebenen | Gründen ich sie zu den Dolerit-Laven stelle, jedoch als auf der Grenze zwischen den. eigent- | lichen Dolerit-Laven und den Augit-Andesiten befindlich ansehe. | Eines gelblichen, dichten, feinkörnigen Gesteins muss ich hier noch erwähnen, das mir in i Gambiran, angeblich als vom Gunung-Krikil stammend, gegeben wurde. Es ist ein fester, \ gelblicher Tuff mit vielen kleinen, fast ganz zersetzten Feldspathpartikeln, und wird das Gestein | zu Schleifsteinen verwendet.

Des anderen Morgens wandten wir uns, dem Laufe des Flüsschens Stahil folgend, ost-

wärts durch dichte, prächtige Waldungen nach Kradennan, wo wir nach kurzem Ritte an- N | kamen, Es ist.eine ziemliche Kaffeekultur dort, und enthülst man die an der Sonne getrock- neten Beeren durch Stampfen, so dass eine ganze Reihe von Dörrkästen erbaut ist. Die Vegetation in der Umgebung des Dorfes ist prachtvoll und einzelne Affenheerden, welche in den grossen Bäumen hausten, belebten auf ergötzliche Weise die Landschaft. Die ganze Um- gebung ist hügelig und die niederen Hügel mit Blöcken der bereits bei Gambiran erwähnten n Gesteine bedeckt. Dazu gesellt‘ sich dort noch ein hellgraues, feinkörniges Gestein, das in \ seinem Habitus den Trachyten sich nähert; es besteht wie die anderen aus triklinem Feldspath, deutlichem Augit, Magnetit und wenigem Olivin, 0 Von Kradennan uns südlich wendend, schlagen wir den Weg zur Südsee, zum Dorfe Gradjakan ein. Zuerst reitet man durch prächtige Waldungen, mehrfach gen Osten fliessende Bäche übersetzend. Die Pferde leiden viel auf diesem Ritt durch eine Unmasse von Brems- fliegen, die in den dortigen Niederungen eine wahre Landplage sind. ‘Nach einigen Stunden Reitens hört plötzlich der Wald auf und, soweit das Auge reicht, deckt hohes gelbes Gras dicht den Boden. Hie und da nur ragen einzelne Fächerpalmen mit traubigen Früchten und Blüthen darüber hervor, die traurige Corypha Gebanga (nicht zu verwechseln mit dem

früher erwähnten Bofassus), deren graugrüne Färbung zu dem fahlen Grase passt; ausser

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diesen Palmen unterbrechen nur noch einzelne Acazien die Grasfluren, die von Glagah-Gras (Saccharum Glagah Hasskarl) gebildet sind, das so dicht steht, dass ein schmaler Pfad nur erlaubt, einer hinter dem andern zu reiten. So hoch ist das Gras aufgeschossen, dass man wie in einem Hohlweg hindurchreitet, und die Halme über uns, die wir auf den Pferden sitzen, aufragen. Die steifen, schilfähnlichen Halme stehen häufig so dicht, dass ein Durch- kommen dort, wo kein Weg gebahnt ist, oft nur mit dem Hackmesser in der Hand möglich wird. Ueber die hohen beblätterten Halme erhebt sich dann noch eine reichblüthige, weiss- liche Rispe, so dass ausgewachsene Pflanzen an 20, ja selbst 30 Fuss hoch werden können. Dieses Glagalı-Gras wächst nur auf feuchtem Boden und ist ein Aufenthalt nicht nur für vieles Wild, sondern auch für die Tiger, so dass ein einsamer Ritt gefährlich werden kann; bei Nacht wird es auch ein einzelner Javane nicht versuchen. Auf eine kleine Anhöhe gekommen, sahen wir auch einen grossen Hirsch durch die Grasflur brechen, ohne dass es bei dem schwie- rigen Terrain gelang, ihn einholen zu können, trotzdem dass sofort einige der Leute es versuchten.

Interessant war mir eine Begegnung in diesem Glagahfelde mit Leuten, die beritten von Gradjakan kamen. Nach javanischer Sitte stiegen sie natürlich bei unserer Annäherung ab, mit entblösstem Haupte sich neben die Pferde kauernd, bis wir vorbei waren; so weit war nichts Auffälliges daran. Als aber der hinter uns reitende Radin Widono an den Leuten vorbei- kam, da warfen sie sich zum Zeichen der tiefsten Ehrfurcht auf den Boden, die Erde mit dem Kopfe berührend, ein Beweis, lass heute noch ihre eingeborenen Fürsten in höherem Ansehen stehen, als die hohen europäischen Beamten, und ein weiterer Beweis, wie geschickt die holländische Kolonialregierung die Landessitte zu benutzen versteht, diese einheimischen Fürsten als Beamte zu verwenden.

Nach längerem Reiten durch das Glagahfeld kommt man in die eigentliche Strandebene, ein von vielfachen, natürlichen Kanälen durchschnittenes Marschland, durch welches ein rascher Ritt bald nach Gradjakan bringt, und wo wir im dortigen Passangrahan uns niederliessen.

Gradjakan ist ein kleines Fischerdörfchen, hart am Meere gelegen, oder eigentlich an der

inneren Seite der geschützten Gradjakan-Bai, welche durch eine vorliegende Landzunge ge-'

bildet wird. Die Bai zieht sich östlich weit ins Land hinein, und ist Melville van Carnbee’s Karte hier ungenau; Junghuhn’s Karte ist hier richtiger, doch immer noch die Bai zu klein angegeben. Hielt es doch der Resident für möglich, man könne aus der Pampang-Bai bis hierher mit geringen Kosten einen schiffbaren Kanal herstellen, da sich diese Bai ganz nahe an der Pampang-Bai hinziehe, ein Kanal, der für die Schifffahrt zur Abkürzung der Fahrt um

die Halbinsel Proa von grossem Nutzen wäre. Abhandl. der Senckenb. naturf. Gesellsch. Bd. IX, 8

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Nach der vorliegenden Landzunge fährt man über in den landesüblichen engen, roh- gezimmerten Kähnen, Einbäume würde man bei uns sie heissen; sie haben an beiden Seiten Schwimmer, d. h, parallel zum Kahne befestigte Balken, damit sie nicht umschlagen können. Die Fahrt in solchem Kahne ist keineswegs einladend, um so weniger, als die Schwimmer meist nur locker angebunden sind und die Furcht nahe liegt, sie möchten sich lösen und der Kahn umschlagen. Es kamen gerade, als wir übersetzten, Leute in einem Boote herüber, die

drüben Gras geholt hatten; sie waren alle der wilden Thiere wegen mit Flinten bewaffnet.

Die nur wenig über das Meer sich erhebende Landzunge ist flach sandig und mit Gras und Gestrüpp bewachsen; es befindet sich auf ihr eine Quelle guten, süssen Wassers. So ruhig und unbewegt die von der Landzunge geschützte innere Bai daliegt, so bewegt ist auf der anderen Seite das Meer und treibt die Südsee dort mit ungeheurer Brandung an, so dass man zur Fluthzeit um zur Westseite der inneren Bai zu kommen, einen weiten Bogen machen muss, derselben auszuweichen. Wie eine Mauer thürmen sich dann die Wellen auf, ungemein grossartig. Von hier ins offene Meer mit kleinen Booten zu kommen, hielt ich für unmöglich,

und doch thun es die Leute mit den ihrigen, allerdings nur zur Ebbezeit.

Ganz anders sind die Verhältnisse an der Westseite. Dort tritt eine an 30 Fuss hohe Klippe ins Meer vor, und ist das ganze Westufer der Bai von solchen felsigen Klippen gebildet, welche zur Fluthzeit das Meer unmittelbar bespült; zur Ebbezeit bleibt eine nur

wenige Schritte breite Strandebene frei.

Die geologisch-petrographischen Verhältnisse der Gesteine dieser Klippen sind von grossem

Interesse. An der ersten Klippe (siehe nachstehende Skizze) kann man bei a und b, von

Niederes Vorland

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Gradjakan kommend, landen; an der Südseite brandet jedoch selbst zur Ebbezeit das Meer. Bei ec, wohin man vom Lande gelangen kann, sind in einer tiefen Spalte die Gesteine schön blosgelegt, und eine concentrisch schalige, zwiebelartige Struktur ist dort deutlich zu erkennen. Die Gesteine sind bald bräunlich-roth, bald grün oder grau von Farbe. In einer sehr dichten, felsitischen, rothbraunen, grünen oder grauen Grundmasse liegen farblose Feldspathleistchen und Kriställchen, sowie Säulchen eines schwarzgrünen Minerals, wodurch das Gestein meist vollständige Porphyrstruktur erhält und man geneigt ist, es für einen Porphyrit oder Felsit- porphyr zu halten. Unter der Loupe zeigen die Feldspathleistehen nur selten Zwillingsstreifung; bei auffallendem Lichte sind sie manchmal farbenwandelnd ins Messinggelbe. Zweierlei Feld- späthe sind deutlich zu erkennen, von denen der eine leicht verwitterbare und auch meist in Verwitterung begriffene, Oligoklas sein möchte; der andere ist ein orthotomer Feldspath. An einigen Gesteinen glaubt man deutlich Nephelin erkennen zu können oder ein der Felsitoid- gruppe angehöriges Mineral, doch gelatiniren die Gesteine nicht mit Säure. Magnetitkörnchen lassen sich nicht in allen Gesteinen deutlich nachweisen, doch wirken alle auf die Magnetnadel. Die Säulchen des schwarzen Minerals sind zum Theil ganz entschieden Augit, zum Theil, namentlich die bräunlichen, ebenso entschieden Hornblende; in einigen Varietäten scheint ersterer vorzuwiegen, in anderen letztere. Olivin erkennt man nirgends. Ausser den häufigen, in Zersetzung begriffenen Feldspäthen finden sich auch in den Gesteinen, namentlich den braun-rothen, in kleinen Hohlräumen Punkte eines grünerdeartigen Minerals, die beim Betupfen mit Säure nicht brausen und wohl Zersetzungsprodukte des Augit sein möchten. In den Spalten und Klüften des Gesteins findet sich, namentlich dort, bis wohin der Wellenschlag des Meeres reichen kann, sehr häufig Chalcedon und traubiger Hyalith, sowie dunkelgrüner Hornstein. Bei « der Skizze fand sich auch ein hellgrüner Tuff mit spärlich eingebetteten Magnetitkörnchen.

An der weiter westlich liegenden Klippe steht bei d ein ähnliches, dunkelgraues und grünlichgraues Gestein an (Nr. 510 und 511 meiner Sammlung), das aber ein ganz trachytisches Gefüge hat; es ist ein deutlich kristallinisch-körniges Gemenge von triklinem Feldspath (Oligoklas) und orthotomem (Sanidin) mit deutlich ausgesprochenen Augiten und Magnetiten. Namentlich auf der Verwitterungsrinde sind die Oligoklas- und Augit-Kristalle schön und deutlich zu erkennen. Die Magnetitkörnchen liegen in solcher Menge im Gestein, dass sie sich reichlich aus dem Pulver mit dem Magnete ausziehen lassen. In einzelnen Handstücken

kommt zugleich deutlich Hornblende vor. Auch diese Gesteine gelatiniren nicht mit Säure,

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doch aber scheinen unter dem Mikroskope einige Schliffe ein Mineral der Felsitoid-Gruppe (Nosean?) zu enthalten. Olivin findet sich in ihnen entschieden nicht. Diese bei d anstehen-

den Gesteine sind ganz unzweifelhaft quarzfreie Augit-Andesite.

Bei e der Skizze, dem äussersten Punkte, bis wohin man während der Ebbezeit vor- dringen kann, haben in einer Art Höhle, die zur Fluthzeit unter Wasser steht, die Wellen einen grauen, sandigen Tuff mit eingebetteten, scharfkantigen Gesteinsbrocken abgelagert; darüber liegt ein Conglomerat von verkitteten Gesteinsbrocken, eine wahrscheinlich neue Meeresbildung. Bei f, einer Stelle, die ebenfalls zur Fluthzeit vom Meere bedeckt ist, liegen grosse Brocken eines eisenschüssigen Quarzgesteins, als ebenfalls neueste Meeresbildung, sowie

auch dort gleichfalls hellgrauer Augit-Andesit ansteht.

Die bei d anstehenden Gesteine sind, wie schon bemerkt, quarzfreie Andesit-Augite, und hängen sie innig mit den bei der ersten Klippe beobachteten und beschriebenen Gesteinen zusammen, wenn sie vielleicht auch etwas jünger sein möchten, als diese. Alle diese Gesteine sind, trotz des Gehaltes an orthotomem Feldspath, als Augit-Andesite anzusehen und zwar als quarzfreier, für welche Ansicht Herr Professor Blum sich auch entschieden ausgesprochen hat. In der geologischen Beschreibung von Tenerife von v. Fritsch und Reiss hat ersterer bereits diese interessanten Gesteine Seite 349 unter den Andesiten erwähnt. Bei der wechseln- den Menge von Augit und Hornblende mag es bei einigen dieser Gesteine schwierig sein, zu entscheiden, ob nicht das eine oder andere Gestein als Hörnblende-Andesit anzusehen wäre; das steht aber jedenfalls fest, dass der weitaus grösste Theil dieser Gesteine wirkliche Augit-

Andesite sind.

Zwei Analysen dieser Gesteine liegen vor, die ich in Folgendem gebe.

I. (Nr. 490 meiner Sammlung) wurde analysirt von Herrn Professor Fuchs in Heidel- berg; ein braunrothes, sehr dichtes, mikrokristallinisches, felsitisches Gestein; vollständig un-

zersetzt; gelantirt nicht mit Säure; spezifisches Gewicht 2,56. Von «a der Skizze.

II. Analysirt im Laboratorium des Herrn Professor Wislicenus in Zürich von Herrn Riese; Nr. 501 meiner Sammlung; kristallinisch-körniges Gemenge von triklinem und orthotomem Feldspathe und Augit (Hornblende?) mit wenigem Magnetit; man glaubt Nephelin ‚zu erkennen,

doch gelatinirt das Gestein nicht mit Säuren, scheidet dagegen etwas Kieselerde aus. Das

Gefüge mehr trachytisch. Das Gestein schon etwas in Zersetzung hegriffen, von c der Skizze,

0. in I u. N LU. SiO? 62,74 61,20 | 88,27 32,73 A1?O3 17,02 18,22 7,95 8,50 Fe20® 3413 2,69 0,94 0,81 bei II, alles auf Eisen- FeO 2,10 —_ 0,47 == oxyd berechnet. Cao 7,59 6,34 917, 1,81 MgO 0,42 0,95 0,17 0,38 MnO Spur _ _ _ K:0 1,78 2,90 0,29 0,48 Na20 3,33 5,48 "0,86 1,32 Ss0° 0,58 0,35 —_ P20> Spur _ Wasser (Glühverlust) 2,12 2,15 —_ Summa j 100,76 99,93

Der Wassergehalt in beiden Analysen zeigt deutlich, dass wir es mit einem älteren Gestein zu thun haben. Der Schwefelsäuregehalt in Nr. I. (der vielleicht in Nr. I. unbeachtet ge- blieben sein mag) beweist, dass Silicate von der Gruppe der Felsitoide darin sein müssen, und zwar, da das Gestein mit Säuren nicht gelatinirt, in kleinen Quantitäten.

Die Sauerstoffverhältnisse berechnen sich

0272020827230 bei L, 33,27 : 8,99 : 3,65 oder 1,2 :3 : 11,0 (ohne O für SO3) bei IL, 32,73 : 9,31 : 4,99. oder 16 :'3 1,7

Bei der Analyse I (als von unverändertem Gestein herrührend), . ergiebt sich, dass wir das Eisenoxyd als von Magnetit stammend annehmen können. Der dem bezüglichen Eisenoxydul- gehalt im Magnetit entsprechende Sauerstoff ist 0,31, bleiben also für O in FeO übrig: 0,16.

Für die Schwefelsäure das betreffende Radikal abgezogen, giebt 0,117 und bleibt dann { für O in RO (wobei auch die Alkalien begriffen sind, 3,533 und darnach berechnet sich:

ROH: RO i98i0? | 3,5383: :"7,946%:° 38,27 oder 1,84 1.3 : 12,58 und für Augit, Hornblende abgezogen 0,34... 0,68

bleiben 1 Sy) 5=11,90,

a anne nein. 2 diiatse meinen rn

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ein Verhältniss, das vollständig einem Albit oder Oligoklas (oder auch einem orthotomen Feldspath) entspricht, wodurch gerechtfertigt wird, den triklinen Feldspath der Gesteine als Oligoklas anzusehen.

Herr Professor Rosenbusch hat auch diese Gesteine einer eingehenden mikroskopischen Untersuchung unterworfen und zwar Nr. 490 und 491 meiner Sammlung von a., Nr, 495 von b., 501 von c., 509 von f., und Nr. 510 und 511 von d. der Skizze herrührend. Im Ganzen auf seine Abhandlung verweisend, hebe ich hier nur die Resultate von 490 und 501 heraus, da von diesen Gesteinen die obenerwähnten Analysen vorliegen,

In 490 (I) ergab das Mikroskop ein Gemenge von triklinem und orthotomem Feldspath (letzterer nach Rosenbusch Sanidin) mit Augit und Magnetit; dabei ein der Felsitoidfamilie angehöriges Mineral (Nosean oder Sodalith?). Auch Nephelin scheint indizirt durch das Auf- treten treppenförmiger Kristalle, doch entschied sich Professor Rosenbusch zuletzt, diese treppenförmigen Kristalle als von Feldspäthen herrührend anzusehen, was um so wahrschein- licher ist, als das Gestein mit Säuren nicht gelatinirt. Auch Caleit wurde beobachtet, sowie Haematit, dem das Gestein seine braunrothe Färbung verdankt, beides ein Beweis, dass selbst diese Gesteine, die man der Loupendiagnose nach für ganz unangegriffen ansehen musste, bereits in Umwandlung begriffen sind. Olivin fehlte gänzlich, und in dem Schliffe, von Nr. 490 schien. auch Hornblende zu. fehlen, während sie in Nr. 495, vom gleichen Fundorte her- rührend, vorhanden ist, Auch Tridymit glaubte Professor Rosenbusch darin zu erkennen.

In Nr. 501 (U.) ergab ‚das Mikroskop ganz dieselben Verhältnisse, und ist hier das felsitoidische Mineral deutlich als Nosean von Professor Rosenbusch bestimmt worden; auch glaubte er hie und da Pyrit darin zu erkennen.

Obwohl in direkter Linie gut 30 Meilen (Bogenminuten) vom Raun entfernt, fallen diese Klippen 'bei Gradjakan doch in seinen Verbreitungsbezirk. Wie wir gesehen, sind sie vulkani- scher Natur und nicht, was Junghuhn von allen Hügeln dort an der Südsee sagt, Kalk- gebirge; sie bestehen aus einem porphyrartigen Andesit, über dem eine Art Conglomerat liegt, aus verkitteten Brocken eines Augit-Andesits zusammengesetzt. Dass diese Klippen landeinwärts mit der Hügel- und Bergkette, die vom Raun in die Waldwildniss bis zum Südstrande sich herab- zieht, zusammenhängen, kann man deutlich an Ort und Stelle erkennen. Den zunächst den Klippen landeinwärts liegenden höheren Hügel nannte man mir Gunung Tschokko, und habe ich auf der sandigen Landzunge im Osten eine Standlinie abgemessen und mit einem Schmalkalder Kompass annähernd dessen Höhe zu bestimmen gesucht zu + 400 Fuss; für einen vor demselben ge- legenen, noch niederern Hügel ergab sich + 200 Fuss Höhe. Aus der Karte geht aber schon

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hervor, dass vom Gunung Tschokko eine lange Hügelreihe bis zum Gunung Krikil hinzieht, der selbst wieder ein Ausläufer des Gunung Raun ist.

So können wir denn sagen, dass das unterste Gerüste des Raun aus Andesiten besteht und zwar vorzugsweise aus Augit-Andesit, der möglicherweise in seinen untersten Gliedern in einem Hornblende-Andesit übergeht, und dass daher eine scharfe Trennung überhaupt nicht möglich ist. Die Entstehung dieser Andesite fällt sicher nicht in historische Zeit oder selbst in die zunächst liegende ältere Periode, sondern ist unbedingt in die Tertiär-Epoche zu setzen. Das oben auf der Klippe aufliegende Andesit-Conglomerat beweist hier ebenfalls eine Hebung des Landes, denn heute reicht der Wellenschlag des Meeres nicht mehr bis dorthin.

Der ganze Strand der inneren Bai von Gradjakan ist mehrere Fuss’ hoch mit dem bereits erwähnten titanhaltigen Eisensand bedeckt; hier ist er ungemein rein, so dass aus 100 Ge- wichtstheilen sich nur 8,36 ° nicht mit dem Magnete ausziehen ‚lassen, bestehend aus Partikeln von triklinen und orthotomen Feldspäthen, Augit, Hornblende, Olivin, sowie Quarzkörnchen.

Für einen Conchyliologen möchte das Fischerdörfchen Gradjakan manche Ausbeute liefern; der Strand ist zur Ebbezeit mit Bivalven und Univalven übersäet. Auch liegen dort in grossen Haufen Tausende von grossen Austernschalen, deren Thier den Bewohnern vielfach als Nahrung dient; es ist eine Austern-Art mit sehr dünner, gut 6 Zoll’ im Durchmesser hältender Schale. An geniessbaren Meerthieren und schmackhaften Fischen fehlte es uns während unseres mehr- tägigen Aufenthaltes in Gradjakan auch keineswegs; verschiedene essbare Muscheln wurden uns aufgetischt, sowie ganze Schüsseln voll Schildkröteneier, da die’ grossen Schildkröten dort ziemlich häufig sind.

Die Abende nach Tisch wurden in für mich sehr interessanten Gesprächen über Land und Leute verbracht. Um mir ein Bild der javanischen Unterhaltungsspiele zu geben, wurde eines Abends der Radin Widono veranlasst, mit einem jungen, hübschen Javanen, einem Auf- seher bei der Käffeekultur, ein landesübliches Brettspiel zu spielen, das sogenannte Matjan (Tiger-) Spiel, bei dem ein Spieler mit Einem Steine (dem Tiger) sich gegen den anderen mit 16 Steinen (Männer) zu wehren hat. Da wurden die sonst so gemessen ruhigen Javanen ganz Feuer und Flamme und kamen in solche Spielwuth hinein, dass wir am Ende dem Spiele ein Ende machen mussten, sonst hätten sie bis den andern Tag fortgespielt. Das Spielen

wird bei den Javanen zu solcher Leidenschaft, dass unter anderem von Banjuwangi erzählt

wird, dass einstmals zwei fürstliche Brüder, die zwei Grillen gegen einander kämpfen liessen, sich so dabei entzweiten, dass in Folge dieses Spiels ein blutiger Kampf zwischen ihnen ausbrach,

Die Rückkehr nach Rogodjampi machten wir auf ganz direktem Wege. In aller Frühe

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des Morgens von Gradjakan aufbrechend, brachte ein scharfer Ritt uns schon um 10 Uhr nach

Kradennan, wo ein Frühstück aus Reis mit Zubehör uns bereits erwartete, das wir aber auf

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; | javanische Weise mit den Händen essen mussten, da die Leute zurückgeblieben waren und im | ganzen Dorfe weder Löffel noch Gabeln aufzutreiben waren. Ein zweiter, sehr scharfer Ritt

N | | brachte uns bald nach Mittag nach Sukanata, einer kleinen Sträflingskolonie am Flüsschen N Bomo gelegen, wo die Sträflinge, Männer und Weiber, zu ländlichen Arbeiten, namentlich

Gartenanlagen und Bambusfällen, verwendet werden. Auch ein javanischer Fürst befand sich

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N HF dort, der wegen Todtschlags zu lebenswieriger Strafe verurtheilt war. Der Resident ordnete hier, auf Bericht der Aufseher hin, für Einzelne temporäre Strafen an (Einzelhaft, Entziehung gewisser | |

Lebensmittel), sowie Begünstigungen für solche, die sich gut aufgeführt hatten, wobei die Ge-

3 stattung einer Ehe die Hauptrolle spielte; dabei sagte mir der Resident, dass er grossen Werth # B gerade auf diese Ehen lege, als Belohnung für gebesserte Sträflinge.

Bis zum Bomo führt die grosse Landstrasse und von dort nach Rogodjampi legten wir

den Weg zu Wagen zurück, wo wir nach 3 Uhr bereits ankamen und Abends den grossen Komet bewunderten, der um jene Zeit sichtbar zu werden begann und mit seinen beiden

leuchtenden Schweifen prächtig am Himmel stand, während in den grossen Bäumen Millionen

von grossen Leuchtkäfern funkelten, Den Reiz solcher tropischer Abende vergisst man nie.

Da erfuhr ich, dass die Javanen von der Erscheinung des Kometen, den sie als Drachen mit

feurigen Schweifen ansehen, sehr erschreckt seien. Auf West-Java herrscht eine schöne Sage

bezüglich der Kometen; das seien nämlich grausame Fürsten, die nach ihrem Tode am Himmel

umherirren müssten und nicht zur Ruhe kommen könnten,

Zweite Abtheilung.

Die mächtige Vulkankette des Idjen Raun mit dem heute noch thätigen Idjen.

1. Veberblick der Vulkangruppe. Aussengehänge des Idjen. Reise nach Ungup-Ungup.

Von dem 275 Fuss hohen Rogodjampi übersieht man mit einem Blicke die ganze Idjen-Raun-Kette, wenn der Himmel klar ist, was jedoch bei meiner Anwesenheit dort nur in den frühen Morgenstunden der Fall war, indem meist schon gegen 8 Uhr alles in solchem Duft verschwamm, dass oft dann das Gebirge gar nicht mehr zu erkennen war. Die dort von mir gezeichnete Ansicht giebt Tafel 4 und ergiebt sich daraus, dass zwischen den beiden thätigen Vulkanen Idjen und Raun noch eine ganze Reihe hoher Kegelberge sich befindet, welche jedenfalls vor Zeiten thätige Vulkane waren. Rechts in der Zeichnung im äussersten Nord-Osten sieht man den thätigen Idjen, der aus dem 9725 Fuss: hohen (Zollinger) Gunung Merapi besteht, dessen südwestliche Vor-Terrasse der heute noch thätige Widodarin bildet, der auf seinem Grunde den durch Leschenault bekannt ‘gewordenen sogenannten schwefelsauren See birgt. Auf den Idjen Merapi folgt dann weiter im Westen der erloschene, 8282 Fuss hohe Ranteh, und sind beide Berge unter sich durch einen Sattel, Ungup-Ungup genannt und 5868 Fuss hoch (Zollinger), mit einander verbunden. Diese beiden Berge bilden eigentlich zusammen einen doppelgipfeligen Berg, gleich so vielen andern Vulkanen auf Java, dessen beide höchsten Gipfel aller Wahrscheinlichkeit nach früher thätige Krater trugen, während die heutige vulkanische Thätigkeit sich nur auf ‚den Widodarin beschränkt. Von Rogodjampi aus Sieht man Ungup-Ungup in gelber Färbung, während die übrigen Berge dunkel-blaugrün da

liegen. Ueber den Sattel von Ungup-Ungup hinweg sieht man uoch weiter zurückliegend einen

anderen Kegelberg hervorragen, den Gunung Pak-Pak.

Südwestlich vom Ranteh folgt dann der erloschene Pendill, 7485 Fuss hoch (Melville), Abhandl, der Senckenb. naturf. Gesellsch. Bd. IX. 9

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auch er, wie die Ansicht zeigt, eigentlich ein Doppelgipfel. Im äussersten Süd-Westen schliesst die Bergkette der 10,860 Fuss (Melville) hohe, thätige Raun, der mit dem vorliegenden Suckett ebenso verbunden ist, wie Idjen und Ranteh unter sich,

Ein Blick auf die beiliegende Karte belehrt uns, dass in Nord-West-Richtung an den Idjen der Kukusan sich anschliesst, der wohl auch Ranteh genannt wird (mit dem früher genannten Ranteh nicht zu verwechseln), und mit dem Gunung Suckett durch den bis circa 6000 Fuss hohen Rücken des Gunung Kendang verbunden ist. Das zwischen diesen Bergen liegende, von ihnen umgebene Hochland, im Mittel an 5000 Fuss über der Meeresfläche gelegen, heisst angeblich nach einem früher dort gelegenen Orte, wohin sich nach dem Falle von Modjopahit vertriebene Bewohner geflüchtet und angesiedelt haben sollen, das Hochland von Gending-walu. Aus einer hügeligen Ebene bestehend und von den mächtigen Bergen circus- artig umgeben, hat es eine Ausdehnung von vier bis fünf Stunden, und erinnert das ganze ungeheure Ringgebirge mit der eingeschlossenen Hochebene, das einen Gesammtdurchmesser von fünf bis sechs deutschen Meilen hat, durch seine grossartigen Verhältnisse unwillkürlich an die Ringgebirge des Mondes.

Unter Gunung Idjen versteht der Javane den oben erwähnten nordöstlichst gelegenen Berg, dessen höchste Spitze, wie schon bemerkt, der Gunung Merapi ist. Gunung bedeutet im Javanischen Berg; der Name Idjen kömmt von i-djin, d. h. Geister, übernatürliche Wesen, Luftgeister (dadurch erledigt sich auch die irrige Bemerkung bezüglich des Namens in Hum- boldt’s Kosmos, Theil IV., Seite 562); Merapi selbst bedeutet Feuer und Gunung Merapi also Feuerberg. Widodarin bezeichnet Wohnung der Engel, die, nebenbei bemerkt, der Javane sich immer als weibliche Wesen vorstellt, also Gunung Widodarin gleich Engelsburg, und Kawah (Krater) Widodarin gleich Krater, in dem die Engel wohnen. Gunung Ranteh soll Kettenberg bedeuten und Pendill (nicht Pentil, wie Junghuhn schreibt) ist der Berg, so genannt, wegen seiner Aehnlichkeit mit einem umgestürzten Kessel oder Topf. Raun bedeutet hoch, erhaben, also Gunung Raun den vorzugsweise höchsten Berg; Gunung Sucket gleich Grasberg. Der im Norden von dem Gunung Kendang (Verbindungsberg) gelegene Gunung Kukusan ist wegen seiner zackigen Form so genannt, indem Kukusan den spitz zulaufenden Reiskorb bedeutet, in dem auf Java der Reis gekocht wird; eine Benennung, die viele der zackigen Gipfel Java’s tragen.

Am 20. October 1858 brachen wir von Rogodjampi auf um den Idj'en zu besteigen. Da die Absicht vorhanden war, die Reise so lange als möglich auszudehnen,

so wurden Lebensmittel aller Art mitgenommen, und mit denselben, sowie dem nöthigen

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Kochgeschirre und Bettzeug, ungefähr anderthalb Dutzend Kuli, in aller Frühe voraus- geschickt, die uns im hochgelegenen Bergdorfe Litjin, wo wir übernachten wollten, erwarten sollten. Wir selbst brachen dann nach Tische auf, die Herren Zollinger, Meister. und ich, begleitet von zwei eingeborenen Bedienten, denen sich noch einige Javanen anschlossen, alle zu Pferde. Der Weg, den wir einschlugen, ist auf der Karte ver- zeichnet, und führte uns derselbe unweit Penulan zunächst über den schon erwähnten vom Raun sich herabziehenden Basaltlavastrom. Verschiedene Bäche wurden übersetzt, die tief eingeschnitten immer zwischen vom Raun herabziehenden niederen Rücken, ebenfalls alten Lavaströmen, dem Meere zufliessen. Die Ruinen von Matjan-putih östlich liegen lassend, kamen wir bald ‘in Waldland, in dem man längere Zeit bleibt. Erst beim Flüsschen Tambong, das vom Pendill herabfliesst, kommt man wieder in eultivirtes Land, nachdem ein bedeutender Lavastrom passirt und dies Flüsschen übersetzt ist. Es liegt dort das Dorf Bandjan malerisch am Berge, von terrassenförmig angelegten Reisfeldern umgeben. Die Leute waren grade beschäftigt, behufs der Bewässerung ihrer Reisfelder Dämme anzulegen, was in der auf Java üblichen ingeniösen Weise geschieht, indem man nämlich die Bäche dazu benutzt, die man dorthin leitet, wo man einen Damm’ anlegen will, Flechtwerk hineinstellt, und oben in den Bach Erde hineinwirft die unten am Flechtwerk sich anschlämmt.

Die Vegetation dort ist eine schöne; Kaffeepflanzungen ziehen sich am Berge her, und an offenen Stellen wächst häufig wilder Pisang mit seinen grossen Blättern. Von hier aus steigt der Weg an, und nachdem noch eine ganze Reihe Dörfer passirt sind, kommt man nach Litjin. Es war mittlerweile die Sonne untergegangen und die Nacht hereingebrochen; doch leuchtete uns der Mond, und bei seinem Schimmer bewunderten wir die prächtige Aussicht hinab über das Meer nach Bali hin; wahrhaft feenhaft nahmen sich die vielen Glühwürmchen in den grossen Bäumen aus.

In Litjin ist ein wohleingerichteter Passangrahan, und hatte Zollinger, ehe er nach Rogodjampi zog, mit seiner Familie, von Europa kommend, dort in der gesunden Bergluft die ersten Monate über gewohnt. Der Patingi (Ortsvorstand), ein freundlicher alter Mann, er- wartete uns und hatte auch für ein gutes Nachtessen gesorgt, bei dem die Durianfrucht nicht fehlte; ist doch die Gegend um Litjin als wahres Durianland berühmt. Der Patingi ent- Schuldigte sich, des andern Tags uns nicht begleiten zu können, indem er grade seine jüngste zwölfjährige Tochter zu verheirathen im Begriffe sei, und die Hochzeitsfeierlichkeiten morgen

beginnen sollten. Er habe aber für tüchtige Wegweiser gesorgt und den mit dem Idjen ver-

trautesten Mann, einen alten Jäger, würden wir bereits ‘oben treffen, indem er ihn schon

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gestern heraufgeschiekt habe, im Hochland von Gending-walu einen stattlichen Hirsch für die Hochzeit zu schiessen. Als wir nach einigen Tagen vom Idjen zurückkehrten, war die Hoch- zeitsfeierlichkeit schon in vollem Gang. Das Haus war schön verziert mit Draperien von weissem und rothem Baumwollenzeug und ein kleines offenes Gemach eingerichtet, um das die Hochzeitsgeschenke, aus Kleidern bestehend, hingen. In diesem Gemach sitzen fünf Tage oder eigentlich fünf Nächte lang Braut und Bräutigam geschmückt zur Schau, während welcher Zeit die Gäste bewirthet werden. Die Braut, ein hübsches, gross und stark gewachsenes Mädchen, hätte bei uns Niemand für erst zwölf Jahre alt gehalten; sie sah aus, als wenn sie deren mindestens achtzehn hätte.

Litjin liegt, nach unsern mit dem Kochthermometer gemachten Beobachtungen, 1346 Fuss hoch, am eigentlichen Fusse des Idjen, von dem leistenartige Rippen sich herabziehen. Man hatte in früherer Zeit dort um den Passanggrahan schöne Gärten angelegt, da einige der ehemaligen Residenten dort oft mehrere Monate in der Sommerfrische zubrachten; namentlich viele japanische Gesträuche hatte man gepflanzt, die aber alle am Ausgehen begriffen waren. In früheren Zeiten hat sich dort eine lustige Gesellschaft zusammengefunden und wurden dann Gelage gehalten, bei denen die älteren, nun längst verheiratheten Töchter des Patingi auch eine ziemliche Rolle gespielt hatten.

In aller Frühe des anderen Morgens wurde aufgebrochen, die Kuli voraus, wir ihnen folgend. Es war ein prächtig heller Morgen und die Aussicht über das Meer, nach Bali hin, wie zu den nun ganz klar daliegenden Bergen, entzückend. Gleich hinter Litjin übersetzt man einen breiten Bach und tritt dann bald in einen ausgedehnten Bambus-Wald ein. Schon die verschiedenen Bambusarten, wenn sie vereinzelt auftreten, sind schön, die dicht gedrängten Halmenbündel ragen hoch auf, sich dann ganz oben mit ihren zierlichen Blättchen nach allen Seiten neigend, colossalen Garben gleichend; sie vereinigen Kraft ‘und Zierlichkeit, so dass man sie zu den schönsten der tropischen Pflanzen zählen darf. Wenn sie aber, wie hier am Idjen, ausgedehnte Wälder bilden, dabei so vollständig den Boden beherrschend, dass sie andere Gewächse zwischen sich nicht aufkommen lassen, bilden sie zugleich eine anziehende und dabei grossartige, seltsame Waldlandschaft. Es ist vorzugsweise eine riesige Bambusart, welche diesen Wald bildet. Auf hohem Stock erheben sich in Bündel von acht bis zehn Fuss Durch- messer zusammengedrängt, die bald graugrünen, bald prächtig grün und weiss, oder grün und roth gestreiften Halme, dünn, von kaum ein bis zwei Zollen, bis zu riesigen, oft zehn Zoll im Durchmesser haltend. Dreissig, vierzig, ja sechzig und mehr Fuss, steigen diese Säulenbündel

senkrecht auf und hoch oben neigen sich die dünnen Wipfel und bilden so vollständig gothische

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Spitzbogen. Unter diesen grünen Wölbungen ist alles frei und offen und wandert man in ihnen wie unter ‚dunkeln colossalen gothischen Hallen. Fände sich in Europa irgendwo ein solcher Bambuswald, gar mancher Aesthetiker würde nicht anstehn zu behaupten, das sei das Vorbild der gothischen Bauweise; schade, dass sie aber nur unter dem tropischen Himmel vorkommen, wo man gothische Bauweise nie kannte. Bewegt der Wind die starren Halme, so rauscht es seltsam im Walde, der sonst in tiefer Stille begraben liegt, fast durch keines Thieres Laut unterbrochen. Nicht selten ist der Weg durch umgestürzte, mächtige, und in allen Richtungen liegende Halme versperrt, durch die man sich mit dem Hackmesser in der Hand den Weg bahnen muss; oft aber auch liegen diese umgestürzten Halme so hoch, dass man, ohne sich zu bücken, unter ihnen durchreiten kann. So ausschliesslich beherrscht der Bambus dieses Terrain, dass nur hie und da einzelne Zuckerpalmen (Arenepalmen) stehen, oder in seltenen Lichtungen wilder Pisang wächst; dagegen wurzeln viele Orchideen auf dem von den vermoderten Halmen weichen Boden, charakteristisch für diese Bambuswälder. ;

Um neun Uhr kamen wir zu einer Lichtung, wo zum Schutze gegen wilde Thiere, von hohem Zaun. umgeben, zwei kleine Häuser stehen. Es ist dies die Wachtstation Djaga- Ambenda, die mit dem Kochthermometer zu 2056 Fuss Höhe bestimmt wurde. Sie liegt unweit eines tief eingeschnittenen Baches, in dem festes anstehendes Gestein blossgelegt ist. Unter mächtigen Lehm-, Asche- und Lapillilagen steht nämlich ein compactes Gestein an, ein Augit-Andesit, in dessen dunkelgrauer, felsitischer Grundmasse weisse glasartige Körner eines triklinen Feldspaths liegen, der vor dem Löthrohr nur sehr schwer schmelzbar und wahr- scheinlich Oligoklas ist; Magnetitkörnchen sind zu bemerken, und hie und da auch deutlich etwas Augit. Es hat dies dichte Gestein ein specifisches Gewicht von 2.659, und geht nach oben in eine grobkörnigere, zugleich schlackigere Varietät desselben Gesteins über. Dies ist jedenfalls das Gestein, welches das Berggerüst des Vulkans bildet, der somit in seinen ältesten Partien aus Augit-Andesit aufgebaut ist.

Von hier aus hatte im Jahre 1846 Zollinger, sich östlich wendend, den Merapi erstiegen und war dabei in einen, wohl in Folge der Eruption von 1817, umgestürzten Wald gekommen, dessen Durchdringen er mit für das Schwerste hielt, was ihm auf allen seinen Reisen vor- gekommen. Wir selbst wenden uns nach Uebersetzung des Baches westlich. Hier, namentlich im Bache selbst, machen die kleinen Springblutegel viel zu schaffen, die ungefähr %, Zoll gross, sich krümmend einige Fuss weit schnellen können; sie sind in solcher Anzahl vorhanden,

dass sie nicht allein an unsere Pferde, sondern an uns selbst, namentlich an die Beine, trotz-

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dem wir sie immer. sofort‘ zu entfernen suchten, ‘so vielfach sich festsaugten, dass die hellen Beinkleider und Strümpfe bald ganz blutig waren.

Nun wird. das ‚Ansteigen steiler und reiten wir von jetzt an, von unsern Kuli begleitet, nur. langsam vorwärts. Noch: ungefähr »400 Fuss über Djaga-Ambenda hält der Bambuswald an..' Zuletzt hatten einzelne Areng-Palmen, sowie Gruppen der schlanken Pinang-Palme, den Bambuswald vielfach unterbrochen und endlich’ sich so gemehrt, dass ein förmlicher Streit zwischen: Bambus und‘ Palmen entstand. " Endlich erhalten die Palmen die Oberhand und bei 2400.Fuss Höhe sind die Bambusarten vollständig verschwunden und wir in einen Palmenwald eingetreten, der nur hie und da von riesigen Laubbäumen unterbrochen wird.

Anfänglich besteht‘ dieser Palmenwald vorwiegend aus der Areng- oder Zuckerpalme (Saguerus Rumphii Bl.), unter die sich nur wenige Individuen einer Pinangpalme mischen. Parasiten aller Art, Moose, Orchideen, Farren, schlingende Pandaneen und Lianen erscheinen in unendlicher Fülle, und die von: Moosen und Parasiten fast ganz bedeckten Arengpalmen sehen mit ihren mächtigen, halbvermoderten Blättern, deren Rippen oft armsdick sind, wie zerzauset aus; hat doch schon der alte Rumphius nicht unrichtig diese Palme mit einem schmutzigen, zerzausten, trunkenen Manne verglichen, Von ihnen unterscheiden sich vortheil- haft die schlanken zierlichen Pinangpalmen, ‘deren grüne, dünne Stämmchen, riesigen Kerzen vergleichbar, bis über 25 Fuss hoch aufragen, hoch oben zierlich gefiederte Wedel tragend und ‘prächtig rothe Fruchttrauben; jedenfalls gehören diese Palmen zu den zierlichsten der ganzen "Gattung. ‘Noch weiter oben werden die Arengpalmen selten, während die Pinang- Palmen die Oberhand erhalten und eirca 500 Fuss über der Bambuszone, bei 2900 Fuss Höhe finden 'sich''keine 'Arengpalmen mehr. "Von: hier ab herrschen nur mehr die Pinangpalmen, zunächst die schlanke, bis über 25 Fuss hohe, Pinanga Kuhli Bl, während weiter oben eine nicht so hoch aufragende, "mit stärkerem Stamme (spec. nova, robusta?) häufiger wird; auch die Laubbäume mehren sich dort.

Gegen 11 Uhr erreichen wir eine kleine Lichtung, den Rastplatz Sodong, ungefähr halbwegs zwischen Litjin und Ungup-Ungup gelegen, wo wir die Kuli etwas ausruhen lassen. Von’ jetzt ‚an "geht es sehr: steil aufwärts, "und der Weg wird um so beschwerlicher, als es gleich hinter ‘Sodong in Strömen zu regnen beginnt, wodurch der Boden so schlüpfrig ist, dass man nur langsam vorrückt; wir sind in den Wolkengürtel eingetreten, der in dieser Höhe see zu ‘bestimmten Tageszeiten an den Bergen sich anlegt. Ziemlich erschöpft und durchnässt, erreichen wir die einsam im Wald gelegene Hütte von Banju-linu, ungefähr 1200 Fuss über Sodong gelegen, und 5677 Fuss hoch über dem Meere, die letzte Wacht-

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Station, so genannt von dem kalten Wasser des Baches (Krampfwasser), weil'es die Finger steif macht. Dort warten wir den stärksten Regen ab und trocknen uns am angezündeten Feuer. Dann geht es wieder weiter den Bach übersetzend, indem’ ein fester Lavastrom blossgelegt ist, ganz ähnlich wie bei Djaga-Ambenda; sonst: ist jedoch nirgends 'anstehendes Gestein zu beobachten. Mehrfach werden tief eingeschnittene. Klüfte übersetzt, und führt‘ in solchen Schluchten, welche oft so enge sind, dass die Pferde kaum durchkömmen, der Weg aufwärts. Schon etwas unterhalb Banju-linu hatte sich die Vegetation geändert, indem nach und nach Laubbäume die Ueberhand über die Palmen erhalten hatten, welche letztere in 'eirca 4100 Fuss Höhe ganz verschwinden. Mächtige Laubbäume bilden nun den Wald, vorwiegend Eichen und Laurineen, mit einer Unmasse von Orchideen, Farren und Bartmoosen bedeckt, die in seltsamen Formen herabhängen. Dazwischen erscheinen einige Baumfarren, anfangs nur vereinzelt, später häufiger. Die vielen Eicheln, welche unter den Bäumen liegend, den Boden .bedecken, erinnern an die nordische Heimath, die Eichbäume selbst aber zeigen nicht die be- kannten Formen; denn alle die vielen Arten von Eichen auf Java haben ganzrandige und keine gezackten Blätter, wie bei uns. Die grossen Bäume haben 'mauchmal ein sehr abenteuerlich mächtiges Wurzelwerk, das erst hoch oben am Stammie zusammenkommt, so dass ein oder das andere mal man wie durch ein Thor hindurchreiten kann. Je höher man kommt, desto seltener werden die Parasiten auf den Bäumen. Diese Vegetation hält an, bis ungefähr 400 Fuss über Banju-linu (circa 5000 Fuss absoluter Höhe), worauf dann ‘ein ungefähr 200 Fuss breiter Gürtel von hoch aufgeschossenem Stangenholz, mit Baumfärren untermischt, folgt, und dann der Wald plötzlich aufhört. Weite Grasfluren von Allang-Allang decken nun das flacher werdende Gelände, unterbrochen von Baumfarren und Tjemorrobäumen (Casuarina Jung- huhiani Migq.). Es sind dies die gelblichen Grasfuren unterhalb Ungup-Ungup, die man von Banjuwangi aus sieht, und deren schon Leschenault 1805 erwähnt. Hier, oberhalb der Wolken- zone angekommen, hat auch der Regen aufgehört. Nirgends ist anstehendes Gestein zu sehen, und nur kurz vor Ungup-Ungup, wo ein tief eingeschnittener Bach übersetzt wird, findet man in demselben die bereits erwähnte Lava wieder anstehend.

Ungup-Ungup heisst der flache Sattelrücken zwischen Idjen und Ranteh, und dort auf der Höhe fanden wir eine halbverfallene Hütte, ursprünglich aus Reisern aufgebaut, die von den vom Patingi von Litjin ausgesandten Jägern benutzt worden war, indem sie einen bereits erlegten grossen Hirsch dort ausweideten. Wir nahmen Beschlag von dieser Hütte, indem Wir uns so gut wie möglich einrichteten. ‘Feuer werden angezündet und lagern sich die Kuli,

über die Kälte und Nässe jammernd, um dieselben. Als nun der Reis zu ihrem Abendessen

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ausgetheilt werden sollte, ergab sich, dass von den 6 Säcken & 15 Pfund jeder, die wir mit- genommen hatten, berechnet alg Nahrung für die Leute für 6 Tage ungefähr, 2 solcher Säcke verschwunden waren, weil die Leute, um sich die Mühe des Tragens im Regen zu ersparen, sie einfach in die Büsche geworfen hatten, trotzdem dass sie wussten, dass sie ihre eigenen Lebensmittel trugen; ein Beispiel der Faulheit und Gleichgültigkeit unter den Tropen. Die Leute zeigten sich übrigens so ermüdet, dass sie, trotzdem dass überall Feuer brannten, den ausgetheilten Reis nicht noch bereiteten, sondern es vorzogen, sich hungrig um die Feuer zum

Schlafen hinzulegen.

2, Der Widodarin mit seinem Kratersee,

Von Ungup-Ungup ersteigt man den thätigen Eruptionskegel des Idjen, den Widodarin mit seiner Kawah (Krater). Es dauerte lange, ehe wir des Morgens fortkamen, da bei der, für tropische Verhältnisse sehr fühlbaren Kälte, am Morgen die Kuli nur spät reisefertig waren, so dass wir erst kurz nach halb acht Uhr den Weg antreten konnten.

Das Thermometer zeigte 10,5 Grad Celsius, und wenn es auch nicht regnete, so hingen die Wolken doch tief herab und das hohe Gras, durch das unser Weg führte, war vollständig nass. Von dem Kegel des Vulkans sich herabziehend, sind in die lockeren Massen tiefe Rinnen eingeschnitten, so dass leistenartige Rippen entstehen, und auf einer solchen Rippe ritten wir so weit aufwärts, ‚als möglich, bis dorthin, wo es steiler zu werden beginnt, und wir, vom Pferde gestiegen, nun das Aufsteigen zu Fuss fortsetzen müssen; dort ist auch am Vulkankegel die obere Grenze der Casuarinen, welche um Ungup-Ungup überall gruppenweise in den Gras- fluren stehen ‚und ringsumher alle Höhen bedecken, dieses Ost-Java eigenthümlichen Baumes, der in seinem Habitus so sehr ‘an unsere nordischen Nadelhölzer erinnert, und der nur in den hohen Regionen von 5000 Fuss an vorkonmt und die Physionomie der Gegend bedingt; so auch ‚bier ‚bei Ungup-Ungup. Die Rippe verschmälert sick nach oben hin immer mehr, und

ist zuletzt nur mehr ein Paar Fuss breit, nach beiden Seiten steil, über 100 Fuss tief ab-

‚fallend. Anfänglich geht das Steigen noch leidlich gut, aber die letzte Höhe des Kegels, 400

Fuss ungefähr, ist schwierig zu erklimmen, da derselbe dort fast eine Böschung von 35 Grad macht. Obgleich die Vegetation nach und nach eine ärmlichere geworden ist, verschwindet

sie doch vollständig erst ganz in der nächsten Nähe des Kraterrandes, und bis dorthin finden

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wir noch Acazia vulcanica, Gahmia Javensis, Polypodium triquetrum, Thibaudia varingifolium, Polygonum-corymbosum, Pteris aurita, welche Pflanzen’ nach Zollinger die auf Java eigenthümliche Kratervegetation bilden. Die Aussengehänge des Widodarinkegels sind mit mächtigen Schichten von Sand, Lapilli und mehr oder weniger. verhärteter, Paras ähnlicher ‚Asche, bedeckt, meist hellgrau oder weiss von Farbe; nur selten sieht. man. rothe oder gelbe, ockerige, Erden, und scheint in seinen oberen Theilen der ganze Berg aus solchem. lockerem Materiale zu bestehen. In drei Viertel der Höhe allein finden sich grössere Blöcke einer braunschwarzen Augit-Andesit- Lava, von denen angenommen werden kann, dass. sie,einem, alten Lavastrom angehören. Im letzten Viertel des Kegels findet sich der Sand häufig durch Schwefel verkittet, und grössere, manchmal über kopfgrosse Brocken eines eigenthümlich. grünlichen, schlackigen Schwefels liegen neben andern Lavastücken umher, augenscheinlich durch neuere Eruptionen dahin gekommen. Weiter oben lassen sich deutlich schon Schwefeldämpfe verspüren. Hier hält uns nun unser Führer, ein alter Javane, an und redet in feierlichem Ton und mit gedämpfter Stimme uns zu, uns doch oben am Krater recht stille und vorsichtig zu benehmen, und ja nicht laut zu Sprechen oder gar zu rufen, um die Dewa des Kraters. nicht zu erzürnen und Unglück ab- zuwenden. Das Alles wurde mit so komischem Pathos 'vorgebracht, dass ich mich sogleich bereit erklärte, zum grossen Schrecken des alten Mannes, ‚den Geistern mich zu verschreiben, wenn sie uns heute nur gutes Wetter schicken wollten, ‚anstatt. der‘ dichten Regenwolken, die den Himmel bedeckten.. Es scheint das zu wirken, denn von der Zeit an beginnt in der That das Wetter sichtlich sich zu bessern.

Den Kraterrand betritt man plötzlich, ‘ohne zu ahnen, ihm schon so nahe zu sein, und das Bild, das sich dort darbietet, macht in seiner furchtbaren Schönheit einen überwältigenden Eindruck. Man befindet sich auf einem schmalen Grate, der aus Sand und verhärteter Asche besteht, und der sich ringsum in fast gleicher Höhe‘ um den Kraterschlund herumzieht, nur an einer, der westlichen Seite durch eine tiefe Einsenkung unterbrochen. ‘Die schroffen Wände fallen nach innen 500-600 Fuss ungemein steil, zum Theil fast senkrecht hinab und bilden nur an wenigen Punkten Böschungen von unter 60 ‚Grad; gegen Aussen dacht sich der Kegel flacher. ab, doch immer noch mit 30—40 ‘Grad Einfallen. Kahl‘ und vollständig vegetationsleer liegt der Krater da, und die vorherrschende Farbe des Gesteins der schroffen Wände ist weiss, oftmals das reinste, blendendste Weiss, das man.sich denken kann, hie und da übergehend in graue, gelbliche und röthliche Farben, alles in bandartigen Streifen horizontal übereinander geschichtet. Tief unten, nach den vom höchsten Punkt: gemachten Peilungen mit

einem Schmalkalder Compasse, an 600 Fuss tief, liegt ein ruhiger, stiller See, von eigenthümlich „Bd. IX. 10

Abhandl. d. Senckenb. naturf. Gesslisch

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grünlich-milchweisser Farbe, fast kreisrund und wohl an 1500 Fuss im Durchmesser haltend, auf dem grosse Massen von’ 'hellerer Farbe schwimmen, die durch das Fernrohr als Schwefel, ähnlich dem bereits erwähnten, ‘sich ausweisen. Die weissen schroffen Wände, so gänzlich ver- schieden von den dunkeln Färbungen anderer Vülkane, der geheimnissvolle See tief unten, rechts die hohe überragende Kuppe des Gunung’ Merapi, dunkelgrün und mit Casuarinen be- waldet, dann die weite Aussicht, einestheils südlich über den Raun und die anderen Kegelberge bis weit in die Südsee hinein, ändererseits nördlich über die Meerenge von Madura (Bali ist durch den Merapi gedeckt), gebenein in seinen Eindrücken überwältigendes Bild.

Anfänglich ist ‘man geneigt, den Kraterkessel für fast kreisrund zu halten, da die schroffen Wände überall direct den 'Kratersee zu umgeben scheinen. Verfolgt man jedoch den Kraterrand in nördlicher Richtung, so sieht man, dass derselbe eine elliptische Form hat, indem im Osten ‘die Wände nicht so steil "einfallend, flach geneigt, beckenförmig sich herabsenken; und dort "liegt unten 'am 'See ein kleines Vorland, von dem Dampfwolken aufsteigen. Dort unten befinden "sich die‘ Solfataren, und nennen die Jayanen den Platz Dapur oder Küche. ‘Um zu dieser 'Teufelsküche "zu gelangen, verfolgen wir den scharfen Kraterrand, wobei wir ein kleines ‘Gehölz, 'das'von der äussern Seite in den oberen Theil des Kraters hineingewachsen war, aus niederen Acazia vwuleanica bestehend, zu passiren haben, durch das wir uns, mit dem Hackmesser in’der'Hand, den Weg bahnen müssen Die letzte Eruption des Idjen: fand im Jahre ‘1817 'stätt, und als Zollinger 1845 zum ersten Male den Krater besuchte, war am Aussengehänge die Vegetation noch lange nicht so hoch hinaufgedrungen, und damals von dem kleinen Gehölze oben am Kraterrande keine Spur vorhanden. Unser Führer, der seit zwei Jahren den Kraterrand’nicht mehr betreten "hatte, behauptete, das Gehölz müsse innerhalb der letzten zwei Jahre aufgewachsen sein. ' Jenseits dieses Gehölzes, durch das wir mit Mühe dringen, fallen," wie bemerkt, die Wände nicht mehr so steil ab, sondern senken sich, von dichten Sand-,. Asche- und'Lapillischichten bedeckt, mit kaum 20 Grad Neigung hinab. Der weissliche Sand und'die- erhärtete gelbliche ‘Asche ist durch die Einwirkung der Erosion dort vielfach tief durehfurcht, und in solehen"sich herab ziehenden Furchen ist es möglich, den Solfataren sich‘ zu nähern;'von dort aus haben auch Leschenault 1805 und Zollinger 1845 mit ‘Erfolg ‘versucht, nach unten ‘zu kommen. Junghuhn, der 1844 den Krater besuchte,

‚kam gar nicht in diese Gegend, und scheint nur den auf den Profilen in Tafel VI mit e be-

zeichneten Punkt erreicht zw ‘haben, von wo'aus der Kraterkessel fast kreisrund erscheint; er kennt deshalb "diese "geneigte ‘Ebene, "die Fumarolen und alles das nicht, was die Javanen

Dapur nennen; daher auch seine vollständig ‚unrichtige Skizze des Kraters, wie. er sie in

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seinem grossen Werke giebt. Die beifolgenden Skizzen auf:Tafel-VI geben in Fig. 1, 2 und 8, wie ich den Krater fand; @ ist. der See, db die-östliche ‚beckenförmige‘ Einsenkung der Kraterumwallung, x der Punkt in der östlichen Einsenkung, ‚bis wohin.ich kam, bei c befinden sich die Solfataren, e ist der höchste Punkt‘ des: Kraterrandes auf, der Südseite, f der gleiche auf der Nordseite, g giebt das kleine Gehölz von Acasia, vuleanica, d. ist die steile Klippe Oberhalb des See’s, % die Einsattlung iin der, Kratermauer, wo ‘der See durch einen kaum 50 Fuss hohen Querdamm von der tief eingeschnittenen Spalte, in der der Sungi-pahit (saure Bach) fliesst, abgeschlossen ist; einen sichtbaren Abfluss hat der See nicht, und scheint das Wasser durch diesen lockeren Damm durchzusickern.

Zollinger blieb oben am Kraterrand, die nöthigen. Messungen ‘zu ‚machen, während wir andern versuchten, hinab zu den Solfataren 'zu gelangen, in. einer‘ der.tief ausgewaschenen Spalten, die bald mehr wie zehn Fuss tief 'eingeschnitten sich auswies, Anfänglich‘ bestand alles aus Sand, Lapilli und namentlich verhärteter. Asche, mehr‘ oder weniger mit Schwefel beschlagen und oft durch denselben verkittet. In diesen ‚'lockeren ‘Massen hatten die atmosphärischen Wasser kleine Kegelchen: gebildet, unter kleinen Steinen, die durch diese vor dem Abwaschen geschützt waren. Nach einiger Zeit: kommt im Grunde des Erosionseinschnittes anstehendes, festes Gestein zum Vorschein, ‚bald förmlicher Bimsstein, ‘bald schlackiges Lava- gestein, von weisslicher, gelblicher oder röthlicher ‘Farbe, 'weiter :nach ‘unten dann: übergehend in eine dichte, schwarze oder rothbraune, mehr oder weniger poröse Lava, in deren augitischer Grundmasse weisse triklinische Feldspathleisten liegen. Magnetitkörner fehlen nirgends, und ist das unzersetzte Gestein immer magnetisch. Die Grundmasse 'wird'.oft obsidianartig, und muss das Gestein zu den Doleritlaven gerechnet ‘werden. Ich ‚werde später des Näheren auf diese Laven zurückkommen, Aussen ist das Gestein mit ‚dünnem, «gelblichem Schwefelanflug über- zogen, und dringt der Schwefel auch in den Feldspath ein, beginnend, ibn von aussen her zu verdrängen, so dass man fast von einer in: Bildung begriffenen Metamorphose von Schwefel nach Feldspath sprechen könnte. Theilweise verkittet.Schwefel auch Gesteinsbrocken. Durch die Einwirkung der sauren Dämpfe sind die Lavagesteine 'angefressen und hie und da wie von einer sauren Flüssigkeit angefeuchtet. ‚Nachdem wir. mit Mühe längere Zeit in dem engen Erosionseinschnitte herabgeklettert waren, setzte zuletzt eine 50—60 Fuss hohe, ganz senkrecht abfallende Lavawand dem Weiterkommen ein Ziel. Die dampfenden Solfataren lagen grade unter uns, auf einem kleinen Vorlande am See, ‚Alle Mühe, ‚dorthin und zum.See selber zu gelangen,

war vergeblich, um so ärgerlicher, als grade die Untersuchung’der- Temperatur des Seewassers und

seiner chemischen Eigenschaften mir besonders wichtig. erschien. Als. Leschenault 1805 den

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Krater besuchte, muss’ das Herabkommen zu den Solfataren (die damals jedoch nicht genau an derselben Stelle gelegen zu haben scheinen) leichter gewesen sein, denn mit Hülfe von langen Leitern konnte er herab zu denselben kommen; auch Zollinger konnte später zu den Solfataren gelangen, die nach seiner positiven‘ Erklärung damals an anderer, leichter zugäng- licher Stelle sich befanden, “Leschenault jedoch, sowie Zollinger konnten ebenfalls beide nicht zum See hinabgelangen, doch konnte ein Javane für Leschenault mit einem Bambus Wasser aus dem See schöpfen, das Vauquelin später analysirte.

Vom Standpunkte aus, bis wohin wir gelangten, habe ich beifolgende Skizze des Kraters mit seinem See, wie sie Tafel V. giebt, entworfen. "Ringsum waren die dunkeln Lavagesteine mit einem dichten 'Schwefelanflug beschlagen und zum Theil angefressen. Der Geruch der Dämpfe, die uns’ zeitweise einhüllten, "nach Schwefelwasserstoffgas war sehr unbedeutend, da- gegen die schwefligsauren Dämpfe manchmal schr lästig. Die dampfenden Solfataren lagen unter uns, die entferntesten kaum 150 Fuss weit, und ‘schienen sie ungefähr 50 Fuss vom See sich zu befinden, auf einem kleinen Vorlande, das fast deltaartig in denselben auslief; es war hellgelb von Schwefel, der dort wie herabgeflossen aussah. Wenn der Wind den aufsteigenden Rauch wegtrieb, zählte ich acht Solfataren; die meisten hatten sich von Schwefel einen kleinen Schlot aufgebaut, wie die Figur 4, Tafel'VI, die nächste Solfatare' darstellend, zeigt, mit einem Durchmesser von kaum ein bis zwei Fuss.‘ ‘Die allernächste Solfatare hatte sich ihren Schlot aus heligelben Schwefel-Krystallen aufgebaut; im Inneren erschien er röthlich von Farbe (ob von Selenschwefel?). Nur eine der Solfataren war an fünf bis sieben Fuss im Durchmesser gross und ohne Aufbau, ein einfaches tiefes Loch im Boden, aus dem mit Vehemenz der Dampf hervorschoss. Leschenault 'spricht"von einem dumpfen Brausen, was wir jedoch nicht hörten, und ebenso fehlten die von 10 zu‘10 Sekunden eintretenden, intermittirenden kleinen Eruptionen, die derselbe an einer der Oeffnungen beobachtete; bei unserer Anwesenheit stieg der Rauch ganz ruhig und nicht einmal stossweise auf. Der grünlich-weisse See lag ganz ruhig da, und sah’ man nirgends ein Aufwallen; grosse Massen und Brocken eines grünlichen Schwefels schwammen auf ihm herum, jedenfalls ganz derselbe Schwefel, den wir schon früher oben an der Aussenseite des Kraterkegels und auf dem Kraterrande selbst fanden, wohin er nur durch Ausbrüche gekommen sein kann. Er unterscheidet sich schon durch die Farbe von dem andern gelben krystallinischen Schwefel der Solfataren.

Den besten Ueberblick über den Krater hat man nicht vom Standpunkte unten, oberhalb der Solfataren, sondern von dem Punkte d des Profils, am Rande einer senkrecht aus dem

See unmittelbar sich erhebenden 'Lavawand, wohin ich mich später begab. Die relative

Mächtigkeit der einzelnen Schichten und Stufen, aus denen die Kraterwäude bestehen, sieht man am besten aus den Profilen Fig. 1 und 2 auf Tafel VI., wo die einzelnen Bänder nach den Peilungen mit dem Schmalkalder Compass eingetragen sind. Die Kraterwände steigen, so namentlich links vom Beschauer, fast senkrecht aus dem See auf. Man kann deutlich 4 Stufen an den Kraterwänden unterscheiden, die horizontal rings umher in gleicher Höhe sich herum- ziehen. Unten, hart am See, ist ein steiler Abfall, an den kleine, von oben herab kommende Schuttkegel sich anlegen. Es ist dies eine aus fester Lava bestehende Stufe, deren Farben, vom obigen Standpunkte aus gesehen, von West nach Ost zu, folgende sind: roth, grau, gelb- lich, grau, weiss, weiss-grau. Darüber liegt eine ganz senkrecht abfallende Wand, ebenfalls aus anstehender Lava bestehend, deren Farben, in derselben Richtung wie oben, sind: röthlich, gelblich, graugelb, ‚weiss, gelb, buntröthlich, weiss, gelblich. Diese darüber liegende Schicht ist nicht so steil, und viele kleine Schuttkegel sind an ihr angelagert; darüber folgt dann wieder eine senkrechte Wand; hier ist alles weiss von Farbe und nur im Westen röthlich. Das sind bereits in Zersetzung vorgeschrittene Gesteine, sowie zusammengebackene Asche, Lapilli etc. Die obersten Theile der Kraterwände bestehen aus horizontalen Bändern und Schichten von weisser und grauer Farbe, die mit einander wechsellagern; es sind dies die jüngsten Eruptions- producte, Lapilli, Sand und Asche, die folgendermaassen übereinandergeschichtet liegen: zu unterst eine breite weisse Schicht, darüber eine breite graue, dann wieder eine breite weisse und eine breite graue, und zuletzt zu oberst 5 schmälere weisse Bänder, wechsellagernd mit grauen. Nur hie und da mischen sich obea in diese weissen und grauen Farben röthliche oder gelbliche Tinten.

Oben am Kraterrand wieder angekommen, wird noch eine ganze Suite der dort aufliegen- den Gesteine geschlagen, und zusammengehalten mit den bereits unten gemachten Beobachtungen, ergiebt sich daraus schliesslich Folgendes, bezüglich des Aufbaues der Kraterwände (die Besprechung der mineralogisch-petrographischen Einreihung der Gesteine behalte ich einem eigenen Kapitel vor):

Zu unterst liegen schwärzliche, selten rothbraune Lavabänke, aus einer dichten, an Magnet- eisen reichen doleritischen Lava bestehend, die nach oben poröse werden und zuletzt in voll- kommenen Bimsstein übergehen. Darüber lagern mächtige Schichten von Tuffen, Puzzolanen und vor allen von grauweissem Sande und graugelblicher, verhärteter, fast parasartig gewordener Asche, häufig von Schwefel nicht allein beschlagen, sondern zu compakten Massen verkittet. Die festen Lavagesteine sind an ihrer Oberfläche immer dicht mit Schwefelanflug beschlagen

und durch die Einwirkung der sauren Dämpfe mehr oder weniger angegriffen, bald zerfressen

löcherig an der Oberfläche geworden, bald, so namentlich au den oberen Theilen der Krater-

= :7 =

wände, in voller Zersetzung begriffen, und nicht selten so vollständig zersetzt, dass die ursprüng- liche dunkle Lava in Alunit und weissen Thonstein und Thon übergeht, und häufig die Gesteine dort ganz mürbe und weiss geworden sind und wie gebrannter Kalk aussehen, Gyps und Schwefelkieskryställchen kommen als secundäre Bildungen in denselben nicht selten vor; einzelne Stücke sind ganz davon durchzogen und namentlich die Schwefelkieskryställchen in der ganzen Masse eingesprengt; auch Alaunkryställchen kommen darin vor, Die Uebergänge der verschiedenen Zersetzungsstadien lassen sich, namentlich bei den oben am. Kraterrande aufliegenden, durch die Eruption herausgeschleuderter Blöcke, ausgezeichnet schön verfolgen, von dem blos mit Schwefel beschlagenem Lavagestein an bis zu dem vollständig zersetzten, blendend weissen Thone, der an der Zunge klebt und manchmal stenglich zerklüftet ist. Keines dieser zersetzten Gesteine ist schwefelfrei, sondern ein hellgelber krystallinischer Schwefel ver- kittet sie alle mehr oder weniger. Ueberall auf den Kraterwänden, wo sie nicht zu steil ab- fallen, so namentlich oben auf dem Kraterrande, liegen Auswürflinge der verschiedensten Art, selten wirkliche kleine Bomben, zumeist Brocken von bald unzersetztem, bald vollkommen zer- setztem Lavagesteine; selten sind sie grösser wie kopfgross, und dort finden sich ebenfalls nicht selten Brocken des bereits mehrfach erwähnten grünen Schwefels, von Nuss- bis Kopfgrösse, umherliegend.

Hier muss ich einen Irrthum Junghuhns berichtigen, der, wo er über den Idjen spricht, in seinem grossen Werke Band II. Seite 704 sagt: »Ich halte es für meine Pflicht, der Be- hauptung einer grossen Menge Schwefels entgegenzutreten; in keinem einzigen Krater von Java ist davon eine Spur zu finden; was man dafür ausgegeben hat, sind nichts als verwitterte, mehr oder weniger weiss gefärbte Felsen, die nur hie und da an einzelnen Stellen an dem Rande der Spalten und Fumarolen von einem dünnen Schwefelbeschlag überzogen sind.« Diese Be- hauptung ist, was den Idjen betrifft, vollständig unrichtig, wie schon das einfache Faktum be- weist, dass im vorigen, und selbst noch Anfangs dieses Jahrhunderts, die holländische Regierung zu wiederholten Malen grosse Massen Schwefels zur Pulverfabrikation aus dem Idjenkrater holen liess, wie denn auch einmal in einer einzigen Nacht 50 Saumpferde mit ihren Treibern die den gewonnenen Schwefel holen sollten, bei eintretendem dichtem Nebel und Sturm zu

Grunde gingen; sowie dass Leschenault in seinem Briefe an den General-Gouverneur Engelhard

denselben beschwört, den Javanen die so gefährliche Schwefelgewinnung aus dem Idjenkrater

zu erlassen. Es ist bei dieser früheren Schwefelausbeutung wohl immer nur der gelbe krystallinische Schwefel aus dem Krater gemeint; allein auch von dem erwähnten, grünlich

schlackigen, der in Brocken umherliest, könnte man noch immer mehrere Tonnen sammeln.

Es ist derselbe von schmutzig hellgrüner ins Gelbliche ziehender Farbe, seidenglänzend auf dem frischen Bruche, und die rundlich geflossenen, schlackenartigen, gewundenen Formen der Brocken nöthigen zu der Annahme, dass die Masse bei ihrer Bildung in halbflüssigem Zustande sish be- funden habe; er enthält viele kleine Partikel zersetzten Gesteins und vulkanischen Sandes eingeschlossen, wie hineingeknetet. Nirgends lässt sich das Vorhandensein von Krystallen oder auch nur eine krystallinische Structur erkennen. Er enthält zahlreiche nach einer Richtung hin gestreckte Blasenräume und riecht beim Reiben, namentlich aber beim Zerbrechen sehr nach Schwefelwasserstoffgas. Professor Wislicenus in Zürich hat den Schwefel analysirt, nachdem die fremden Theile sorgfältig entfernt waren. Speeifisches Gewicht 1,9180; in geschmolzenem Zustande jedoch, wobei die grösste Menge der feuerbeständigen Gemengtheile sich zu Boden setzte und durch Abgiessen des flüssigen Schwefels von diesem getrennt worden war, wurde die Dichte zu 2,0272 bestimmt, während diejenige der häufig in der Schwefelmasse eingekitteten

Aschenbrocken zu 2,0107 gefunden wurde. Der grüne Schwefel enthielt

91,78 Schwefel und 8,30 Asche bis 8,49 (nach Flückiger enthält er auch etwas Kohle)

100,08 und bestand letztere aus SO = 5307; Fe0 1,46 ARO>—= 0,93 Ca0O = 0,24 8,30

deren Zusammensetzung eine vulkanische Asche repräsentirt, aus der die auflöslichen Ver- bindungen, namentlich die Alkalien, sowie ein Theil der Thonerde und des Eisens ausgelaugt sind; es ist dies einleuchtend, wenn man bedenkt, dass die Bildungsstätte dieses seltsamen Schwefels im Kratersee zu suchen ist, Die Quantität des Schwefelwasserstoffs war so gering, dass sie nicht bestimmt werden konnte. Bei längerem Stehenlassen des Schwefelpulvers in offenen Gefässen verlor sich der Schwefelwasserstoffgeruch vollständig, und die Reagentien gaben dann auch keine Spur von demselben; es muss also die ganze Menge des im Schwefel enthaltenen Schwefelwasserstoffs von Anfang an in den Blasenräumen eingeschlossen gewesen sein.

Dass der gelbe Schwefel, aus dem die Solfataren sich aufbauten, der Einwirkung von

schwefliger Säure auf Schwefelwasserstoff zuzuschreiben ist, ganz wie Bunsen von Island nach-

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weist, scheint unzweifelhaft. Für den grünen Schwefel muss dagegen eine andere Entstehung angenommen werden; allen Verhältnissen nach muss derselbe sich in halb weichem, plastischem Zustande abgeschieden haben, da er die Gesteinsbrocken ganz so umschliesst, als wenn sie in einen weichen Teig hineingeknetet wären, und zwar, wie der Schwefelwasserstoffgehalt in den Poren beweist, entweder aus Schwefelwasserstoff selbst, oder unter gleichzeitiger Entwicklung dieses Gases. Die Plasticität mag dadurch entstanden sein, dass der Schwefel im Wasser sich bildete, wie ja auch der in Wasser gegossene flüssige Schwefel eine Zeit lang so plastisch bleibt, dass man ihn zum Abformen von Medaillen gebraucht. Undenkbar ist jedoch, dass diese Schwefelmassen aus der Umsetzung von Schwefelwasserstoff mit schwefliger Säure bei Tem- peraturen hervorgegangen seien, die eine Schmelzung derselben hervorbrächten; denn dann müssten die Blasenräume mit Schwefelkrystallen .ausgekleidet sein, was nicht der Fall ist. Dass eine gleichzeitige, noch unbekannte Mitwirkung heissen Wassers beim Zusammentreffen von schwefliger Säure und Schwefelwasserstoffgas die Abscheidung des Schwefels in weichem Zustande allenfalls hätte bedingen können, haben direkte Versuche, die Wislicenus anstellte, als unmöglich ergeben. So bleibt denn nur die Annahme der Abscheidung in einem der weichen Zustände übrig, und neigt Wisliceenus zu der Ansicht, dass der Schwefel aus unterschweflig- sauren Salzen, die im Kratersee aus den darin gelösten Persulfureten sich gebildet, durch freie Säure in demselben sich ausgeschieden habe, wobei der in weichem Zustande abgeschiedene Schwefel, bei gleichzeitiger Gasentwicklung, so blasig wurde, dass er auf dem Wasser schwimmt, Dafür spricht auch der Gehalt der Blasenräume an Schwefelwasserstoffgas, indem diese Gas- entwicklung bei der Abscheidung von weichem Schwefel nur bei Zersetzung von Persulfureten durch Säure stattfindet.*)

Bei dem heiteren Himmel des Nachmittags war der Blick gen Westen zum Raun und über das Hochland von Gending walu sehr instructiv, das ganze Hochland lag wie eine Land- karte ausgebreitet da. Es ist ein weites, welliges Hügelland, das zwischen der hohen Bergkette vom Idjen zum Raun und Sucket einerseits und dem niederen Gunung Kendang andererseits liegt, theilweise mit Casuarinen bewaldet oder mit Gras bewachsen, theilweise auch aus aus- gedehnten ebenen Flächen bestehend, die mit weissem Sande bedeckt sind. Mehrfache Bäche, von den verschiedenen Bergen kommend, durchfliessen dieses an Hirschen reiche Hochland, und vereinigen sie sich zuletzt in einen grossen Bach, der durch die enge Kendang-Spalte

*) Wislicenus, Mittheilungen aus dem Laboratorium in der Vierteljahrsschrift der Züricher Nat- Gesellschaft. Band VII, 1. 1862.

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nordwärts dem Meere zufliesst; einen der ‘bedeutendsten dieser Bäche‘ bildet der vom Idjen kommende, dem Kratersee entstammende Sungi pahit, d. h. der-saure Bach, den wir später noch näher kennen lernen werden.

Mehrfache mehr oder minder hohe Hügel befinden sich in dem centralen Hochlande; die nächsten, die man vom Kraterrande aus sieht, sind der Gunung Rengge (der auf Junghuhn’s Kraterskizze irrthümlich Widodarin heisst) und der Gunung Blau, die beide als Vorgebirge des Idjen in der Fortsetzung der Linie liegen, die vom Gunung Merapi zur Kawah Widodarin gezogen wird. Beide sind erloschene Eruptionskegel mit Kratereinsenkung auf dem Gipfel, heute beide begrünt und mit Casuarinen bewachsen. Weiter gegen Westen sieht man dann noch zwei andere, niedere Hügel, ebenfalls mit alten erloschenen Kratern auf dem Gipfel, denen sich dann noch einige ganz niedere kleine Kegelberge ganz im Westen vorlegen. Links davon sieht man in die eigentliche Hochebene hinein, die beiderseits von niederen Hügeln umgeben ist. ‘Sie ist nur zum Theil begrünt und mit Casuarinen bewachsen, und besteht zum Theile aus weissen vegetationsleeren Sandflächen. Die Javanen nennen das Kawah wurung, d. h. etwas, was ein Krater werden wollte, es aber nicht geworden ist.

Vor ‘dem Pendill liegen ebenfalls einige Hügel in einer Reihe, die sich als alte kleine Krater erkennen lassen; ähnlich wie vor Sucket und Raun. Die ganze Configuration des Hochlandes ist dadurch der Art, dass man sagen kann, es laufen von den einzelnen hohen Bergen der Vulkankette des Idjen-Raun, welche das Hochland auf drei Seiten umgeben, auf radial strahlenförmigen Linien in das Hochland hinein niedere Ausläufer, die selber früher kleine thätige Krater waren. Leschenault, sowie Junghuhn, haben beide Kraterskizzen von diesem Hochlande gegeben, die aber beide ungenau und zum Theil unrichtig sind; so weit es ohne genaue Vermessungen möglich ist, habe ich auf der Karte, Tafel I, die Verhältnisse eingetragen, wie wir sie sahen, wobei allerdings der kleine Maasstab verhindert, ins Detail einzugehen.

Wie sich der ganze Idjen, das heisst Gunung Merapi und Kawah Widodarin von Ungup-Ungup aus darstellt, giebt Figur 1 auf Tafel VII. Daraus ist deutlich ersichtlich, dass der Widodarin nur eine Vorstufe des Gunung Merapi ist. Dieser letztere Kegelberg selbst ist ein erloschener Vulkan, wie denn Zollinger selbst bei seinem früheren Besuche desselben schon constatirte, dass er auf seinem Gipfel eine deutliche Kratereinsenkung trägt.

Beifügen muss ich. noch schliesslich, dass bei ununterbrochenem Aufsteigen wir von Ungup-Ungup bis zum Kraterrande etwas weniger wie drei Stunden brauchten; das Herab- Steigen geschah in nicht ganz zwei Stunden. Unten angekommen fanden wir zu unsrer grossen

Freude, dass von Banju-wangi aus Dr. Mogk während des Nachmittags gekommen war; er Abhandl. d. Senckenb. naturf. Ges. Bd. IX, 11

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hatte anfänglich beabsichtigt, mit uns den ganzen Ausflug zu machen, war aber von Berufs- geschäften zurückgehalten worden. Er wollte nun doch wenigstens an unseren Streifereien

durchs Hochland und den Sungi-pahit herauf Theil nehmen.

3. Der Sungi-pahit oder saure Bach und das Hochland Gending-walu.

Der saure Bach, denn das bedeutet der Name Sun gi-pahit (Sungi, hochmalaiisch =

Bach, pahit = sauer) hat, wie wir gesehen, seinen Ursprung im Kratersee Widodarin.

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Ob er jedoch heute direct aus diesem fliesse, wie es zu Leschenault’s Zeiten der Fall gewesen zu sein scheint, schien mindestens zweifelhaft, da vielmehr uns vom Kraterrand aus es vorkam, als habe der Bach heute keinen directen Abfluss aus dem See, sondern die Wasser des Sees, durch den niederen Sanddamm durchsickernd, vereinigten sich erst unterhalb desselben zum Bache. Eine nähere Untersuchung desselben wurde somit vorgenommen in der Hoffnung, den Bach aufwärts verfolgend, bis zum Kratersee selbst gelangen zu können.

Schon Horsfield und namentlich Leschenault haben auf diesen Bach aufmerksam gemacht, der bald milchig trübe fliesse, wo sein Wasser unschädlich sei, bald klar und farblos, aber dann sei es sauer und der Gesundheit nachtheilig; ersteres sei vornehmlich in der trockenen, letzteres in der regnerischen Jahreszeit der Fall. Leschenault hatte dies dadurch erklärt, dass er mit einem anderen Bache, dem Sungi-puti (weisser Bach), der am Raun entspringend, viele suspendirte Thontheile enthalte und deshalb milchig sei, zusammenfliesse; in der trocke- nen Jahreszeit versiege nun der saure Bach im Sande, und dann bleibe nur das milchige Wasser des andern Baches übrig, der das Hochland durchfliessend, durch eine schmale Kluft im Gunung Kendang herab in die Ebene strömt, wo er beim Dorfe Assem bagus ins Meer sich ergiesst. ‘In der Regenzeit jedoch, wenn der saure Bach grösser sei, bilde sich aus seiner freien Säure und dem Thone des weissen Baches Alaun, der im Wasser gelöst bleibe, und wodurch dasselbe klar, aber schädlich zum Trinken werde. Dagegen hatte Junghuhn ein- gewandt, dies sei unmöglich, da während der Regenzeit die Säure des sauren Baches so ver-

dünnt sein müsse, dass sie zur Alaunbildung nieht mehr ausreichen könne; übrigens bestehe . das Bett des sauren Baches nicht aus Sand, sondern aus fester Lava, worin ein Versiegen un- möglich sei. Er meint daher, Leschenault habe die Angaben der Javanen falsch verstanden

und der Bach fliesse im Gegentheil in der trockenen Jahreszeit hell und sauer, in der Regen-

zeit milchig und nicht sauer. Weder Leschenault, noch Junghuhn haben den Bach aber anders

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als in der Hochebene gesehen, und keiner’ hat ihn aufwärts verfolgt, und giebt auch deshalb keiner genauen Aufschluss über seinen Abfluss aus dem See; ersterer nimmt an, dass er durch einen Einschnitt abfliesse, letzterer, dass er durch den niederen, aus lockeren Substanzen bestehenden Querdamm durchsickere.

Von Ungup-Ungup führt der Weg zum Bache und herab zur Hochebene Gending-walu zunächst durch mit Casuarinen-Gruppen unterbrochene Grasfluren, und an den Ruinen eines kleinen Häuschens vorbei, das von früheren Besuchern einstmals errichtet worden; namentlich

die javanischen Häuptlinge pflegen dort zu übernachten, wenn sie von Zeit zu Zeit herauf- kommen, um trotz des Muhamedanismus den Geistern im Krater zu opfern. Von dort aus geht es steil abwärts hinunter zur Hochebene und zum Bache, der dort aus den tief ein- geschnittenen Schluchten des Idjen in die Hochebene eintritt. Er bildet dort einen 36 Fuss hohen hübschen Wasserfall. Unterhalb desselben sammeln sich die Wasser zu einem ziemlich grossen Tümpel und füllten wir dort einige Flaschen mit‘ dem Wasser, das später von Professor Flückiger in Bern analysirt wurde. Seine Temperatur differirte nicht von der der Luft und hatte es einen sehr adstringirenden Alaungeschmack; die Javanen tranken es als, Arznei und tränkten auch die Pferde damit, die es aber nur widerwillig genossen. Bis hierher gehn die Javanen zu baden und zu opfern, und bis hierher kam auch Junghuhn, der dort eben- falls Wasser schöpfte, das Waitz in Samarang qualitativ untersuchte. Der Stelle liegt 5150 Fuss über dem Meere. Der Wasserfall ist dadurch gebildet, dass sich der Bach bogen- artig über das Ende eines Lavastroms herabstürzt. Zu unterst hat das Gestein eine schwarz- Sraue Farbe und geht nach oben in röthliches über; auch hier ist das Gestein zum Theil mit einem sehr dünnen Anflug von Schwefel beschlagen, so dass wohl bei Ausbrüchen die Schwefel- dämpfe bis hierher dringen müssen. Die, namentlich an der Oberfläche, in Zersetzung be- griffene Lava enthält in diehter Grundmasse kleine weisse Feldspathleistchen, die aber meist zersetzt sind; nur hier und da findet man einzelne Individuen, die deutlich als trikliner farben- wandelnder Feldspath, Zabradorit, zu erkennen sind. Einsprengungen von fast mikroskopischen Risenkiesktyställchen sind nicht selten, offenbar aus Magnetit entstanden.

Oberhalb des Wasserfalles fliesst der Bach in einer engen von ziemlich hohen Wänden begrenzten Schlucht. Auch hier finden wir den grünlichen Schwefel wieder, der, offenbar dem Kratersee entstammend, in Brocken umherliegt; und wo Tümpel sich befinden, ist der Sand häufig mit Schwefel verkittet. Auch die steilen Wände sind häufig mit dünnem Schwefelanflug

beschlagen. Bis zu einer Höhe von 20 und mehr Fuss über dem Bachbette finden sich unter

dünner Aschendecke in nicht unbedeutender Menge Alaunablagerungen, in zierlichen Kryställchen,

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als Federalaun, sowie Gyps in Träubchen und selbst in Krystallen, so dass zeitenweise der bei unserm Besuche sehr kleine Bach eine bedeutende Höhe erreichen muss.

Von nun an wird das Aufwärtsdringen ziemlich schwierig, indem die senkrecht abfallen- den Köpfe der einzelnen Lavaströme, über welche der Bach immer in kleinen Cascaden: herab- fällt, kleine Thalstufen oder. Terrassen von 15 bis 20 Fuss Höhe bilden, die oft nur mit Hilfe von zu. Leitern zusammengebundenen : Baumstämmen erstiegen werden können. Zu unterst findet sich ein Strom einer - compacten, schwarzen, dichten. Lava, mit vielen langgezogenen Poren; in der dunkelen Grundmasse liegen mehr oder weniger verwitterte Leistchen von triklinem Feldspath, sowie Magnetitkörnchen. Es ist, dies dieselbe von unterhalb des Wasser- falls bereits erwähnte doleritisch -basaltische Lava. Darüber folgen nun Tuffe, röthlich - grau oder gelb von Farbe und ziemlich fest, in denen viele kleine scharfkantige Lavabrocken ein- gebettet liegen, so dass das Gestein manchmal breceienartig wird. Die nächste Thalstufe, über der eigentlichen Lava, besteht aus solchen Tuffen, oder eigentlich aus drei Tuffbänken, von denen die unterste ein fester dichter rother Tuff ist, mit vielen kleinen helleren Lapilli und Feldspathkörnern, welch’ letztere in Zersetzung begriffen und gelb angelaufen sind. Die mittlere Bank besteht ganz aus scharfkantigen Lavastückchen und Lapilli, die zu einem harten: gelb- röthlichen Tuffe zusammengebacken sind. Zu oberst liegt ein gelber fester Tuff. Achnliche Thalstufen wiederholen sich von Zeit zu Zeit, bis nach ein Paar Stunden Steigens die Schlucht sich etwas ausbreitet und an 30 Schritte breit wird, zwischen schroffen steilen, an 120 Fuss hohen, fast senkrechten Wänden. Im Hintergrunde ist hier die Schlucht durch eine 70 Fuss hohe senkrechte Thalstufe geschlossen, über die der Bach ‚in zwei schöne Cascaden herab- fällt. Auch diese Wand besteht aus. drei Tuffströmen, einem rothen unten, einem grauen schiefrigen in der Mitte‘ und. einem gelblichen, der viele ‘grosse Blöcke einschliesst, oben; letztere Schicht, an 30 Fuss mächtig, könnte man fast eine Trümmerschicht nennen. Mit ausserordentlicher Mühe gelingt es endlich über diese Wände herauf zu kommen, während Zollinger ganz erschöpft unten bleibt. Oben angelangt, finden wir zu unserem Erstaunen plötzlich in dem dichten, ‚alles bedeckenden Gestrüppe einen gebahnten breiten Weg, den die Javanen als von den zahlreichen Hirschheerden herrührend bezeichneten. Es hört jedoch dieser Weg bald auf, und wird nun das Bachbett so steil ansteigend und so enge, dass in

demselben das Aufwärtssteigen unmöglich ist, so dass wir, um weiter zu kommen, bis zu einer

“an 60 Fuss über dem Bachbette seitlich sich hinziehenden schmalen Vorterrasse hinaufklettern

müssen, wo ebenfalls wieder Brocken des grünen Schwefels umherliegen. Es muss also zeit-

weise, somit wohl bei Ausbrüchen des Vulkans, der Bach bis zu dieser Höhe steigen. Das

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dichte Gebüsch einerseits, die schroffen Felsen andrerseits machen das Weiteraufsteigen um so schwieriger, als wir vollkommen erschöpft sind, und alle Erfrischungen, wie auch das Trink- wasser, unten bei Zollinger geblieben waren. Es ist schon längst Mittag vorbei und ruhen wir auf einem Lagerplatz der Hirsche aus, dabei dem Javanen, der uns wenigstens Wasser heraufholen wollte, ein Trinkgeld von zwei Gulden bietend. Diese Leute sind aber noch er-

schöpfter als wir, und so sehr, dass sie selbst durch diese, ‚nach ihren ‚Begriffen ‘hohe Summe

sich nieht dazu bewegen lassen. Wir ruhen ‚dann eine Stunde ungefähr und da wir vom

Kraterrande, der deutlich vor uns daliegt, nicht sehr entfernt sein können, versuchen wir | dorthin vorzudringen. Erst müssen wir jedoch in eine tiefe Schlucht: hinab, und dort, im fast

wasserleeren Bachbette, findet sich anstehend eine ähnliche, schwarze, dichte, mit langgezogenen

Poren versehene. basaltisch-doleritische Lava, ein Gemenge von deutlich erkennbarem triklinem Feldspath, Augit, Magnetit und spärlichem Olivin, in dunkelfarbiger Grundmasse. Auch ein vereinzelter sehr interessanter Block fand. sich dort, aus sehr. dichtem, feinkörnigem, wie ge- \ frittet aussehendem, hellgrauem, fast trachytisch erscheinendem Gestein bestehend, das so steng- lich zerklüftet, ist, dass man. es als von einem Hochofengestelle herrührend ansehen könnte; es ist. ganz durchwachsen mit gelblichen Gypsblättchen. | ‚An der andern Seite der Kluft müssen wir wieder ‚hinauf, und oben angekommen, brechen wir uns mit dem Hackmesser in der Hand den Weg, ein mühsames und langsames Vorrücken, | dem zuletzt eine tiefe, senkrecht abfallende Kluft ein Eude macht. Es scheint sich somit eine ganze Reihe tief eingeschnittener Klüfte dort zu befinden, und zum Krater zu kommen, ist nicht mehr | möglich, um. so mehr, als es schon drei Uhr ‚vorbei: ist, und die Nacht in jenen Gegenden bereits um sechs Uhr eintritt, während, wir, schwerlich in drei Stunden nach Ungup-Ungup j zurückkehren können. So wurde denn. die Rückkehr angetreten, und zwar mit, dem Compass in der Hand quer durch die Waldungen hin; mit sinkender Nacht kamen wir auch an, wo Zollinger, der schon früher zurückgekehrt war, etwas in Sorge um uns war.

Ist es uns gleichwohl nicht gelungen, auf diesem Wege bis zum Kratersee vorzudringen, | so haben wir doch den Sungi-pahit genauer kennen gelernt. Im obersten Theile des Gebirgs kann nicht eine der vielen tief eingeschnittenen Klüfte als das eigentliche Bachbett betrachtet “4 werden, sondern in einer ganzen Reihe unter sieh paralleler Klüfte fliessen in dünnen Wasser- fäden die Wasser des Kratersees ab, die, wie es scheint, durch das lockere Material des Quer- dammes durchsickern und erst weiter unten zu dem eigentlichen Sungi-pahit sich vereinigen. ı Eine genaue Betrachtung des Hochlandes von Gending-walu ergiebt ferner, dass der Sungi-pahit

sich nicht allein mit dem Sungi-puti vereinigt, sondern eine ganze Reihe kleiner von

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den Bergen kommender Bäche in ihn fliesst, die dann alle zusammen sich vereinigen, und durch die Kendang-Spalte fliessend, bei Assembagus ins Meer sich ergiessen. In der trockenen Jahreszeit ist die Hochebene, mit Ausnahme des sauren Baches, fast wasserlos, die andern Bäche versiegen auch so ziemlich, und die Jäger, die oben auf Hirsche jagen, schöpfen ihr Trinkwasser aus Cisternen. Der Name Sungi-puti (weisser Bach) scheint dabei keineswegs dem vom Raun kommenden Bache allein anzugehören, sondern die vereinigten Bäche zusammen ebenfalls diesen Namen zu führen. Zu Assembagus wenigstens heisst der durch die Kendang- Spalte fliessende Bach bald Sungi-pahit, bald Sungi-puti, je nach seinen temporären Eigen- schaften. Seit Jahren hat er alle sauren Eigenschaften verloren und wird zum Bewässern der Reisfelder benutzt. Das wenige saure Wasser, das vom Kratersee durchsickert, muss bei dem Zusammenfliessen mit den übrigen Bächen des Hochlandes vollständig verschwinden, und nur dann, wenn der Kratersee so hoch steigt, dass er sich über den niederen Querdamm ergiesst, oder diesen durchbrechend, seine Fluthen herabwälzt, ein Ereigniss, dass keine Regen bewirken können und das immer in die Zeit einer Eruption oder kurz nachher fallen wird, erhalten die sauren Wasser die Ueberhand und strömen, alle Vegetation vernichtend, auch durch die Kendang-Spalte dem Meere zu. Dass temporär wirklich die Wasser so hoch gestanden’ sind, beweisen die in bedeutender Höhe über dem Bachbett gefundenen Schwefelbrocken. Dabei mögen sich die ausbrechenden Wasser auch in anderer Richtung ergiessen und dazu beitragen, die Schlammströme zu bilden, die dann zu Paraslagern werden,

Das von Junghuhn am Wasserfall geschöpfte und in ‚Java analysirte Wasser enthielt keine freie Säuren, sondern Sulfate und Chlorüre von Eisen, Aluminium, Calcium, Magnesia, Kalium, Natrium, etwas Phosphorsäure, Kieselsäure und Harz (?).

Das Resultat der Analyse von Flückiger ist folgendes: ')

Specifisches Gewicht bei 10° Cels. 1,0113; Rückstand beim Verdampfen: 1,596 °o. Ein

direeter Versuch ergab, dass keine freie Schwefelsäure vorhanden war und gaben 100 Gramm Masse:

850% = 0,406 Gramm, Chinkbz=r104I.85 Si0? 0,006 K20.= 0/0081

Na?OHE0,033uR>

1,495 Gramme

') Berner Mittheilungen 1862.

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Transport 1,495 Gramme Ca = 0,052 » M&e0 7. 0,027. .,5 ALO3 0,150. » Ee20% 0,120. > ekarenne und

daraus berechnet als wahrscheinlich im Wasser enthaltene Verbindungen für 100 Theile:

Natronalaun ah) Kalialaun FT LNOHR Schwefelsaure Thonerde 0,110 Schwefelsaurer Kalk 0126 Schwefelsaure Magnesia 0,081 Chloraluminium N Eisenchlorid SR Kieselsäure 1008

1,010 feste Bestandtheile und Freie Salzsäure —e a! Rechnet man zu den 1,010 feste Bestandtheile noch das hinzu gehörige Krystallwasser, so

erhält man als Rückstand beim Eindampfen 1,537, was mit den früheren directen Versuchen stimmt.

Vaugquelin, der das von Leschenault mitgebrachte Wasser des Kratersees untersuchte, leider jedoch nur qualitativ, hatte darin viele freie Schwefelsäure, freie schweflige Säure, sowie Salzsäure, neben Sulfaten von Aluminium, Calcium, Kalium und Eisen (Alaun, Gyps, Eisen- vitriol), sowie etwas suspendirten Schwefel gefunden und das speeifische Gewicht zu 1,118, Angenommen, dass trotz des dazwischen liegenden Zeitraums von mehr wie 50 Jahren, . die Verhältnisse des Wassers vom Kratersee und die des Sungi-pahit dieselben geblieben sind, so ist ein bedeutender Unterschied zwischen diesen beiden Wassern vorhanden. Im Wasser des Sungi-pahit ist namentlich die freie Schwefelsäure und schweflige Säure verschwunden, die im Kratersee noch vorhanden ist; dies ist leicht erklärlich durch das Durchsickern des Wassers vom Kratersee und den langen Lauf des Sungi-pahit, wodurch diese beiden Säuren an Basen gebunden worden sind, wie die Alaun-Anhäufungen und die Vorkommnisse von Gyps beweisen, Von grossem Interesse aber ist die immer noch so bedeutende Quantität Salzsäure im Bache,

Woher nun dieser grosse Salzsäuregehalt? Es liegt hier nahe, an die Mitwirkung des,

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Meerwassers zu denken, wenn andrerseits auch feststeht, dass der Kratersee nur den atmosphärischen Wassern seine Entstehung verdankt.

Unbemerkt kann ich nicht lässen, dass uns Allen das Wasser bei dem ersten Wasserfall saurer und herber zu schmecken schien, als weiter bergaufwärts. Es hat dies wohl seinen Grund darin, wenn es nicht auf einer Täuschung der Zunge beruht, dass sich dort ein kleines natürliches Reservoir gebildet hatte, in dem das Wasser verdunsten konnte; andrerseits wäre es aber auch möglich, dass bei höherem Wasserstande ein Theil des an den Bachrändern gesetzten Alauns sich zeitweise wieder löse.

Die späteren Streifereien im. Hochlande Gending-walu bestätigten das schon früher Gesagte. Es ist eine undulirende, von Bergen ringsum cireusartig umgebene Hochebene, von grosser Ausdehnung und elliptischer Form, deren grösster Durchmesser von WNW. nach OSO. gut 11 Pal, der kleinere von SW, nach NO, 4 Pal. beträgt. Der Raun steht etwas südlich seitwärts vom eigentlichen Vulkanringe, dessen Hauptberge sind: der Kukusan, Idjen, Ranteh, Pendill, Sucket, sammt dem Rücken des Gunung Kendang. Sämmtliche Wasser des Hochlandes, mit Ausnahme eines Theils der vom Ranteh kommenden, fliessen durch die Kendang-Spalte ab, einen schmalen Einschnitt in Rücken des Gunung Kendang, und ist dort, wo dies der Fall ist, die Innenseite des Gunung Kendang steil, dem Hochlande zu abfallend. Eine genaue Untersuchung des Kendang-Rückens konnte leider nicht mehr vorgenommen werden, ‚hauptsächlich aus dem Grunde, weil die Lebensmittel für die Kuli auszugehen begannen, so dass an den Rückweg gedacht werden musste. Diese Untersuchung, sowie die des Pendill mögen spätere Reisende nicht versäumen. Eine bei der Ueberfahrt nach Madura auf dem Meere später von mir gezeichnete Ansicht auf Idjen und Raun lässt deutlich diese Kendang- Spalte, in welcher der Sungi-pahit abfliesst, erkennen. Diese Ansicht findet sich auf Tafel VII. Fig. 2. Der Ranteh selbst soll nach Zollinger keine sichtbare Kratereinsenkung tragen, während beim Merapi dies sehr deutlich der Fall ist. Der Gunung Raun kann vom Hochlande aus nicht bestiegen werden, da eine tiefe Schlucht ihn davon trennt. Man muss ihn, wie Junghuhn es gethan, von der Westseite aus besteigen.

Von Interesse möchten einige in Ungup-Ungup gemachte Thermometerbeobachtungen sein, die ich hier anfüge:

Am 21. October Abends bei Sonnenuntergang 12° Oels.

» 22, » Morgens nach 6 Uhr 105°, Abends 12° Gels. ER ARE. > » 6 » 10°, Nachm. 3.Uhr 17°, Abends 12° Gels. 24; » » Sana 3 Cels,

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4, Bekannte Ausbrüche des Idjen und Veränderungen desselben.

Den Europäern wurde der Idjen erst am Ende des vorigen Jahrhunderts bekannt. Auf den Karten Java’s von Raffles und Horsfield finden wir ihn zuerst bezeichnet und zwar seltsamer Weise mit dem Namen Tashem; auf des Letzteren Karte ist ein Ausbruch vom Jahre 1796 angemerkt. Dass den Europäern so spät erst Kunde von dem grossen Vulkan- system geworden, kann nicht befremden, da der ganze Osten Java’s so lange terra incognita blieb; dass jedoch selbst die Javanen keines früheren Ausbruchs sich erinnern, als des von 1796, ist nur durch die Indolenz des eingeborenen Javanen erklärlich, dessen Gedächtniss nur das Zunächststehende festhält; übrigens mögen sehr verheerende Ausbrüche des Idjen nur sehr selten vorgekommen sein. Junghuhn, in seinem Werke über Java, hat Alles zusammen- gestellt, was ihm von Ausbrüchen des Idjen bekannt war; ausführlicher hat der Assistent- Resident Bosch in der Tijdschrift voor Tael, Land en Volkenkunde 1858, Deel VII, berichtet. Indem ich das Wichtigste aus beiden Zusammenstellungen, namentlich aus der letzteren, hervor- hebe, füge ich noch einiges Wenige bei, das ich selbst erkunden konnte.

Dass aus dem Idjen bedeutende Schwefelmassen für die Regierung geholt worden sind, ist schon früher erwähnt; namentlich in den Jahren 1786, 1787 und 1788 scheint dies in bedeutendem Maasse der Fall gewesen zu sein und zwar vom Kraterrande selbst, am NO.-Ende, wohin man mit Leitern gelangte, zu einer kleinen Fläche, die im Niveau des Sees lag. Auf dieser Fläche waren zwei Punkte, aus denen steter Rauch und manchmal Flammen (?) auf- stiegen. Die ersten europäischen Besuche des Idjen sind jedoch erst aus dem Jahre 1789 zu verzeichnen und hat darüber ein »Altgast« berichtet, wie er sich selber nennt, nach mündlichen Mittheilungen von Dr. Epp, wohl der spätere Resident von Banyermassin, De Waal. Zu dieser Zeit war Commandant von Banjuwangi Clemens de Harris, und machte derselbe 1789 dem Vulkan einen Besuch in Gesellschaft des »Altgastes«, des Regenten Wico-Guno, zehn inländischen Jägern und mehreren hundert begleitenden Javanen. Zuerst veranlasst wurde der Besuch durch die grosse Sterblichkeit in der Garnison von Banjuwangi, die man den Schwefeldämpfen zuschrieb, womit die frische Luft erfüllt war, so »dass das grüne Gras des Morgens gelb war, und das aus den Bächen geschöpfte Wasser eine Menge Schwefel enthielt«. Der Commandant wollte sich an Ort und Stelle überzeugen, woher die Schwefeldämpfe denn eigentlich kämen.

Ich gehe etwas näher auf den, bis jetzt wohl ungedruckten Bericht ein, der gar manches

Interessante enthält. Die Gesellschaft reiste früh Morgens von Suckaradja ab, und führte sie Abhandl. d. Senckenb. naturf, Ges. Bd. IX. 12

ey

ihr Weg anfänglich durch neu angelegte Kaffeegärten, später. in dichtem Wald, wo sie zu ihrem grossen Erstaunen in der für ganz unbewohnt gehaltenen Landschaft plötzlich ein Dorf, von Reisfeldern umgeben, antrafen, dessen Bewohner Heiden, keine Muhamedaner, waren, die Malaiisch gar nicht, und das in Banjuwangi übliche Javanisch nur sehr nothdürftig kannten. Wohl mit Recht hielt man sie für Reste der in die Wälder versprengten Bevölkerung, nach dem Falle von Blambangan. Der weitere Weg führte dann wieder in dichten Wald, in dem sie zwei Tage lang, zuletzt fast muthlos geworden, umherirrten. Am dritten Tage wurde der Wald lichter und kamen sie dann bald in eine hügelige weite Ebene, in der eine Unmasse Hirsche sich umhertrieben. Sie waren nun am Fusse des eigentlichen Idjengipfels angekommen und errichteten in der Ebene von Bambu eine Hütte, zum temporären Wohnort; es war dort oben ausserordentlich kalt, so dass in der Nacht das in einem Tümpel befindliche Wasser einen Dukaton (eine Silbermünze = 3 fl. 15) dick gefroren war. Nicht allein gegen die Kälte, sondern auch gegen die umherstreifenden Tiger wurden viele Feuer angezündet. Dieser Lager- platz ist zweifelsohne Ungup-Ungup. Von dort aus wurde dann der Krater bestiegen, dessen tand bei steilem Aufsteigen über Lavafelsen und Asche, in der sie oft bis zu den Knieen einsanken, endlich erreicht wurde. Nun heisst es wörtlich im Bericht: »Wir befanden uns am Rande eines schauderhaften und unabsehbaren Abgrundes, so wie man die Hölle $childern könnte. Der Kvater ‘brannte an verschiedenen Stellen, wo wir das Leuchten des Feuers und auch die Schwefeldämpfe deutlich sehen konnten. Inmitten desselben war ein See von grünem und gelbem Wasser, das sich an der andern Seite des Kraters mit einem erstaunlichen Getöse aus einer Oeffnung ergoss und über grosse und schwere Felsen herabfloss. Von der andern Seite des Berges hörte man ein angenehmes Geräusch, das einem Gesange glich, und ver- ursacht wurde durch das Spielen des Windes in den kleinen Blättern der hier ausserordentlich hohen und alten Cederbäume (Casuarinen?), welche die Javanen singende Bäume nennen. Nachdem wir von unserem Erstaunen uns erholt hatten, krochen die Javanen nach unten in den Krater. Ich auch, mehr getrieben durch Neugierde, als geleitet durch Ueberlegung folgte,« und hier wäre der Schreiber fast verunglückt, da die Steine unter seinen Füssen sich lösten; worauf der Commandant und der Regent, seine Gefahr sehend, beschlossen, zurückzukehren

ohne weitere Untersuchungen vorzunehmen. »Die Javanen, die unterdessen im Krater an-

‚gekommen waren, erschienen von oben nicht ‚grösser wie Krähen, wonach ‚man über die Tiefe

urtheilen kann, sie wurden durch einen Schuss zurückgerufen; der Schuss wiederhallte ringsum,

so dass es mehr einem Musketenfeuer ‚als einem Echo glich.« Darauf kehrten sie zurück und

wurden des Abends in ihrem Lagerort ‚durch einen Tiger erschreckt; sie wurden auch vielfach

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im Schlafe gestört durch das Krähen der Waldhühner und das Gekreisch der wilden Pfauen, »womit der Wald ebenso erfüllt war, als mit schönen Vögeln und einer grossen, sehr schmack- haften Taube.« Der Verfasser lobt nun die Fruchtbarkeit und angenehme Kühle dieses unter den Tropen gelegenen Hochlandes. Des andern Tages wurden Leute ausgesandt, um für eine zweite Besteigung alles vorzubereiten und namentlich im Krater wo möglich Stufen zum Herab- steigen einhauen zu lassen. »Nach einigen Tagen kamen sie zurück mit der frohen Botschaft, dass der Krater an der andern Seite des Berges viel leichter zu besteigen und auch nicht so hoch sei, als dort, wo wir ihn zum erstenmale bestiegen hatten, und dass sie an einem der dort stehenden Cedernbäume wilden Rotang befestigt und aneinander gebunden hätten, so dass man sich an demselben in den Krater niederlassen könne. Wir gingen sogleich auf den Weg und weil die Rotange bis zum Kraterboden reichten, kam ich ohne Gefahr mit einer Anzahl Javanen hinab. Vorsichtig näherte ich mich dem See, nachdem ich erst den Boden, worauf ich treten wollte, untersucht hatte, aus Furcht, wenn er aus Schwefel bestände, einzusinken, und da er anfing weich zu werden, und ein Javane vor mir, wirklich mit dem Fusse einsank, kehrte ich gleich um; jedoch schoss ich mein Gewehr in den See ab, konnte aber die Kugel Dicht schen, weshalb ich schloss, dass er sehr tief sein müsse. Da wo der Berg brannte, sah man deutlich den Schwefel aufsteigen; ein Theil davon, durch die obere Luft zusammengedrückt, fiel wiederum in den See und auf den Grund, die sogenannte Schwefelblume. Nun begab ich mich zur Stelle, wo der See durch eine Oeffnung sich ergiesst. Diese war breit genug, so ass ich dem Strome nach der Aussenseite des Berges folgen konnte. Das Getöse hiervon, Sowie das von einem andern Wasserfall, von einem andern Berge, Ranu, verursacht, war ent- Setzlich. Der Strom verlor sich in einer unterirdischen Höhle, doch kam er an einer andern Stelle wieder zum Vorschein; in diese Höhle zu kommen, war unmöglich, weil der Eingang zu schmal md durch den Strom erfüllt war. Der Lauf des Wassers war ausserordentlich schnell un‘ deshalb gefährlich. An die Höhle, in der der Strom sich verlor, grenzte eine andere, oder ein unterirdisches Gewölbe, in das ich mich, auf Händen und Füssen kriechend, begab. Von tler Decke (dieses Gewölbes tröpfelte eine Feuchtigkeit, die zusammenziehend war und nach ‘Alaun schmeckte; sie erhärtete sich schnell zu tropfsteinartigen Gestalten, wie in der Baumannshöhle. Ich konnte mich nicht satt schen an dem Anblick.« Ts wurde noch eine grosse Jagd abgehalten, ehe man die Rückreise hinab antrat, bei der zwei Tiger, zwei Banteng (wilde Stiere) und an 900 Hirsche in den eigens dazu erbauten Kraal getrieben wurden.

Im Jahre 1790 begab sich der gleiche Berichterstatter wieder auf den Idjen, begleitet

vom Sergeant Mohrmann, zehn Jägern und 50 inländischen Begleitern und erzählt er davon:

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»Ich begab mich damals auf den Gipfel des Ranu, wo man eine bezaubernde Aussicht auf die Balistrasse hat. Nachdem ich das unterirdische Gewölbe besichtigt hatte, entsprach ich dem Verlangen des Commandanten und folgte dem Strom des Baches, der aus dem See fliesst. Ich kam in einen Wald, viel wüster als der oben beschriebene; der Weg war auch viel schlimmer und zuweilen so steil, dass wir uns an Zweigen und Rotangs niederlassen mussten. Keinen Vogel oder anderes lebende Geschöpf haben wir darin angetroffen. Nachdem wir vier Tage in diesem abscheulichen Walde zugebracht hatten, kamen wir zu Kali-Tikus an, wo sich der Ausfluss des Sees mit dem Kali-Tikus vereinigt, wodurch das Wasser zuweilen so grün wie Gras und zuweilen so weiss wie Milch wird, doch in beiden Fällen sehr schädlich für die Thiere ist. Denselben Weg wieder nach dem Schwefelberge zu machen, war unthunlich, theils wegen den steilen Stellen, theils wegen eintretendem Mangel an Lebensmitteln. Wir begaben uns daher längs des gewöhnlichen Wegs zu Fuss von Kali-Tikus nach Banjuwangi, waren jedoch genöthigt einen ganzen Tag von Wurzeln und Kräutern zu leben, die die Javanen auf- suchten und zubereiteten.«

Lassen wir bei diesem Berichte einige lächerliche Ueberschwänglichkeiten unberücksichtigt, so zeigt sich derselbe im ganzen als wahrheitsgetreu. Von Interesse ist vor allem, dass damals der Kratersee in ein unterirdisches Gewölbe abfloss. Damals war der Berg auch fast bis obenhin bewaldet, wie die Angaben bezüglich der Cedernbäume (Casuarinen) beweisen. Die zahlreichen Hirschheerden sind noch heute oben im Hochland zu finden, doch dass Tiger sich dort umhertreiben, davon konnte ich bei meiner Anwesenheit nichts erfahren, Der Ranu ist jedenfalls einer der dem Widodarin zunächst liegenden Kegelberge.

Im Jahre 1796 fand, wie bereits bemerkt, ein Ausbruch des Idjen statt. Näheres aber über denselben konnte ich nicht erfahren, ‘es muss derselbe somit ein sehr unbedeutender gewesen sein. Wahrscheinlich hat er doch einige Veränderung hervorgebracht, wie denn Leschenault 1805 das unterirdische Gewölbe nicht mehr bemerken konnte, durch das früher der Kratersee abfloss. 6

Im September 1805 wurde der Idjen von dem berühmten Reisenden Leschenault de la Tour besucht, dessen genauer Bericht sich im »Mus. d’histoire naturelle,« tom. XVIIT

findet. Durch ihn wurde zuerst der Vulkan mit seinem Kratersee bekannt und da der Bericht

‚vielfach abgedruckt ist, so kann ich einfach auf ihn verweisen, dabei bemerkend, dass man

sich an der Französisirung der javanischen Ortsnamen nieht stossen darf, Aus diesem Berichte

ersieht man, dass, obgleich noch vielfach alles von dichten Waldungen bedeckt, die Cultur

doch bereits weiter vorgedrungen war, als zu Harris Zeiten. Litjin war damals ein neu

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angelegtes Dorf mitten im Walde, Der Idjen war bis zu seinem Kratergipfel mit dichtem Waldwuchse versehen, ja selbst an den inneren Kraterwänden z0g sich Gebüsch hinab, ein weiterer Beweis, wie unbedeutend der Ausbruch von 1796 gewesen sein muss. Die Configuration des Kraters wie sie Leschenault beschreibt und in einer Skizze abbildet, war damals im Srossen Ganzen ganz dieselbe wie heute, ein ovaler Kraterkessel, dessen oberen grössten Durch- messer am Rande er zu 3000, den unteren am Kraterboden zu 1500 Fuss schätzte. Der Kraterboden an seiner SW.-Seite, erfüllt von einem von steilen Wänden umgebenen See, während an der NO.-Seite ein muldenförmiger flacher Abfall erlaubte, mit Hülfe langer Leitern, hinunter, zu den Solfataren zu gelangen, wo sich vier grosse Oeffnungen befanden, eine an 7 Fuss im Durchmesser, aus der Dampf mit Brausen emporwirbelte; aus einer dieser Oeffnungen wurden in Zwischenpausen von 10 Sekunden faustgrosse geschmolzene Stoffe herausgeworfen und 8 bis 10 Fuss weit geschleudert. Die mitgekommenen Javanen sagten, dass wenige Jahre früher die Solfataren weiter westwärts gelegen seien, wo sich auch noch tiefe Löcher vor- fanden. Der See floss damals durch eine Spalte ab, den sauren Bach bildend. Es ist merk- würdig, dass trotzdem, dass zwischen Leschenault’s und unserem Besuche 53 Jahre liegen, die Sanze Configuration des Kraters dieselbe geblieben war, und er nur ganz unbedeutende Ver- änderungen erfahren hatte; selbst die Fumarolen lagen wie damals am NO.-Ende des Kraters. Es ist dies um so auffallender, als in der Zwischenzeit der anscheinend so bedeutende Aus- bruch von 1817 liegt, und folgt daraus unzweifelhaft, dass selbst dieser Ausbruch mit seinen colossalen Schlamm- und sauren Wasser-Massen, in Ganzen doch ein relativ, nicht intensiv, die Figuration das Berges umgestaltender war. Junghuhn freilich ist anderer Ansicht bezüglich der Veränderungen im Krater, und wie schon bemerkt, auf unrichtige Beobachtungen gestützt, Nimmt er an, dass durch den Ausbruch von 1517 auch bedeutende Veränderungen im Krater selbst verursacht worden seien. Ich muss dem hier nochmals aus den bereits angeführten Gründen widersprechen, und wenn allenfalls man annehmen könnte, Junghuhn’s Beschreibung vom Jahre 1844 sei richtig, und in der Zwischenzeit bis zum Jahre 1858, unserem Besuch, hätten wieder Veränderungen stattgefunden, so dass der Krater dann von neuem die Figuration angenommen hätte, wie zu Leschenault’s Zeiten, so muss ich dem das ganz bestimmte Zeugniss Zollinger’s entgegenstellen, der ausdrücklich ‘behauptete, im Jahr 1845, bei seinem ersten Besuche, den Krater ganz so gefunden zu haben, wie wir ihn 1858 fanden, mit, der einzigen Ausnahme, dass damals, 1845, die Vegetation nicht so weit heraufreichte. Junghuhn hat in seinem grossen Werke, Band II, Seite 712 und 713, weitläufig die angeblich stattgehabten

Veränderungen besprochen und Schlüsse daraus gezogen, und auch in Figur 3, Idjen, Skizzen

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gegeben; alles dies fällt natürlich mit der Thatsache dahin, dass Junghuhn die östlichen Kratertheile nicht kennen lernte.

Im Jahre 1817 fand der grosse Ausbruch statt, der auch in Europa des Näheren bekannt wurde, mit vielfachen Zuthaten versehen. In der folgenden kurzen Beschreibung desselben folge ich der bereits erwähnten Abhandlung Bosch’s: Uitbarsting der Vulkane Idjen en Raun, welcher die awntlichen Daten erschöpfend zusammengestellt hat, zum Theil nach Berichten des damaligen Residenten Roos.

Am 16. Januar begannen dem Idjen grosse Rauchwolken zu entsteigen, während Eril- stösse in Banjuwangi gefühlt wurden, und es vom Berge her dröhnte, wie beim Abfeuern schweren Geschützes. Am 24. Juni Beginn des Aschenregens und Steigen starker Feuermassen aus dem Berge unter stetem Toben des Innern des Vulkans. Der Aschenregen verdunkelte die Luft so, dass die Sonne kaum sichtbar war und hielt bis zum 28. an; am 26. hatte der tesident schon berichtet: »Alle Pflanzen sind bedeckt und fallen nieder durch die schwere Asche; in den Bächen treiben todte Fische in Menge; das Trinkwasser ist verpestet, und das Federvieh stirbt fast alles durch die Schwefeldämpfe, welche die Luft erfüllen. Sollte es noch lange so anhalten, so gehen in wenigen Tagen die Lebensmittel aus.« Darauf kamen Ueber- schwemmungen dazu; durch Schlammmassen gestaut, die von Berge herab kamen, traten die Bäche aus und standen an mehreren Orten 14 Fuss höher wie gewöhnlich; schwere Steine und Bäume kamen, von den Schlammmassen und den Wassern getragen, vom Gebirge herab- geschwemmt, und verwüsteten die Schlammströme alles Land, über das sie sich ergossen. Flüchtlinge kamen von allen Seiten nach Banjuwängi, der Ueberschwemmung zu entrinnen, und in aller Eile begann man Flösse zu zimuiern, um eventuell nach dem nahen Bali entrinnen zu können, da alle Landwege unter Wasser standen. In der Nacht vom 27. auf’den 28. lässt der Ausbruch nach, und am 29. hört er auf, wenngleich der Idjen immer noch rauchte und das Dröhnen in ihm noch fortdauerte, Die Ueberschwemmungen liessen erst am 30. nach und spätere Erhebungen ergaben, dass drei Dörfer mit 90 Häusern, sowie ganze Wälder in der Ebene weggeschwemmt waren. - Am 10. Februar hörte man vom Idjen neue heftige Schläge ; schwere Rauchsäulen stiegen auf und ein neuer Aschenresen fiel, diesmal aber nur 2 Zoll hoch, ohne dass es zu einem grossen Ausbruch von Neuem gekommen wäre. Von jetzt an kam der Berg zur Ruhe. Allein nun brachen Seuchen aus unter Vieh und Menschen, in Folge des,verdorbenen Wassers, der Ueberschwemmungen und der Schwefeldämpfe, ‘die noch immer in der Luft waren. Das Vieh starb massenweise dahin und ‘die überschwemmten 'Reisfelder

konnten zwei Jahr lang nicht 'bepflanzt werden, so sehr ‘waren sie vom Schlamm verdorben.

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Ein Javane, ein gewisser Bapa Kumi, war wenige Tage vor dem Ausbruche auf dem Idjen, Hirsche zu jagen. Den Krater hatte er damals sehr untief gefunden, kaum tiefer als die Höhe eines grossen Cocosbaumes (+ 60 Fuss), und hatte der See sich seinen Abtluss durch | den vorliegenden Querdamm gebahnt. Veranlasst durch den Regenten bestieg Kumi 6 Tage, nachdem der Ausbruch beendet, den Idjen wieder. Jetzt fand er alles rings um den Gipfel verwüstet, die starken Bäume und Gesträuche, die früher dort gestanden, lagen jetzt unter einer 20 Fuss mächtigen Aschenschicht. Drei Tiger und viele Hirsche und Vögel sah er todt auf der Asche liegen, welche die Luft verpesteten. In das Innere des Vulkans konnte Kumi nicht sehen, »wegen des dieken Rauchs und des aufsteigenden Feuers;« er mag in Wirklichkeit auch kaum weiter gekommen sein, als nach Ungup-Ungup und die Hochebene.

Die anhaltenden und ungewöhnlich starken Regengüsse, die wenige Tage nach dem eigentlichen Ausbruche gefallen waren, hatten die auf dem höheren Bergabhang liegende Asche (dem Kraterkegel?) herabgeführt und in Schlammströme verwandelt, die den Gebirgsspalten folgend in die Ebene sich ergossen. So waren in östlicher Richtung Schlammströme geflossen, einer durch Tjurabenda und Bantu ins Meer; ein anderer, von hier sich abzweigend, war ' in den Tambong, den Bach von Banjuwangi, geflossen und hatte ihn gestaut (es ist dies der bereits erwähnte an 1000 Fuss breite Schlammstrom unweit Banjuwangi); ein dritter war nördlich von Banjuwangi in die Ebene gekommen und hatte sich südlich von Bengalingan ins | Meer ergossen. In westlicher Richtung war ein anderer grosser Schlammstrom, dem Sungi- \ pahit folgend und durch die Kendang-Spalte sich ergiessend, gegen Sumberwaru zu geflossen, wodurch die Strandfläche bei Asembagus unter Wasser gesetzt wurde; dieser Schlammstrom

kam noch 11 bis 2 Fuss mächtig in die Ebene herab. Der Schlamm war kalt und erhärtete

schnell an der Luft, blieb dagegen unter Wasser jahrelang weich, wie <